Der Fels aus Norwegen (2): Zeiten der Erweckung

In dem Kapitel „Eine Erweckung zieht Kreise“ wird beschrieben, wie Hallesby von 1904 bis 1907 als Evangelist durch viele Orte Norwegens zieht und das Evangelium verkündigt. In diesen Jahren finden überall in Norwegen und Schweden große Evangelisationsveranstaltungen statt und massenweise strömen Leute dorthin und werden „erweckt“. Hallesby führt allein in einem Jahr 300 Veranstaltungen durch. Selbst die Hauptstädte Norwegens und Schwedens werden von der Bewegung erfasst:

„Nach zwei Evangelisationswochen in Stockholm „ist der Zustrom so überwältigend gewesen, daß man die Polizei benötigte, um einen geordneten Ablauf zu gewährleisten.“ (S. 68)

Bei der Beschreibung dieser Erweckungsbewegung war ich skeptisch – das hörte sich alles so nach Strohfeuer an. Und so wunderte es mich nicht, als ich auf folgende Zeilen stieß:

„In mehreren Dörfern muß er [Hallesby] mit Schrecken feststellen, daß viele der ‚Erweckten‘ wieder in ihr altes Leben zurückgefallen sind.“ (S. 69)

Hallesby unterscheidet deshalb stets „deutlich zwischen ‚erweckt sein‘ und ‚umgewendet (bekehrt) sein‘.“ Ich finde diese Unterscheidung sehr hilfreich. Das biblische Beispiel dafür wäre Nikodemus, der zu Jesus kommt (erweckt ist) aber noch nicht wiedergeboren (bekehrt) ist. In der Praxis bedeutet es für Hallesby, einen Suchenden auch wieder nach Hause schicken zu können, wenn er merkt, dass dieser sein altes Leben noch nicht loslassen will.
Das zweite was mir auffiel, dass die Predigten extrem stark von der subjektiven Erfahrung durchdrungen waren. Auch Hallesbys Predigten bestanden zunächst im Grunde nur darin, seine eigene Bekehrung zu schildern. Doch die oben angeführten negativen Erfahrungen lehren ihn, seine Predigten nach und nach anders zu gestalten, sodass er „in seinen Predigten immer seltener von seiner eigene Bekehrung“ spricht. Vielmehr weiß er:

„Auch die frömmsten Erfahrungen des Verkündigers können nicht Grundlage einer überzeugenden Predigt sein. Der Prediger muß vielmehr stets bedenken, daß die Schrift selbst zu dem Gewissen der suchenden Menschen redet und daß nichts als Gottes Wort – klar und unverfälscht – im Mittelpunkt stehen darf.“

Selbst die besten Zeugnisse (auch wenn sie wichtig sind!) können also nicht Grundlage einer Erweckung sein – sondern es ist die Predigt des Wortes Gottes!

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