Johannes Busch (6): Pietismus

Lothar Gassmann hat mit seinem Buch „Pietismus wohin?“ im Jahr 2004 zurecht das Augenmerk auf kritische Entwicklungen bei den „Stillen im Lande“ gerichtet (übrigens mit Vorwort von Wolfgang Nestvogel). Doch der heute vielfach vom Worte Gottes distanzierte Pietismus zeichnete sich einst durch das Gegenteil aus: Bibeltreue in Lehre und Leben. Von daher ist es auch zu verstehen, dass Wilhelm Busch die Kritik von Karl Barth, der Pietismus habe zu sehr den Menschen im Fokus und nicht Gott, zurückwies. Busch schreibt in der Biografie:

„Der Pietismus hat da, wo er echt und nüchtern geblieben ist, keine eigenwilligen Sonderlehren. Aber die Väter haben uns entscheidende biblische Linien eindrücklich gemacht. Dazu zähle ich:

  1. Respekt vor der Bibel, weil sie Gottes heiliges Wort ist.
  2. Eine klare Entscheidung für Jesus und Bekehrung zu dem, der für unsere Sünden gestorben ist.
  3. Ein Ernstnehmen der Heiligung, die sich selbst in heilige Zucht nimmt, zumal in den ‚Mitteldingen‘, dem Bruder aber Liebe und Erbarmen zeigt.
  4. Allgemeines Priestertum der Gläubigen.
  5. Brennender missionarischer Eifer.“ (S. 19)

Ein gutes Programm! Bemerkenswert auch die Aussage „zumal in den Mitteldingen“. Wollen wir es nicht oft umkehren?

2 Gedanken zu „Johannes Busch (6): Pietismus“

  1. Die dritte Aussage ist sehr altdeutsch…
    Ist mit „zumal in den ‚Mitteldingen‘, dem Bruder aber Liebe und Erbarmen zeigt“ gemeint, dass man in nicht heilsentscheidenden Fragen die Meinung / Auslegung anderer Geschwister toleriert (oder vielleicht besser: akzeptiert) und nicht gleich richtet und verurteilt?

  2. Du hast recht, es ist wirklich eine alte Ausdrucksweise. Zuerst: Ich würde vorsichtiger mit der Bezeichnung „nicht heilsentscheidend“ sein, denn auch Dinge, die vom Wesen her nicht sündig sind, sind schon manchem zum Fallstrick geworden. Wer hätte gedacht, dass man aus dem Paradies gestoßen wird, nur weil man von einem Baum isst? Und was wäre schon dabei, wenn Jesus aus Steinen Brot machen würde? Daher: Vorsicht mit diesem Ausdruck! (ich denke dabei etwa an solche, die mit diesem Ausdruck gerne ihre fleischlichen Begierden vertuschen, die hinter ihren kritischen Fragen z.B. zur Gemeinde- und Jugendordnung etc. stehen) Zu deiner Frage: Ich denke, mit deinem Hinweis, dass man nicht sofort „richtet und verurteilt“, liegst du richtig. So verstehe ich Busch an der Stelle auch.

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