Jonathan Edwards (2): Irreführende Gelehrsamkeit

In der Biographie von Jonathan Edwards wird der geistliche Niedergang in seiner Zeit beschrieben. Dabei lassen sich viele Parallelen auch zum heutigen Niedergang des geistlichen Lebens, vor allem in der Theologie, erkennen. Interessant und wichtig ist es, wie Edwards hier reagiert:

„Die Sache, wofür sich die Puritaner eingesetzt hatten, wurde als ausgedient betrachtet, […] Die Tage der „Bigotterie“ waren vorrüber, wobei man allgemein noch der Ansicht war, dass das Christentum wenn es in der neuen Zeit noch irgendeine Rolle spielen wollte, weitaus liberaler geprägt sein müsste. […] Doch Edwards´ Standpunkt war völlig anders als diejenige, die in den Werken Londoner Verlage gefördert wurde. Was ihn betraf, durfte man Glaubenshaltungen nicht nach ihrem offensichtlichen Erfolg oder Misserfolg beurteilen; sie und die Geschichte mussten vielmehr anhand der Heiligen Schrift beurteilt werden. […] Seine Grundlegende Kritik an der Gelehrsamkeit des 18. Jahrhunderts bestand in Folgendem: Sie versagte darin, die angeborene Finsternis des menschlichen Geistes in geistlichen Dingen anzuerkennen, und darum stellte sie sich über die Offenbarung Gottes in der Bibel: Als Christus in die Welt kam, hatte die Gelehrsamkeit einen hohen Rang; aber auch die Gottlosigkeit stach niemals so sehr heraus wie damals … So ist es auch jetzt: Die Gelehrsamkeit erreicht in aller Welt beachtliche Höhen und befindet sich in einem viel höheren Stand als zu der Zeit, da Christus erschien. Dennoch erreicht die Welt durch ihre Gelehrsamkeit und Menschenweisheit Gott nicht; und sie scheint im Dunkeln umherzuirren, ist schrecklich getäuscht, stolpert und fällt in glaubensmäßigen Angelegenheiten wie in mitternächtlicher Dunkelheit. Auf ihre Gelehrsamkeit vertrauend, tappen die Menschen am hellichten Tag wie in der Nacht umher. Die Ansichten der Gelehrten gehen in glaubensmäßigen Dingen außerordentlich weit außeinander; die Betreffenden verfallen verwerflichen Ansichten aller Art und verderblichen, törichten Irrtümern. Sie verschmähen es, ihre Vernunft der göttlichen Offenbarung zu unterwerfen und irgendetwas zu glauben, was ihr Verstehen übersteigt. Während sie sich daher für weise halten, sind sie zu Narren geworden (1.601).“ (S110-112)

Das einzig richtige für Jonathan Edwards war in diesem Fall, an der Heiligen Schrift treu festzuhalten. Und genau das gilt für uns in der heutigen Zeit, in der der geistliche Niedergang wohl um einiges gravierender ist, als zu Edwards´ Zeiten in Neuengland.

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