Lehre und Leben (4): Kopfwissen rettet nicht

In dem Artikel „Halte fest“ (auf englisch) plädiert J. C. Ryle dafür, den Kampf für die Wahrheit zu führen, auch wenn er nicht populär ist. Ryle war ein Mann, der auf gesunde Lehre großen Wert legte. Folgende Passage machte mich jedoch nachdenklich:

„Leser, es wird weder dich noch mich erretten, wenn wir alle Kontroversen kennen und alles erkennen können, was falsch ist. Kopfwissen wird weder dich noch mich in den Himmel bringen. Wir werden nicht dadurch errettet, dass wir mit den Katholiken argumentieren oder die Irrtümer der päpstlichen Bullen oder Pastoralbriefe erkennen können. Lasst uns darauf achten, dass wir Jesus Christus selbst besitzen durch unseren eigenen persönlichen Glauben. Lasst uns darauf achten, dass ein jeder von uns Zuflucht bei der Hoffnung sucht, die uns in seinem herrlichen Evangelium gegeben ist. Lasst uns dies tun, und es wird uns wohl ergehen, was immer auch uns zuwiderläuft. Lasst uns dies tun, und dann werden alle Dinge unser sein. Die Kirche mag versagen. Der Staat mag in den Ruin gehen. Die Grundfeste der Institutionen mögen erschüttert werden. Die Feinde der Wahrheit mögen für eine Zeit die Oberhand gewinnen; aber was uns angeht, wird alles gut sein. Wir werden Frieden in dieser Welt haben, und in der kommenden Welt ewiges Leben, denn wir werden Christus haben.“ (via distomos)

Der eigene persönliche Glaube! Wie sagt Paulus: Habe acht auf dich selbst und [danach] auf die Lehre!

Ein Gedanke zu „Lehre und Leben (4): Kopfwissen rettet nicht“

  1. Wirklich eine sehr wichtige Erkenntnis. Ich musste auch schon Mal daran denken, dass man im ganzen Graben usw. (was ja nicht schlecht ist!) den „einfachen“ Glauben, der einen persönlich durch den Tag trägt, nicht vergesse darf. Mir kam das Bild eines einfachen Bauern in den Sinn: der hat vielleicht nicht den größten Scharfblick, die tiefste Lehre und apologetische Fähigkeiten, aber er ist gottesfürchtig und hat eine simple, echte Liebe zu dem Herrn Jesus und vertraut Gott tagtäglich bei seiner Feldarbeit. In so einem Zustand freut man sich im Herrn, und das ist wichtig.

    Ich möchte noch einen Gedanken erwähnen der mir – wenn auch vielleicht in einem etwas anderen Zusammenhang – wichtig wurde: es fällt uns sehr leicht über „Fehler in der Lehre“ von anderen Leuten zu sprechen. Da fällt z.B. der Name William MacDonald und sofort: „Oh, aber der hat Unverlierbarkeit des Heils“. Oder John MacArthur: „Der hat ja auch zum Teil komische Ansichten, aber na ja, OK, der übt wenigstens strenge Gemeindezucht…“ und so geht das dann.
    Woran man aber oft nicht denkt ist die „persönliche Glaubensseite“ der Männer (ich hoffe ihr versteht was ich meine): wir wissen nicht wie Ihre persönliche Beziehung zu Jesus Christus aussieht und was sie vielleicht für Kämpfe und Anfechtungen haben (in denen sie siegen).
    Vielleicht ist ihr Leben in ihrem täglichen Umfeld vorbildlicher als das unsere.
    Ich denke das gilt auch für Männer wie z.B. Manfred Siebald und Billy Graham. Billy Graham z.B. schreibt vor einer Großevangelisation in Manhattan (die von der Presse stark verfolgt wurde) in sein Tagebuch: „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass einmal ein Tag kommen würde, an dem ein Prediger in gewöhnlicher Kleidung durch jede beliebige Straße in New York gehen kann und jeder ihn erkennt. Das hat Gott möglich gemacht. Die Verantwortung ist so überwältigend, dass ich mich kaum entspannen kann. Ständig quält mich die Sorge, ich könnte mit einem falschen Schritt Christus in Misskredit bringen.“ (aus der Autobiografie „So wie ich bin“)
    Ich möchte noch einmal klarstellen: natürlich entschuldigt das persönliche Leben nicht eine falsche Lehre, aber über den Gedanken an sich sollte man Mal nachdenken.

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