Die Sünde der falschen Scham

Wir wurden beim RWE am Samstag nachmittag Zeugen davon, dass viele Gläubige zugaben, sich des Zeugnisses vom Herrn Jesus zu schämen. Diese Not ist nicht neu. Bach hat sich in der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ damit auseinandergesetzt und deutlich gemacht, dass das Zeugnis das ganze Leben umfassen sollte (d.h. eben mit Herz und Mund und Tat und Leben).
Der Chor singt entsprechend als Erstes:

„Herz und Mund und Tat und Leben
Muss von Christo Zeugnis geben
Ohne Furcht und Heuchelei,
Dass er Gott und Heiland sei.“

In der ersten Arie macht er dann deutlich, dass hier sehr viel auf dem Spiel steht:

„Schäme dich, o Seele, nicht,
Deinen Heiland zu bekennen,
Soll er dich die seine nennen
Vor des Vaters Angesicht!
Doch wer ihn auf dieser Erden
Zu verleugnen sich nicht scheut,
Soll von ihm verleugnet werden,
Wenn er kommt zur Herrlichkeit.“

Gegen Ende der Kantate äußert er dann die tiefe Bitte:

„Hilf, Jesu, hilf, dass ich auch dich bekenne
In Wohl und Weh, in Freud und Leid,
Dass ich dich meinen Heiland nenne
Im Glauben und Gelassenheit,
Dass stets mein Herz von deiner Liebe brenne.“

Es ist übrigens äußerst interessant, bei dem Wort „brenne“ darauf zu achten, was ich bezüglich des Zusammenhanges von Text und Melodie bei Bach sagte.
Durch den äußerst bildhaften und interessanten Hinweis auf Johannes im Mutterleib macht Bach darauf hin den Gläubigen Mut:

„Der höchsten Allmacht Wunderhand
Wirkt im Verborgenen der Erden.
Johannes muss mit Geist erfüllet werden,
Ihn zieht der Liebe Band
Bereits in seiner Mutter Leibe,
Dass er den Heiland kennt,
Ob er ihn gleich noch nicht
Mit seinem Munde nennt,
Er wird bewegt, er hüpft und springet,
Indem Elisabeth das Wunderwerk ausspricht,
Indem Mariae Mund der Lippen Opfer bringet.
Wenn ihr, o Gläubige, des Fleisches Schwachheit merkt
Wenn euer Herz in Liebe brennet,
Und doch der Mund den Heiland nicht bekennet,
Gott ist es, der euch kräftig stärkt,
Er will in euch des Geistes Kraft erregen,
Ja Dank und Preis auf eure Zunge legen.“

Und dann folgt (nach einer Arie) als Abschluss der Choral, den wir auch im Chor singen:

„Jesus bleibet meine Freude,
Meines Herzens Trost und Saft,
Jesus wehret allem Leide,
Er ist meines Lebens Kraft,
Meiner Augen Lust und Sonne,
Meiner Seele Schatz und Wonne;
Darum lass ich Jesum nicht
Aus dem Herzen und Gesicht.“

Das Stück kann man auszugsweise auch online anhören und parallel dazu die Noten verfolgen.
HIER geht’s zu den Noten (oder HIER nur der Text).

4 Gedanken zu „Die Sünde der falschen Scham“

  1. Hinsichtlich eines ähnlichen Themas schreibt Schandor, ein bei Theoblog aktiver Kommentarverfasser folgendes auf besagtem Blog:

    „Mir geht es auch so. Noch schlimmer wird’s, horcht man sich die Predigten eines der wohl unerschrockensten Evangelisten (man korrigiere mich bitte, wenn ich mich da irre!) der Gegenwart an – Paul Washers.
    Da wird mir angst und bang, muss ich sagen. Da werde ich nur mehr traurig, wie weit ich da weg bin.

    Aber wenn ich dann darüber nachdenke, tröstet mich der Gedanke: Du bist Du an Deinem Ort; was kann ich mehr tun als täglich zu bitten, Gott möge mich zu seiner Ehre gebrauchen? Kann ich mich denn selbst ändern? Nein, ich kann es nicht, ich brauche doch die Hilfe des lebendigen Gottes! Ja, möge Gott uns gnädig sein und bleiben!
    Ich gebe mich nicht zufrieden mir mir selbst, weiß aber: Nie darf mein Tun zur versteckten Grundlage meiner Seligkeit werden, um es mal in alten Worten auszudrücken. Wenn mir nicht Christi Verdienst zugerechnet wird, kann ich nimmer vor Gott bestehen. Gerade deshalb sehne ich mich danach, dass er mich umformt in sein Bild.
    Und wenn es uns so scheinen mag, als habe er andere Menschen schon deutlich stärker in sein Bild umgewandelt, was soll’s und entmutigen? Wer außer Gott könnte uns ein solch brennend Herz schenken? Antwort: Niemand. Darum wollen wir ihn bitten.

    Liebe Grüße,
    S.“

  2. Ich möchte mit fogendem Liedtext auf keinen Fall dem widersprechen was oben gesagt wurde. Ich möchte nur auf die Gefahr eines „Übereifers“ (bitte korrigiert wenn man das nicht so sagen darf), oder allgemein auf eine Gefahr hinweisen

    Ich wollte dich verteidigen
    Bei denen die dich übersehen
    Dich schmähen dich beleidigen
    Weil sie dich einfach nicht verstehen
    Doch plötzlich stand nur meine Ehre
    Und nicht mehr deine auf dem Spiel
    Und meine Weisheit meine Lehre
    Weil ich mir nicht als dein Narr gefiel

    Herr immer noch fällt es mir schwer
    Mit dir zu leiden und still zu sein mir dir
    Herr du trugst dein Kreuz vor mir her
    Hilf mir zu sehen ein leichteres liegt auf mir

    Ich wollte für dich kämpfen Herr
    Wie damals Petrus für dich stritt
    Mich schmerzten deine Wunden sehr
    Ich litt ein Stück des Hasses mit
    Doch du hast mich nur angesehen
    Bis ich begriffen hab
    Du lässt noch den im Segen gehen
    Der dich verfluchte und Schläge dir gab

    Herr immer noch fällt es mir schwer
    Mit dir zu leiden und still zu sein mir dir
    Herr du trugst dein Kreuz vor mir her
    Hilf mir zu sehen ein leichteres liegt auf mir

    Ich wollte für dich gerade stehen
    Sie waren wieder mal so weit
    In dir den Schuldigen zu sehen
    Für Menschenhass und Menschenleid
    Ich hab zu eifern angefangen
    Und hörte nicht heraus
    Das in den Klagen Fragen schwangen
    Fragen nach dir und dem Weg nach Haus

    HERR DU HAST SCHON LANGE GESIEGT
    LANGE BEVOR ICH BEGANN FÜR DICH ZU STREITEN
    Herr zeige mir dass es genügt
    Andere in Liebe zu dir zu begleiten

    Noch einmal: dises Lied soll kein Ruhekissen sein, nur darauf hinweisen, dass GOTT der wirkende ist. Er muss uns leiten und die Herzen der Ungläubigen berühren.
    Er muss auch beim Zeugnis der Mittelpunkt sein!
    (Ich verweise auf die RWE-Wanderung, in der Waldemar die Frage stellte ob man im sehr eifrigen wirken z.B. für die Stadt (unbewusst) den Menschen in den Mittelpunkt rücken kann.

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