Der Mann, der die Bedeutung des Endes missverstand

Ich lese zurzeit eine Biografie von C. S. Lewis (hier zu kaufen, das Buch ist schon aufgrund der wunderbaren Beschreibungen von Oxford und den damaligen Verhältnissen lesenswert) und muss sagen, dass mich Lewis beeindruckt. Folgender Ausschnitt aus seinem Werk „Die große Scheidung“ zeigt – wie viele andere Schriften auch – sein Talent.

Ich möchte insbesondere auf den letzten Satz aufmerksam machen:
Der Lehrer erzählt eine Geschichte
„Vor kurzer kam eine Kreatur her und kehrte wieder zurück – Sir Archibald nannten sie ihn. In seinem irdischen Leben hatte er sich für nichts anderes als die Unsterblichkeit interessiert. Er hatte sogar ein ganzes Regal voller Bücher darüber geschrieben. Anfangs befasste er sich aus philosophischer Sicht damit, doch am Ende wandte er sich der parapsychologischen Forschung zu. Das wurde dann seine einzige Beschäftigung – er experimentierte, hielt Vorträge, gab eine Zeitschrift heraus. Und er reiste, grub merkwürdige Geschichten unter tibetanischen Lamas aus und ließ sich in Zentralafrika in geheime Bruderschaften aufnehmen.
Beweise – und dann mehr Beweise – und dann noch mehr Beweise – das war es, was er wollte. Es machte ihn wahnsinnig, wenn er beobachtete, dass sich jemand für etwas anderes interessierte. Während eines eurer Kriege kam er in Schwierigkeiten, weil er im ganzen Land herumreiste und den Leuten sagte, sie sollten nicht kämpfen, weil damit eine Menge Geld verschwendet würde, das man lieber in die Forschung stecken sollte.
Nun, als die Zeit gekommen war, starb der arme Kerl und kam hierher; und keine Macht im Universum hätte ihn daran gehindert, zu bleiben und weiter zu den Bergen zu gehen. Aber glauben Sie, er hätte sich darüber gefreut? Dieses Land war für ihn völlig belanglos. Hier waren ja schon alle „unsterblich“. Keiner interessierte sich mehr für die Frage. Es gab nichts mehr zu beweisen. Sein ganzes Lebenswerk hatte sich in Luft aufgelöst.
Freilich, hätte er nur zugegeben, dass er die Mittel mit dem Zweck verwechselt hatte, und einfach ordentlich über sich selbst gelacht, so hätte er wie ein kleines Kind ganz von vorn beginnen und in die Freude eintreten können. Aber das wollte er nicht. Mit Freude konnte er ja nichts anfangen. Am Ende ging er fort.“
„Das ist ja unglaublich!“, rief ich aus.
„Finden Sie?“ erwiderte der Lehrer mir einem durchdringenden Blick. „Das liegt Leuten wie Ihnen näher, als Sie denken. Es hat schon immer Menschen gegeben, die so erpicht darauf waren, die Existenz Gottes zu beweisen, dass Gott selbst ihnen schließlich ganz gleichgültig wurde … als ob der gute Herr nichts anderes zu tun hätte als zu existieren!
Es hat Menschen gegeben, die so sehr damit beschäftigt waren, das Christentum auszubreiten, dass sie keinen Gedanken mehr für Christus übrig hatten.“
aus „Die große Scheidung“.

Ein Gedanke zu „Der Mann, der die Bedeutung des Endes missverstand“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *