Die christozentrische Predigt (1)

In der Hinsicht dass das Evangelium den Mittelpunkt jeder Predigt abbilden sollte, sind wir uns wohl alle einig. Aber was bedeutet das praktisch? Wie kommen wir zu einer christozentrischen Auslegung des Bibeltextes? Diese Frage ist ja nicht nur im Bezug auf Predigten relevant, die Richtung unseres persönlichen Bibelstudiums entscheidet sich an diesem Aspekt. Ich möchte daher im Folgenden Armin Mauerhofer zitieren, der sich mit dem Thema der christozentrischen Homiletik grundlegend befasst hat. (Das Buch findet sich hier)

Der Heilige Geist zeigt uns, dass Jesus Christus die Mitte der Heilsgeschichte ist. […] Gottes Offenbarung zielt auf die Erlösung und Vollendung der Menschen in Christus, die sich auch in der Schöpfung zeiogen wird. Eckhard Schnabel sagt:„Die christozentrische Konzentration ist vielmehr die hermeneutische Richtschnur für die Interpretation der in der Bibel als Einheit gegebenen Offenbarungsgeschichte.“

Damit sagen Mauerhofer bzw. Schnabel, dass schon der Ansatz an sich christozentrisch sein soll, die „christozentrische Brille“ muss also schon vor dem Lesen, dem Gang zur Schrift aufgesetzt sein. Weiter schreibt Mauerhofer:

Alle heilsgeschichtlichen Linien des Volkes Israel, der Gemeinde, des kommenden Reiches Gottes und der Erschaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde laufen in Jesus Christus zusammen. Jesus ist der Angelpunkt und zugleich der Wendepunkt in der Heilsgeschichte. Nur auf ihn hin und von ihm her kann die in der Bibel geoffenbarte Heilsgeschichte verstanden werden.
[…] Der Ausleger sucht deshalb den philologisch-historisch aufgearbeiteten Text heilsgeschichtlich einzuordnen und christozentrisch auszulegen. Die Bibel selbst verweist uns auf die Tatsache, dass sie nur von Jesus her in rechter Weise verstanden und gelebt werden kann.[…]

Mauerhofer nennt hier einige Belege aus der Bibel, u. a. Kolosser 2, 3:„In Jesus Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen.“ Daraufhin nennt er den meines Erachtens nach entscheidenden Satz:

Deshalb haben wir bei der Auslegung eines jeden Textes, ob er nun im Alten Testament oder Neuen Testament steht, zu fragen: In welcher Beziehung steht diese Aussage des Textes zur Person und zum Erlösungswerk Jesu und seinen Auswirkungen?

Ich glaube, dass diese Art und Weise der Exegese von Bibeltexten uns noch mehr in die Tiefen Gottes und in die Größe seines Sohnes Jesus Christus hineinführt!

2 Gedanken zu „Die christozentrische Predigt (1)“

  1. Als ich am Sonntagnachmittag im Gottesdienst saß und der Predigt „Gottes Möglichkeiten und menschliche Unmöglichkeiten“ lauschte stellte ich mir genau diese Frage: Wie wäre dieser Text in 2. Könige 7 mit Blick auf Christus auszulegen? Das wäre doch mal interessant. Die Predigt war sehr gut (ich wurde persönlich ermutigt, es war sozusagen gerade für mich), aber der Fokus war nicht auf Christus gerichtet, oder?

  2. Den gleichen Gedanken gerade bezüglich der Predigt hatte ich schon mit mehreren ausgetauscht. Was sagt den der Text in Beziehung auf Christus? Vielleicht können wir das gemeinsam überlegen.

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