Geld, Besitz und Ewigkeit (4): Die Wohlstandskrankheit

Für unsere Kinder zu sorgen ist eine Sache. Etwas anderes ist es, sie mit Gütern zu überhäufen, bis sie sich in selbstbezogene Materialisten verwandelt haben. Eine alarmierende Zahl von Kindern aus christlichen Familien wächst mit der Gier nach allem und jedem auf, das sie in die Hände bekommen können. Kinder, die in einer solchen Atmosphäre aufwachsen – und dazu gehören die meisten Kinder in Amerika – ; leiden an einer tödlichen Krankheit, der „Affluenza“:

Affluenza ist eine seltsame Krankheit, die die Kinder wohlhabender Eltern befällt. Obwohl sie alles haben, das man mit Geld kaufen kann, zeigen die Kinder alle Symptome krasser Armut: Depressionen, Angst, Sinnverlust und Verzweifeln an der Zukunft. Affluenza ist verantwortlich für die Flucht in Alkohol, Drogen, Ladendiebstahl und Selbstmord unter den Kindern der Reichen. Am häufigsten tritt sie da auf, wo die Eltern dem Heim fernbleiben und versuchen, die Liebe ihrer Kinder zu kaufen.

Denken sie an das typische amerikanische Weihnachtsfest. Wenn der alljährliche Hindernislauf durch überfüllte Einkaufszentren am großen Tag seinen Gipfel erreicht hat, was bleibt dann davon übrig? Eine Spur aus Fetzen von Geschenkpapier und ein Berg von kaputtem, liegengelassenem und ungeliebten Spielzeug. Alles andere als voller Dankbarkeit für das, was Weihnachten bedeutet, sind die Kinder gierig, mürrisch, wählerisch, störrisch und undankbar – genau deswegen, weil sie so viel bekommen haben.

Wir lieben unsere Kinder. Das tun auch ihre Großväter und Großmütter, Tanten und Onkel und Freunde. Wir alle scheinen zu meinen, dass Liebe sich daran misst, dass man Dinge schenkt. Wir sagen, dass das nicht so ist, aber dann handeln wir genau so, als ob es doch so ist. Unsere Kinder sind nicht batteriebetrieben. Ihre tiefsten Bedürfnisse sind geistlicher, geistiger und emotionaler Natur, und diese Bedürfnisse kann man nicht mit blinkenden Lämpchen und Puppenstuben decken. Manchmal dämmert uns das, aber wir vergessen es gleich wieder. Das nächste Weihnachtsfest, der nächste Geburtstag kommt bestimmt, und wieder ersticken wir unsere Kinder mit Sachen. Damit fördern wir in ihnen eine Sichtweise für das Leben, die der biblischen Sichtweise direkt wiederspricht, die wir ihnen zu Hause und in der Gemeinde lehren wollen. Dinge, die wir in kleinen oder überschaubaren Mengen zutiefst geschätzt hätten, werden in großen Mengen unattraktiv oder gar abstoßend. Wie ein Mensch, der sich an einem Büffet vollgetopft hat, den Gedanken an Essen widerlich findet, so verliert jemand, der mit materiellen Dingen übersättigt ist, seien Wertschätzung und seinen Respekt für sie. Am Ende ist es ihm völlig egal, was damit passiert. Der so oft fehlende Respekt von Kindern für ihren Besitz und den anderer Leute ist eine direkte Folge dieser Übersättigung.

Wenn wir das Schenken von materiellen Dingen mit dem Mitteilen von Gnade verwechseln, dann tun wir unseren Kindern einen großen Bärendienst. Kinder, die damit aufwachsen, dass sie das meiste von dem, was sie wollen, auch bekommen, haben eine vorhersehbare Zukunft. Wenn sie nicht lernen, über ihre Erziehung hinwegzukommen, werden sie Kredite zu unrechten Zwecken gebrauchen, sich verschulden, und schlechte Arbeitnehmer sein. Sie werden als unverantwortliche Mitglieder ihrer Familie, Gemeinde und Gesellschaft auftreten. Sie werden dazu neigen, anderen die Schuld zu geben, sich bei Unglücksfällen in den Schmollwinkel zurückziehen und glauben, dass ihre Familie, ihre Gemeinde, ihr Land, ihr Arbeitgeber ihnen etwas schuldig ist.
Nachdem ich unzählige solcher Erwachsenen in der Seelsorge hatte, bin ich überzeugt, dass viele von ihnen so sind, weil ihre aufrichtigen, aber irregeleiteten Eltern sie zu sehr verwöhnten.

Eltern, die ihre Kinder aus „Liebe“ verwöhnen, sollen erkennen, dass sie eine Form von Kindesmissbrauch begehen. Obwohl es keine menschengemachten Gesetze gegen solchen Missbrauch gibt, kann diese geistliche Misshandlung langfristig zu genauso großen persönlichen und sozialen Schäden führen wie der schlimmste körperliche Missbrauch.

Heute zögern viele christliche Familien, Gottes Ruf zu einem einfacheren oder strategischeren Lebensstil zu folgen, weil sie ihren Kindern keine materiellen Vorteile vorenthalten wollen. Dabei entziehen sie ihren Kindern aber gerade unzählige geistliche und ewige Vorteile.
Falls sie beschließen sollten, in ein fernes Land aufs Missionsfeld zu gehen, würden ihre Kinder vielleicht keinen Sportverein, keine Schulbälle, kein schönes Fahrrad oder kein Auto haben – aber die geistlichen Vorteile könnten enorm sein. Als christliche Eltern müssen wir lernen, das auszuwählen, was hier auf der Erde (für uns und unsere Kinder) im Licht des himmlischen Wertesystems das Beste ist. Es sollte uns um einen Lebensstandard gehen, der in Ewigkeit Bestand hat. Diese Sichtweise ist innerhalb einer Familie ansteckend. Ein an der Ewigkeit ausgerichtetes Wertesystem ist das größte Erbe, das wir unseren Kindern mitgeben können.
Aufgrund des Prinzips, das die unnötige Erfüllung eines Wunsches diesen nur eher noch vergrößert, stellte John Wesley wohlmeinenden Eltern folgende Fragen:

  • Warum solltet ihr für sie noch mehr Stolz oder Lust, mehr Eitelkeit oder törichte und schädliche Wünsche anschaffen?

  • Warum solltet ihr Euch in weitere Unkosten stürzen, nur um ihre Versuchungen und Fallstricke zu mehren und sie mit noch mehr Kummer zu beschweren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *