Das Gebet in der Gemeinschaft

Dietrich Bonhoeffer schreibt in „Gemeinsames Leben“ über die Bedeutung der Psalmen in der gottesdienstlichen Gemeinschaft unter Christen. Ein Aspekt beinhaltet, dass es sich um gemeinsames Gebet handelt:

[…] Drittens lehrt uns das Psalmengebet als Gemeinschaft zu beten. Der Leib Christi betet, und als Einzelner erkenne ich, wie mein Gebet nur ein kleinster Bruchteil des ganzen Gebets der Gemeinde ist. Ich lerne das Gebet des Leibes Christi mitbeten. Das hebt mich über meine persönlichen Anliegen hinaus und lässt mich selbstlos beten. Viele Psalmen sind von der alttestmentlichen Gemeinde höchst wahrscheinlich im Wechsel gebetet worden. Der sogenannte parallelismus membrorum, d. h. jene merkwürdige Wiederholung derselben Sache mit anderen Worten in der zweiten Zeile des Verses, wird nicht nur eine literarische Form sein, sondern auch kirchlich-theologischen Sinn haben. Es würde sich verlohnen, dieser Frage einmal sehr gründlich nachzugehen.[…]

Bonhoeffer führt unter anderem Psalm 5 an, wo es besonders deutlich wird:

Vers 2: Vernimm, o HERR, meine Worte; achte auf mein Seufzen!
Vers 5: Denn du bist nicht ein Gott, dem Gesetzlosigkeit gefällt; wer böse ist, darf nicht bei dir wohnen.

Und so gibt es noch einige Beispiele in den Psalmen, die dieses Prinzip der Wiederholung beinhalten. Weiter schreibt er:

[…] Immer sind es zwei Stimmen, die mit anderen Worten ein und dasselbe Gebetsanliegen vor Gott bringen. Sollte das nicht ein Hinweis darauf sein, dass der Betende nie allein betet, sondern dass immer ein Zweiter, ein anderer, ein Glied der Gemeinde, des Leibes Christi, ja Jesus Christus selbst mitbeten muss, damit das Gebet des Einzelnen rechtes Gebet sei? […]

Ganz praktisch für uns: Wie sieht mein Mitbeten mit den Geschwistern aus? Bin ich konzentriert dabei, wenn andere beten und unterstütze ich das Gebet mit einem „Amen“ am Ende? Und noch viel wichtiger: Sehe ich, dass mein Gebet alleine von mir gesprochen schwach und hilflos ist vor Gott und wie sehr ich das Mitbeten der Geschwister und vor allem das Vertreten des Herrn Jesus brauche?

[…] Es bleibt in allem unserm Beten immer nur das Gebet Jesu Christi, das Verheißung hat und uns von heidnischem Geplapper befreit. Je tiefer wir wieder in die Psalmen wieder hinein wachsen und je öfter wir selber sie gebetet haben, desto einfacher und reicher wird unser Gebet werden.

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