Johannes Busch (14): Feingefühl ohne Menschenfurcht

Die Vorbereitung einer Predigt kann zu zweierlei verführen: Einerseits neigen wir dazu, ohne Rücksicht auf Verluste mit knallhartem Einsatz für die Wahrheit einzustehen – vor allem wenn wir meinen, etwas erkannt zu haben (was aber bekanntlich aufbläht). Andererseits ist da die Gefahr der Anpassung, damit man ja bloß niemandem auf die Füße tritt und keinen mit seiner Predigt verletzt.
Ein Bericht über eine Predigt, die Johannes Busch in einer ihm fremden Gemeinde halten musste, ermutigt, das Gleichgewicht nicht zu verlieren und so diesen Verführungen zu entgehen:

„Johannes wählte als Text die Geschichte vom ‚Pharisäer und Zöllner‘. Aber als die Predigt glücklich fertig war, erfuhr er: Die Gemeinde besteht zum größten Teil aus Zollbeamten. Da packte den Studenten die Sorge, die könnten das ‚in den falschen Hals‘ kriegen. So wählte er einen neuen Text: Wie der gute Hirte sein verlorenes Schaf sucht.“ S. 89

Sein Bruder schlussfolgert:

„Die kleine Geschichte ist typisch. Johannes hat offen und frei die Wahrheit bekannt, ohne Menschenfurcht. Aber er wollte alles vermeiden, was unnötig verletzen kann. Das hat ihn später, als Bundeswart, fähig gemacht, in schwierigsten Verhandlungen auch das Herz derer zu gewinnen, denen er widerstehen mußte.“ Ebd.

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