Befreit leben (2) – Wenn Menschen größer scheinen als Gott

Edward Welch schreibt in seinem Buch, dass Angst vor gewissen Dingen ganz natürlich sei – wenn sie nicht übersteigerte Formen annimmt:

Ich will das erklären. Wir sollen Angst haben, wenn wir körperlich bedroht werden. Dass das Adrenalin durch unseren Körper jagt, wenn jemand auf uns schießt, ist sicher keine Sünde. Bei Menschenfurcht allerdings laufen unsere Ängste Amok. Das kann vielleicht mit einer ganz normalen Angst beginnen, weil wir uns bedroht und verwundbar fühlen. Es kann aber manchmal vorkommen, dass dieser Alarm vom Glauben nicht mehr in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Die Angst macht sich selbstständig und verliert Gott zeitweilig aus dem Blick. Sie wird zu einer Furcht, die, wenn sie auftritt, unser Leben beherrscht. […] Angst zu haben ist an sich nicht verkehrt. Weil wir in einer sündigen Welt leben, müssen wir hin und wieder Angst empfinden. Problematisch wird es, wenn die Angst Gott vergisst. […]

Obwohl es hier vor allem um die körperliche Bedrohung durch Menschen geht, gibt es auch andere Lebensbereiche, wo wir in Gefahr geraten, die Menschen auf Dauer mehr zu fürchten als Gott. Zum Beispiel ist es wohl legitim, sich im Moment einer Bloßstellung durch andere unwohl bzw. ängstlich zu fühlen. Problematisch wird es allerdings dann, wenn die persönliche Lebensführung nur noch durch diese Furcht definiert wird, was dann letztendlich, zugespitzt formuliert, zur Welt- (oder Menschen-) flucht führt. Ed Welch drückt das so aus:

Es beschäftigt uns viel mehr, ob wir uns lächerlich machen (Menschenfurcht), als ob unser Verhalten Sünde ist (Gottesfurcht.

Aber er bringt auch ein positives Beispiel der Bibel. David formuliert in den Psalmen häufig seine Furcht vor den Menschen, macht zugleich jedoch immer deutlich, wen er letztendlich fürchtet:

[…] David kannte den lebendigen Gott: „Der Herr ist König ewiglich“ (Psalm 146, 10). Menschen sterben und ihre Pläne mit ihnen (Psalm 146, 4). Gott war sein Schild (Psalm 3, 4; 5, 13; 7, 11), sein Schutz und Schirm (Psalm 5, 12; 9, 10), seine Macht (Psalm 118, 14), sein Fels, seine Burg und sein Erretter (Psalm 18, 3). Wenn David Angst hatte, dann dachte er daran, dass die Menschen zwar im Vergleich zu ihm große Macht hatten, nicht aber im Vergleich zu seinem Gott.

Menschenfurcht betrifft ausnahmslos jeden von uns, wenn die Erscheinungsformen auch unterschiedlich sind. Der Ausweg ist aber eindeutig: Die Gottesfurcht. Das bedeutet zu erkennen, wie groß Gott wirklich ist. Und das geht vor allem durch das Lesen seines Wortes – vielleicht fangen wir mit den Psalmen an!…

Zitate aus: Welch, Edward, Befreit leben. Von Menschenfurcht zu Gottesfurcht, 3. Auflage, Waldem 2010, S. 36, 52f..

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