Gedanken zu Psalm 130

Ein Wallfahrtslied. Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir:
Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren aufmerksam sein auf die Stimme meines Flehens!
Wenn du, o HERR, Sünden anrechnest, Herr, wer kann bestehen?
Aber bei dir ist die Vergebung, damit man dich fürchte.
Ich harre auf den HERRN, meine Seele harrt, und ich hoffe auf sein Wort.
Meine Seele harrt auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen, mehr als die Wächter auf den Morgen.
Israel, hoffe auf den HERRN! Denn bei dem HERRN ist die Gnade, und bei ihm ist Erlösung in Fülle.
Ja, er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden.

Der Situation des Psalms: Der Autor befindet sich in einer „Tiefe“. Was ist damit gemeint? – Der dritte Vers macht es deutlich. Er hat Angst, dass Gott die begangene Sünde nicht vergeben könnte. Ich kann mir vorstellen, dass es sich hier weniger um persönliche Sünde handelt, als um die Sünde des gesamten Volkes. Das schließe ich unter anderem aus der Überschrift „Ein Wallfahrtslied“, als auch aus den letzten Versen, wo Israel konkret genannt wird.

Die ersten Verse zeigen, wie tief die Angst sitzt: „Wenn du, o HERR, Sünden anrechnest, Herr, wer kann bestehen?“ Diese Aussage besagt, wie viel Schrecken und Ernst hinter der Sünde steckt. Sünde ist nicht eine Lappalie, Sünde ist die Ursache des Todes und der Grund für den Zorn Gottes: „Wer kann bestehen?“ – Wenn wir die Sünde in ihrem Wesen begreifen, ist die Konsequenz die hier geschilderte Angst, die alle anderen Fragen unwichtig macht.

Jetzt aber kommt der Wendepunkt: „bei dir ist die Vergebung, damit man dich fürchte.“ Dieser Psalm zeigt nicht nur die Konsequenz der Sünde, er zeigt auch den Ausweg: Vergebung von Gott. Deswegen weißt auch dieser alttestamentliche Text auf Jesus Christus hin, in dem die Vergebung der Sünden Realität geworden ist. Interessant ist auch die Folge, die aus der Vergebung resultiert, nämlich die Furcht Gottes. Wer Gottes Gnade und Barmherzigkeit erfahren hat, wird in Zukunft alles daran setzen, diesen Herrn zu fürchten (Vgl. auch Römer 12, 1-2).

Besonders aufrüttelnd sind die Schlussverse: Sie weisen darauf hin, wie sehr sich der Autor auf die Vergebung des Herrn stützt. Er „harrt“ auf den Herrn, mehr als die Nachtwache auf den Morgen. Er ist sich bewusst, dass nur die Gnade Gottes ihn aus der Tiefe befördern kann. „Ich hoffe auf sein Wort“ zeigt die Ursache seiner Zuversicht. Die Zusage Gottes lässt ihn hoffen. Genauso ist auch der Zuspruch von Vergebung heute nur aus dem Wort Gottes zu entnehmen. Entweder verlasse ich mich ganz auf die in der Bibel versprochene Vergebung, oder ich muss verzweifeln. Keine eigene Anstrengung wird mich aus der Tiefe der Sünde herausheben können, nur allein das Verlassen auf Gottes Hilfe. Der Autor „wirft“ sein ganzes Hoffen auf den Herrn, es gibt keine andere Lösung für sein Problem und das weiß er.

Aber diese Hoffnung ist nicht schwammig oder wage. Denn zum Schluss heißt es: „Ja, er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden“. Die Vergebung der Sünden beruht auf Gottes Zusage, deswegen ist der Schreiber sich so sicher. Die Vergebung ist auch kein gedankliches Konstrukt oder Theoriemodell, sondern die reelle Rettung aus der Tiefe.

Dieser Psalm zeigt mir deutlich, wie die Sünde uns in die Tiefe drängt, wie aber Gott auch die Hilfe schenkt. Diese Hilfe ist allerdings nur bei ihm zu finden, er ist die einzige Lösung. Es gilt es auch (oder gerad besonders) im Bezug auf Sünden, sich völlig an Ihn und seine Gnade zu klammern!

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