„Discipleship of the Mind“

Ron Kubsch hat, schon vor längerem, hier bei Theoblog einen sehr guten Vortrag von Professor Alister McGrath empfohlen. Ich wollte mir den Vortrag schon lange einmal anschauen. Gestern habe ich mir endlich die Zeit dazu genommen. Hier meine Zusammenfassung:
The Lord is My Light
In Matthäus 22,37 werden wir von Jesus Christus selbst aufgefordert: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken.“ Es gibt eine Jüngerschaft des Herzen; wir müssen Gott lieben. Es gibt eine Jüngerschaft der Hände; wir müssen gewisse Dinge tun, aber da ist auch die Jüngerschaft des Denkens; wir werden aufgefordert über unseren Gott nachzudenken.
Die Jüngerschaft des Denkens
Der christliche Glaube muss unser Denken formen. Paulus macht das im Römerbrief, Kapitel 12, Vers 2 sehr klar. Wir leben in einer Zeit, in der ein Nachdenken über den christlichen Glauben sehr wichtig ist. Wir werden von vielen Seiten herausgefordert – als Beispiel sei hier der neue Atheismus genannt – und wir müssen in der Lage sein unseren Glauben angemessen zu verteidigen und die Leute um uns her auch intellektuell herausfordern.
C. S. Lewis sagt: „I believe in Christianity as I believe that the sun has risen, not only because I see it, but because by it I see everything else.”
Er legt zwei Grundlagen für den Glauben. Die erste Grundlage sind die Gründe, die wir für Gott haben (es ist vernünftig an ihn zu glauben, es gibt ihn wirklich) und die zweite Grundlage ist die Tatsache, dass Christentum auch „alles andere sinnvoll macht“ (das Christentum macht nicht nur in sich selbst Sinn, sondern im Licht des christlichen Glaubens macht auch alles andere Sinn).
Das betreiben von Theologie (was im Grunde nichts anderes ist, als Nachdenken über Gott) ist etwas, was kooperativ betrieben werden muss, nicht individuell. Es ist so, wie wenn wir zusammen eine Landschaft betrachten und jeder macht auf Details aufmerksam, die da sind, die aber von den anderen nicht gesehen worden sind. Genau diese Erfahrungen macht man bei einer gemeinsamen Textbetrachtung.
Die Folge ist nicht nur, dass wir informiert werden, sondern Theologie regt uns an. Wir sehen wir wunderbar Gott ist, wir anbeten und teilen das, was wir erkannt haben mit anderen.
Theologie und Umwandlung
Theologie zeigt uns wie die Dinge wirklich sind. Die Sichtweise, mit der wir Dinge sehen beeinflusst unseren Umgang mit ihnen. Das Neue Testament macht uns klar, dass, wenn wir wirklich in Christus sind, wir die Dinge nicht aus weltlicher Sicht sehen.
Ein Beispiel macht die Wichtigkeit der rechten Sichtweise deutlich: in dem Haus eines Archäologen befand sich ein Stein, auf dem etwas eingraviert war. Man ging davon aus, dass der Stein eine wertlose Kopie eines Originals war und dementsprechend wurde er auch behandelt. 1994 fand man heraus, dass der Stein in Wirklichkeit aus dem Thronsaal eines assyrischen Königs stammte, der von 883-859 lebte. Der Stein wurde für 11 Mio Dollar verkauft.
Der Gedanke ist, dass der Glaube unsere Sichtweise auf die Dinge verändert. Manche Dinge werden auf diese Weise sehr wertvoll, andere verlieren an Wert. Wir sehen uns, unsere Mitmenschen und auch die Welt „durch“ das Evangelium, „durch“ die christliche Lehre. Und nochmal: die Sicht, aus der wir Dinge betrachten, ist die Grundlage für unserer Verhalten gegenüber diesen Dingen.
Apologetik
Apologetik ist ein Wort, welches in unserem normalen Sprachgebrauch eher unüblich ist. Wenn von Apologetik gesprochen wird, geht es um die „Kommunikation des Evangeliums“ in unserer heutigen Gesellschaft. Apologetik kann manchmal schwierig und anstrengend sein, aber Apologetik ist, angesichts der Herausforderungen denen wir uns zu stellen haben, unerlässlich.
Wir müssen in der Lage sein, die Grundsätze, die grundlegenden Dinge unseres Glaubens in „normales“ Deutsch, das unsere Mitmenschen verstehen zu übersetzen. Wir sprechen von Heil, von Wiedergeburt und von Rechtfertigung durch Glauben – wie können wir die Bedeutung dieser Begriffe unseren Mitmenschen verständlich machen?
Wir müssen über diese Dinge nachdenken und wirklich verstehen. Wie bereits erwähnt ist das nicht leicht, aber grundlegend und:
C. S. Lewis: „It is also of the greatest service to your own thought. […] Power to translate is the test of having really understood your own meaning”. (wichtig!)
Die Grenzen des Verstehens / der Vernunft?
Das Christentum macht Sinn. Einmal in sich selbst, aber auch für alles andere. Dennoch können wir nicht alles vollständig, rational begreifen. Mit unserem begrenzten Verstand können wir nicht alles ganz klar sehen.
Ein Beispiel ist das Problem des Schmerzes in unserem Leben (A. McGrath geht auf Lewis und Luther ein). Wir können nicht vollständig begreifen warum. Es gibt Versuche den Schmerz und das Leid zu erklären, aber vollständig ergründen werden wir es nicht – vor allem wenn wir über die emotionale, die menschliche Seite des Schmerzes reden. Und trotzdem sprechen die vernünftigen Gründe dafür, gerade auch in diesen dunklen Zeiten, die wir nicht verstehen, an Gott festzuhalten und ihm zu vertrauen.
Zusammenfassend wird festgehalten, dass der christliche Glaube sehr reich ist. Er beeinflusst unsere Vorstellungen, unser Verhalten, unser Fühlen und auch unser Denken. Wir werden zur Jüngerschaft des Denkens aufgerufen. Wir sollen tiefer gehen, die Dinge sehen wie sie wirklich sind und in der Lage sein zu zeigen welchen Unterschied der christliche Glaube macht.
Theologie ist nicht ein einfaches Betrachten und Erkunden von Dingen, es geht um die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes, der Größe Gottes und der Schönheit Gottes. Und dieses „zwingt“ uns auf unsere Knie und führt uns in Anbetung Gottes. Wir werden gedrängt unseren Glauben mit anderen zu teilen und weiter über unseren Herrn nachzudenken.

 

2 Gedanken zu „„Discipleship of the Mind““

  1. Ab Minute 48:07 werden Fragen gestellt. Ich möchte auf die erste Frage hinweisen. McGrath macht deutlich, dass Intellekt und Beziehung zusammengehören – die Frage + Antwort unbedingt hören!

    speziell @walde (aber auch alle anderen): bitte einmal zu Minute 59:09 gehen (die Frage mit den Sakramenten) und nachdem der Moderator „and with that it´ll be done“ gesagt hat auf das Lachen/Grinsen von McGrath achten!!! 100%ig Waldemar? 😉 Ich musste zumindest an ihn denken, als ich das gesehen habe… 🙂

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