Römer 7: Gläubige oder Ungläubige?

Beschreibt Römer 7,13-26 einen Gläubigen oder einen Ungläubigen? Thomas R. Schreiner kommentiert in der ESV Study Bible (frei unter Zuhilfenahme von Google Übersetzer übertragen):

Eine lang anhaltende Debatte dreht sich darum, ob Paulus Gläubige oder Ungläubige beschreibt. Obwohl von beiden Seiten gute Argumente gegeben werden, die am weitesten verbreitete Sicht – sie findet sich bereits bei Augustinus und ist in der Reformation bekräftigt worden – ist, dass Paulus primärer Fokus auf den Gläubigen liegt.

Argumente für diese Position:
(1) Paulus schreibt im Präsens, d.h. in Gegenwartsform,
(2) Ungläubigen wünschen nicht so intensiv, das Gesetz Gottes zu halten (Vers 21);
(3) die Unterscheidung zwischen dem „Ich“ und dem „Fleisch“ (Vers 18),
(4) die Freude an Gottes Gesetz (Vers 22),
(5) Befreiung von der sündigen Körper liegt erst in der Zukunft (V. 24; 08,10.11.23),
(6) die Spannung zwischen Gut und Böse in der Abschlusserklärung in 7,25; und
(7) die Tatsache, dass Christen schon gerecht sind in Christus, aber bis zum Tag der Einlösung noch nicht sündlos.

Eine zweite Position, nicht so weit verbreitet, aber durch eine Reihe von evangelischen Gelehrten unterstützt wird, ist, dass Paulus sich auf den Ungläubigen bezieht. Zur Unterstützung dieser Position gibt es folgende Argumente:

(1) die Struktur der Passage (die Verse 7-25 beschreiben das Leben des Ungläubigen, das in Vers 5 angedeutet wurde, während die Verse in Kap. 8,1-17 das Leben der Gläubigen beschreiben, dass in in Kap. 7, Vers 6 genannt wird),
(2) der Heilige Geist wird in den Versen 13-25 nicht erwähnt, wird aber 19 mal in Kap. 8 angeführt.
(3) zu sagen, dass Christen „unter die Sünde verkauft“ (7,14) und „gefangen unter dem Gesetz der Sünde“ (Vers 23) sind, steht in Spannung zu den Kap. 6 und 8, die die Freiheit der Gläubigen aus der Sklaverei der Sünde verkünden;
(4) Die Annahme, dass das Präsens nicht den jetzigen Zeitpunkt, sondern den Zustand von Paulus vor der Bekehrung andeutet
(5) die Interpretation, dass der Wunsch, Gottes Gesetz zu halten, den Geist des frommen Juden widerspiegelt, der ein moralisches Leben leben wollte (wobei die Verse betonen, dass sie das Gesetz nicht tun können) und
(6) der erste Vers des Abschnitts (V. 13) erklärt, wie das Gesetz Paulus als Ungläubigem den Tod brachte.

Die Befürworter beider Positionen stimmen zu, dass
(1) Christen noch durch ihr ganzes Leben mit der Sünde zu kämpfen haben (vgl. Gal 5,17; 1 Joh 1,8-9), und
(2) Christen ihr ganzes Leben in der Heiligung lang wachsen können und sollten, indem die Kraft des Heiligen Geistes in ihnen wohnt (Römer 8:2, 4, 9, 13-14).

Wie legt man die Passage aus, wenn es um Gläubige geht?
Diejenigen, die die erste Position halten, verstehen diese Passage, als beschreibe sie sowohl Paulus‘ eigene Erfahrungen und die Erfahrungen aller Christen. Obwohl Christen frei von der Verurteilung des Gesetzes sind, wohnt die Sünde dennoch weiterhin in ihnen, und alle echten Christen (zusammen mit Paulus) sollten sich zutiefst bewusst sein, wie weit sie die absolute Norm der Gerechtigkeit Gottes verfehlen. Deshalb schreit Paulus: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“ (7,24). Die Antwort folgt sofort: derjenige, der die Christen ein für alle mal (siehe 4,2-25; 5,2.9) gerettet hat und der sie von Tag zu Tag befreit ist „Jesus Christus, unser Herr!“ (7,25).
Wie an vielen anderen Stellen in den Briefen des Paulus spiegelt dies die Betonung sowohl des „schon-jetzt“-Aspekts des Heils (die Gläubigen sind gerettet) und des „noch nicht“-Aspekts (die Gläubigen werden vollkommen und auf ewig erst bei der Wiederkunft Christi gerettet), und macht deutlich dass Christen in der Spannung dieser beiden Aspekte leben. In dem Abschnitt, der unmittelbar folgt (8,1-11), zeigt Paulus dann die Mittel, mit denen Christen täglich von der innewohnenden Macht der Sünde befreit werden können
(1) wenn sie „nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist“ leben (8,4),
(2) wenn sie „ihren Denksinn nicht auf die Dinge des Fleisches, sondern … auf die Dinge des Geistes“ richten (8,5), und
(3) durch die innere Gegenwart „des Geistes Gottes, [der] in euch wohnt“ (8,9.11).

Ein Gedanke zu „Römer 7: Gläubige oder Ungläubige?“

  1. Danke, sehr interessant! Zufälligerweise bin ich zuletzt irgendwo anders auf diese Frage gestossen. Ich bin immer von Gläubigen ausgegangen, aber die Argumentation für Ungläubige finde auch nachvollziehbar … noch halte ich aber erstere Position. 🙂 LG René

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *