Wenn ihr urteilt…

Heute, beim Durchblättern der Zeitschrift „forum für Braker Ehemalige“, (wir bekommen die Zeitschrift regelmäßig, weil mein Vater vor Jahren die Bibelschule Brake absolviert hat) entdeckte ich eine interessante Rezension des Buches „Wer bist du, dass du andere richtest? Lernen zwischen Wahrheit, Halbwahrheit und Lüge zu unterscheiden“, heute unter dem Titel “ ‚Wenn ihr urteilt…‘ Leben zwischen Richtgeist und Toleranz“ erhältlich (z. B. hier), von Erwin Lutzer. Anke Hillebrenner schreibt:
Leben und leben lassen. Die Postmoderne ist da! Und sie findet die Gemeinde Jesu in einem Zustand der Schüchternheit und Verwirrtheit vor, durch den diese Gefahr läuft, ihre Glaubwürdigkeit, ihr geistliches Unterscheidungsvermögen und ihre Wirksamkeit in einer verlorenen Welt einzubüßen. Christen sehen oftmals wortlos zu, wie postmodernes Denken mit seinen Moralvorstellungen, Geisteshaltungen und dem ungeschriebenen Gesetz der „political correctness“ in die Gemeinden hinein gespült wird. Der Mensch unserer Zeit sucht nicht mehr nach Wahrheit, er begreift sich vielmehr selbst als die Quelle der Wahrheit. Wahrheit – ein plötzlich beliebig gewordener Begriff, der durch Fairness, Gefühl und individuelle Wahrnehmung ersetzt wird.
Das ist die Ausgangssituation, die dem Buch „Wenn ihr urteilt…“ von Dr. Erwin Lutzer zugrunde liegt. Und das ist auch die Herausforderung, der der Autor die Gemeinde Jesu gegenüber sieht. Er spürt der Frage nach, warum es uns als Christen so schwer fällt, sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Gemeinde zu den unverbrüchlichen biblischen Wahrheiten und zu unseren geistlichen Überzeugungen zu stehen oder zu sagen, welche theologischen Ansichten und Lehren schlichtweg falsch – weil unbiblisch – sind. „Einheit“ um jeden Preis? Paulus´ Drängen in Epheser 4,3 „Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens“ tragen wir nicht dadurch Rechnung, dass wir unsere Streitfragen aufgeben, vor allem, wenn diese Fragen Kernbestandteile des Evangeliums betreffen. An dieser Stelle geht der Autor auf die Suche nach der goldenen Mitte zwischen Pharisäertum und geistloser Leichtgläubigkeit. Die Prinzipien des biblischen Urteilens, die er herausarbeitet, wendet er dann konkret auf unterschiedlichste Themenbereiche an, die uns täglich begegnen können: Die Beurteilung der Lehre, (falscher) Propheten, die Beurteilung von Wundern, der Unterhaltungsbranche und der verschiedenen Formen der Unterhaltung, die Beurteilung des Verhaltens und des Charakters von Menschen, …
Dr. Lutzer ist sich dabei durchaus der Tatsache bewusst, hier und da Empörung hervorzurufen, sind wir doch so sehr an gute Nachrichten gewöhnt und wird doch vielerorts ein Jesus gepredigt, der uns lediglich irdische Segnungen zuteil werden lassen möchte und es mit unserer Sünde und unserer Heiligung nicht so genau nimmt.
Das Buch ist ein herausfordernder und aufrüttelnder Aufruf zur Wachsamkeit und zum Einstehen für die biblische Wahrheit – am Ende mit dem ermutigenden Fazit: Authentisches und integres Christsein ist auch in der Postmoderne möglich. Der ehemalige Titel des Buches „Wer bist du, dass du andere richtest?“ ist also nicht so sehr eine Frage des Autors als ein Zitat, das der heutigen gesellschaftlich etablierten Einstellung „leben und leben lassen“ entspringt. Der Untertitel ist es, der den eigentlichen Tenor des Buches vermuten lässt, und er war es auch, der mich bewog, nach diesem Buch zu greifen. Der Autor Dr. Lutzer versteht es, fundierte biblische Inhalte und glasklare Gesellschaftsanalyse in lebendige, plastische und leicht verständliche Sprache zu kleiden. Er hält sowohl der Gemeinde Jesu als auch unserer Gesellschaft einen Spiegel vor, in dem man einfach hineinblicken muss – nicht zuletzt deshalb, weil der Autor diesen Spiegel zwar unmissverständlich, aber differenziert und nicht überheblich hinhält.

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