Was wir von Francis Schaeffer lernen können (8): Befürwortung der Gemeinde

Obwohl Francis Schaeffer sich in seiner Arbeit bemühte, den einzelnen Menschen anzunehmen war er doch „ein Befürworter der Gemeinde“ (S. 88) und drängte die Leute, nach Abschluss ihrer Studien in L’Abri, sich einer lebendigen Gemeinde anzuschließen. (S. 89). Wie stellte Schaeffer sich eine solche Gemeinde vor?

„Die Gemeinde soll an einem Glaubensbekenntnis festhalten, dass aus der Bibel abgeleitet ist und das gesamte Leben umfasst. Kulturbedingte Einsichten sollten nicht als Absolut mit quasibiblischer Autorität hochgehalten werden.“

schreibt Middelmann. Doch er erklärt weiter, was Schaeffer in den Gemeinden seiner Zeit beobachtete:

„Aber er beklagte die verschiedenen Versuche, in der Gemeinde Zirkusatmosphäre nachzuahmen […]. Er erkannte, dass mantra-ähnliche Wiederholungen von Worten und die Verwahrlosung der Lieder in viele Gemeinden heute zu einer Verwässerung von Botschaft und Leben führen. […] Anstatt der Gesellschaft wirklich etwas entgegenzusetzen, glich die Gemeinde oft einem Vergnügungspark und trug damit zur Flucht aus der gesellschaftlichen Realität bei. Sie bediente mehr die Wünsche und die Erwartungen des Volkes, statt dem Menschen in seiner Not zu dienen.“

Schaeffer erkannte, dass in den Gemeinden „die objektive Wahrheit des Christentums zum großen Teil preisgegeben wurde“ (S. 90) und der Fokus zunehmend auf das subjektive Empfinden verlagert wurde:

„Das Leben wird dominiert von der Sehnsucht nach persönlichem Frieden, privaten Interessen […] und Selbstsucht (zur wirtschaftlichen Absicherung).“ (S. 90)

und weiter:

Man beschäftigt sich „einseitig mit der persönlichen Geschichte, mit einer Privatbeziehung ‚zu meinem Freund Jesus‘ und der Rechtfertigung persönlicher Anmaßungen von Autorität ohne Bindung an die Wahrheit.“

Diese Beobachtung lässt sich heute leider mindestens genauso machen.
aus:
Udo Middelmann: Der ungewöhnliche Francis A. Schaeffer, in: Ron Kubsch (Hg.): Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können. vkw: Bonn 2007, S. 79-92.
Edith Schaeffer: überlebenshilfe. Die Zehn Gebote. Hänssler: Neuhausen-Stuttgart 1984.

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