Ein überraschender Befehl

Vor einigen Wochen fand in der Arche in Hamburg die Eckstein-Konferenz unter dem Titel „Der Christ und sein Charakter. Die umwandelnde Kraft des Evangeliums“ statt. Mittlerweile sind die Vorträge online und ich konnte mir den ersten Vortrag von C. J. Mahaney anhören. Sein Thema: „Ein überraschender Befehl“. Als Grundlage hatte er den Text aus Jakobus 1, 1-4 ausgewählt:

Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, grüßt die zwölf Stämme, die in der Zerstreuung sind! Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet, da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt. Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig seid und es euch an nichts mangelt.

Zunächst machte er einige Angaben zum Kontext der Adressaten und der Form des Briefes:

• Der Jakobusbrief ist direkt; die Worte sind genau abgewogen und punktgenau, das Ende und der Anfang sind abrupt.
• Zum Verständnis ist es nötig, die Umstände der Adressaten zu kennen: Sie waren Teil der verfolgten Gemeinde in Jerusalem; Tod des Stephanus, Zerstreuung im Anschluss dieses Ereignisses;
• Ihre Welt und ihr Leben wurden von einem Tag auf den anderen völlig verändert; Armut, Traurigkeit, Ausbeutung, keine „normale“ Gemeindegründung.
• Ehemals unter der Leitung von Jakobus in Jerusalem; er sorgt sich sehr um die Zerstreuten.
• Überraschender Befehl gleich zu Beginn: Gottes Perspektive soll eingenommen werden; die Empfänger sollen ihre Situation verstehen.

Danach machte Mahaney zwei wichtige Punkte aus dem Text deutlich:

1. Der Sinn von Leid und Anfechtung
• Man erwartet Leid nicht; Anfechtungen sind aber völlig natürlich für Christen.
• Das christliche Leben beinhaltet Leid und Anfechtungen verschiedener Art.
• Aber nicht jeder Christ ist vorbereitet dafür; Die Folge ist ein Hinterfragen von Gott
• Man ist dann anfällig für verschiedene Arten von Sünde: Zorn, Selbstmitleid, Bitterkeit, etc.
• Das Leben eines Christen ist eine Geschichte von verschiedensten Anfechtungen!
• Ist das auch nicht deine Erfahrung? Inmitten von „mancherlei Anfechtungen…“

• Dieser Text soll uns vorbereiten auf Anfechtungen; Leiden sind nicht zufällig! Die Absicht Gottes mit Anfechtungen ist in Vers 3+4 zu finden: da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt. Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig seid und es euch an nichts mangelt.
• Wir sollen reifen und wachsen und verwandelt werden in das Bild Jesu Christi. Das Mittel dazu sind Leid und Anfechtungen.
• Jeder echte Christ hat das Verlangen, in der Heiligung zu wachsen – aber das Mittel, das zu erreichen, mögen wir nicht.
• Ein Beispiel: Ich möchte gerne gesund bleiben, will aber keinen Sport treiben!
• Ein weiteres: Ich will meinen Cholesterinspiegel senken, aber gleichzeitig möchte ich meine tägliche Ration Schokolade nicht einschränken.
• Ich will reifen, aber ohne Anfechtungen!
• Ich will euch sagen wie ich gerne wachsen würde: Ich will eine spontane, plötzliche Erfahrung haben, während ich die Bibel lese, oder ich singe; ein dramatisches Erlebnis, das sich sofort in meiner Heiligung niederschlägt und mich zu Wachstum führt!
• So funktioniert das normalerweise nicht: Jakobus spricht unser Denken und unsere Erwartungen an, damit wir nicht perplex sind, wenn uns Anfechtungen erreichen, sondern vielmehr vorbereitet.

• Es ist von großer Bedeutung, dass wir von dieser Tatsache überzeugt sind und davon wissen: „da ihr ja wisst…“.
• Es ist möglich, dass wir diese Tatsache ignorieren – wir müssen oft daran erinnert werden!
• Das Wissen davon ist keine Alternative!
• Denn wenn uns Leiden treffen, ist oft die erste Folge, dass wir die biblische Perspektive vergessen!
• Und daraus resultiert, dass wir offen sind für alle möglichen sündhaften Reaktionen.
Wir verlassen uns meistens nicht auf die Schrift und ihre Zusagen, sondern vielmehr auf unsere Gefühle – Unsere Emotionen sind allerdings in diesem Moment das Unverlässlichste, auf das wir uns stützen sollten.
• Das Problem ist oft, dass wir unsere Gefühle für uns denken lassen!
• Aber die Bibel hat einen ganz anderen Ansatz: Entscheidend ist, was du weißt! – Gott hat eine Absicht mit diesem Leid!

2. Die angemessene Antwort/Reaktion auf Leid und Anfechtungen
• Es gibt die Annahme, dass schon das alleinige Haben von Anfechtungen Wachstum bedeutet – das ist aber nicht sauber gedacht!
• Die christliche Reife resultiert aus der richtigen Antwort auf das Leid!
• Man kann durch Leiden gehen und trotzdem nicht daran wachsen; die richtige Reaktion ist entscheidend!
• Was ist die richtige Antwort?
Gott befiehlt die richtige Antwort! Die Antwort ist in Vers 2: Achtet es für lauter Freude!
• Das sind ein überraschender Befehl und sicher nicht meine natürliche Antwort auf Anfechtung und Leid!
• Meistens beschwere ich mich über das Leid und hinterfrage meine Situation.

Achte: Man muss sein Leid sehen, betrachten, es einordnen; Eine theologische Perspektive für das Geschehen soll eingenommen werden; Man soll aktiv und nicht passiv damit umgehen.
es: Ein kleines Wort, was allerdings das ganze Leben beinhaltet. Jedes auch nur erdenkbare Leid, was nur möglich ist, ist innerhalb des Planes Gottes; sie sind unter der Kontrolle des souveränen Gottes.
für lauter Freude: Jakobus ermahnt seine Leser nicht, sich an den Leiden zu erfreuen! Er sagt nicht: Fühlt lauter Freude! Er sagt nicht, dass man trotz des Leides keine Sorgen mehr haben wird.
• Was meint Jakobus? – Wir können es für lauter Freude achten, nicht weil wir uns an dem Leiden selbst erfreuen, sondern weil sie zu einem Ergebnis führen, dass wir begehren!
• Wir freuen uns, weil die Anfechtung nicht sinnlos ist. Wir wissen, dass Gott inmitten des Leides an uns arbeitet und uns zur Reife führt!
• Wir kennen das Ziel – deswegen können wir uns freuen!
• „Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben…“ – Das Wort standhaft weist auf eine konsequente, ausdauernde Haltung im Leid hin, was letztendlich zu einem vollkommenen Werk führt.

• Wir sollen inmitten unsere Anfechtung aushalten und nicht an Gottes Absicht zweifeln.
• Jakobus lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Zukunft (Vers 12): Glückselig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er sich bewährt hat, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben.
• Dieser Vers setzt das Kreuz voraus: Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat.
• Diese Liebe motiviert uns, auszuharren.
• Die Gnade Gottes und sein Kreuz machen uns fähig, im Leid auszuharren.

Die Predigt findet sich hier.

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