Natürliche Begabung und Geistesgaben

Hat sich nicht mancher von uns schon mal die Frage gestellt: Welche (Geistes-)gabe habe ich? Ist das nicht oft „nur“ meine natürliche Begabung, mit der ich Gott diene (z.B. organisatorische, rhetorische oder praktische Fähigkeiten, Singen etc.)? Und: Ist das so in Ordnung? Müsste ich nicht vielmehr Ausschau nach meiner Geistesgabe halten?
Tim Keller stellt fest, dass die Unterscheidung zwischen natürlicher Begabung und Geistesgaben nicht immer möglich ist.

“Es ist nicht immer einfach oder notwendig zwischen ‘natürlichen Begabungen’ und ‘geistlichen Gaben’ zu unterscheiden, den letztendlich kommen sie alle vom Geist Gottes (Exodus 31, 1-11; Jesaja 45,1-7; und Jakobus 1,17). Gott kann sich einer [natürlichen] Begabung annehmen und sie geistlich nutzen um andere, oder die Gemeinde, zu erbauen; wiederum kann er es natürlich auch lassen. Wie J. I. Packer klar macht, kann eine nur mittelmäßige Begabung oder Fähigkeit, von Gott in eine geistliche Gabe umgewandelt werden, während manchmal eine große Begabung, die ein Christ hat, niemals als Geistesgabe oder Dienst zum Tragen kommt.“  
Er warnt vor zwei möglichen Fehlern, die damit verbunden sind. Ich glaube, wir sind gar nicht so weit weg von der Problematik:
“Beim Ausüben unserer geistlichen Gaben müssen wir zwei großen Problemen aus dem Weg gehen: Das ‚Gaben cop-out‘ und die ‚Gaben-Projektion‘. Jede einzelne Gabe ist auch eine Aufgabe oder Anweisung, die alle Christen haben. Nicht jeder ist Evangelist, aber jeder ist ein Zeuge. Nicht alle sind Diakone oder Diakonissen, aber alle sollen dienen. ‚Gaben cop-out‘ sagt: ‚Da ich in dieser Hinsicht nicht begabt bin, brauche ich in dieser Hinsicht nichts tun‘!
‚Gaben-Projektion‘ funktioniert in zwei gegensätzlichen Richtungen: Du fühlst dich schuldig dafür, dass du nicht so begabt oder so gut bist wie jemand anders, oder du bringst andere dazu sich schuldig zu fühlen, weil sie nicht so leidenschaftlich oder so gut in dem sind, was du machst. Es ist nur zu einfach, zu versuchen eine ganze Gemeinde in deine Vorstellung zu zwängen – eine strikt evangelistische Gemeinde, oder eine gerechte Gemeinde, oder ein Kulturcenter, oder eine intensive Jüngerschafts-Gemeinschaft.  

Dann geht er auf die Frage ein, wie die eigene Gabe erkannt werden kann. Der Gedanke ist sehr wertvoll:
Bemerkenswert klein erscheint in der Bibel der Prozess, wie jemand seine oder ihre geistlichen Gaben ‘entdeckt’. Probleme sind bei fast jeder beschreibenden, definitiven Aufstellung von ‘Schritten’ bis zum Ende reichlich vorhanden. Die traditionelle Vorgehensweise führt die Leute dahin, sich – ähnlich wie bei säkularen Begabungstest – zu testen. Das Problem bei dieser Vorgehensweise ist, dass sie voraussetzt, dass du dich selbst ziemlich gut kennst – aber bei vielen von uns ist das nicht der Fall. Außerdem sind die Aufgaben, die in der Gemeinde zu tun sind, nicht vollkommen mit ein oder zwei Gaben zu identifizieren. Jemand mag ein guter Prediger oder Seelsorger sein, aber mehrere andere Gaben könnten eine Person auch für diese Rolle ausrüsten. Das gleiche gilt für die meisten Aufgaben in einer Gemeinde.   
Wir können Gottes Willen erkennen wenn drei Faktoren zusammenkommen: Affinität (Welche menschlichen Bedürfnisse ‚versetzten mich in Schwingung‘? Was interessiert mich? Was sind meine Leidenschaften?); Fähigkeit (Worin bin ich gut? Worin bin ich lt. Einschätzung der anderen effektiv?); und Möglichkeiten (Welche Türen sind für den Dienst geöffnet? Was muss getan werden?). Wenn alle drei Faktoren zusammenkommen siehst du, dass Gott dich ausgerüstet und berufen hat etwas zu tun, oder in eine gewisse Richtung weiterzuziehen.
Dieser Prozess kann angewandt werden um einen Job zu finden und andere große Entscheidungen zu treffen, aber wie können wir ihn auf den Dienst in der Gemeinde anwenden? Ich schlage vor in der Gemeinde mit dem dritten Aspekt zu beginnen – Möglichkeiten. Anders gesagt: Finde die Arbeiten in der Gemeinde, die getan werden müssen und tue sie. Diene einfach. Frag nicht so viel danach, ob es dich erfüllt. 
Warum ist er dieser Meinung?
Zuerst: Der einzige Weg, wie du wirklich wissen kannst in welchem Dienst du am besten bist, besteht darin, viele verschiedene Dinge zu machen; dann wirst du sehen was Gott segnet. Schau nicht zuerst auf deine bewiesenen Fähigkeiten – auf deinen alltäglichen Job oder natürliche Begabungen – um zu entscheiden was du in der Gemeinde machst, weil, wie schon erwähnt, Gott das vielleicht nicht benutzt. Schaue ebenso nicht auf deine tiefsten Affinitäten – die Dinge die dich reizen und interessieren. Wenn du dich zu schnell auf diesen Gebieten niederlässt, könntest du Gaben übersehen, die du hast, von denen du aber noch nichts weißt. Diene einfach – fülle die Lücken in der Gemeinde und hilf mit. Geh durch die Tür der Möglichkeiten, tue was getan werden muss und mit der Zeit kannst du deine Affinitäten und Fähigkeiten überprüfen und dich spezialisieren. Wenn du in einer Gemeinde mit vielen Möglichkeiten bist, kannst du dich in dem Prozess vielleicht früher spezialisieren. 
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