Die Lehre von der innewohnenden Sünde

Kann man Sünde ein für allemal besiegen? Ist es möglich, durchgängig im Sieg zu leben? Es gibt nicht viele Fragen, die unter Christen zu so verschiedenen Antworten führt. Auch in der Vergangenheit gab es ernstmeinende Christen, die fest davon überzeugt waren, dass man sich „nur völlig hingeben müsse“, um die Sünde ganz aus dem Leben zu verbannen. Auf der anderen Seite gibt es gerade in neucalvinistischen Kreisen die Ansicht, dass man absolut nichts gegen die Sünde tun könne und ihre Gegenwart einfach akzeptieren müsse. Christopher Catherwood schreibt in der Biografie über seinen Großvater Martyn Lloyd-Jones, wie J. I. Packer die Antwort in diesem Spannungsfeld entdeckte:

Er (Packer) hatte echte Probleme mit der Lehre, die Christen die ganze Zeit über weismachen wollten, dass sie sich nur Gott „überlassen“ müssten und dann schon alles gut würde. Tatsächlich ist dies im Leben, so wie sich darstellt, nur selten der Fall.

Durch „Zufall“ bekommt Packer einige Bücher vom Puritaner John Owen in die Hände. Catherwood schreibt darüber:

In einer Abhandlung, die Owen geschrieben hatte, ging es um die „innewohnende Sünde“ – die Puritaner als biblische Realisten wussten, dass die Sünde während des ganzen Lebens ein kontinuierliches Problem darstellte und nicht etwas, was man einfach „Gott überlassen“ und danach vergessen könne,wie damals gelehrt wurde. Packer war in christlichen Kreisen „eine sehr isolierte Person“ geworden, weil er wusste, dass die verbreitete Lehre von der sofortigen Heiligung schlichtweg nicht wahr sein konnte und weder mit dem Leben noch mit seiner eigenen christlichen Erfahrung übereinstimmte. Doch die Lektüre von John Owen zeigte ihm, dass seine eigene Erfahrung tatsächlich biblisch war.

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