Wie erleben wir Gottes Führung?

In der aktuell erschienen Ausgabe der „Gemeindegründung“, herausgegeben von der KfG, rezensiert Hanniel Strebel das in evangelikalen Kreisen populär gewordene Buch „Der Schrei der Wildgänse“. In diesem Buch geht es, kurz zusammengefasst, um die verschiedenen Probleme, die im postmodernen Zeitalter auf die Gemeinde zukommen und wie man aus tradierten Gemeindeformen ausbrechen kann. Strebel fasst zusammen, worum es sich unter anderem bei diesen Problemen handelt:

  1. Leute beschweren sich über die Unfreundlichkeit, die ihnen in der Gemeinde entgegenkommt.

  2. Exorbitant viel Zeit geht für neue Bauprogramme drauf.

  3. Es wird ein aufwendiges Kinderarbeitsprogramm vorbereitet – viel Konsum mit ausgeklügeltem Belohnungsprogramm.

  4. Internetpornografie (und Selbstbefriedigung) beschäftigt einen Gutteil der Männer (und Frauen) – doch niemand spricht darüber.

Der Rezensent bemerkt, dass diese Analyse zutrifft und die „verschiedenen Facetten des Gemeindealltags realistisch beschrieben sind.“ Das Problem ergibt sich allerdings aus den im Buch vorgeschlagenen Lösungsmöglichkeiten auf diese Herausforderungen. Hanniel Strebel benennt vier Dinge, die theologisch fragwürdig scheinen. Eins davon ist die Frage: Wie erleben wir Gottes Führung?

So wird zu Jake (Hauptperson des Buches) gesagt, dass Gott ihm „seinen Willen in dein eigenes Herz „ würde. Er erfährt, dass Jesus uns kein System hinterlassen habe, sondern „seinen Geist – einen Führer statt einer Landkarte“. Das Wissen-Anhäufen wird im Gegensatz zu „in ihm leben“ gesehen. Eine Leserrückmeldung bringt die Wirkung solcher Aussagen auf den Punkt: „Dieses Buch half mir, mich aus religiöser Gemeindetradition zu befreien, mich wieder neu auf meine ‚innere Stimme‘ zu Verlassen.“

Strebel zitiert Ron Kubsch:

Was viele Menschen suchen, ist nicht mehr die durch das Wort vermittelte und verbindlich gemachte Gottesbeziehung, sondern das unmittelbare Erleben Gottes im Innern der Seele.

Er ergänzt weiter:

Das heißt: Die Intensität direkter Gotteserlebnisse wird zum Prüfstein einer fortgeschrittenen Gottesbeziehung. Es scheint mir manchmal fast so, als ob das „sola scriptura“ (allein die Schrift) durch das „sola experiencia“ (allein die Erfahrung) ersetzt worden wäre. Gütesiegel und Leitmotiv wird die eigene Erfahrung. Das äußert sich in einer „leseorientierten“ Interpretation der Bibel. Sie dient als Folie für die eigene Erfahrung, als Projektionsfläche der eigenen Bedürfnisse.

Wer die ganze Rezension lesen möchte, kann die Zeitschrift hier beziehen.

 

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