Ist das Heil (un-)verlierbar?

Kaum ein Thema wird unter Christen so kontrovers diskutiert, wie die Frage nach der (Un-)Verlierbarkeit des Heils. Meistens geht man dabei von einem theologischen Konstrukt aus, wobei alle der jeweiligen Meinung entgegenstehenden Bibelstellen entsprechend umgebogen und wegdiskutiert werden (was übrigens oftmals für beide Seiten gilt!). Aber was ist dann die richtige Antwort auf diese Frage? Können wir überhaupt wissen, was richtig und falsch ist? Einen neueren Ansatz bieten die beiden Theologen Ardel Caneday und Thomas Schreiner. In ihrem 2009 erschienenen Buch „Mit Ausharren laufen. Gibt es Heilsgewissheit ohne Heiligung?“ betonen sie vor allem die Spannung zwischen den beiden Fragen:

Wir müssen den Lauf vollenden, um den Preis zu gewinnen. Kein Gläubiger, der den Lauf auf halber Strecke abbricht, wird den Preis erlangen. Wir können uns nicht selbst mit dem Gedanken betrügen, dass Ungehorsam und Treue unbedeutend wären. Wenn wir erkennen, was auf dem Spiel steht, erzittern wir (und wir tun gut daran!), weil viele, die uns vorangingen, die Warnungen Gottes missachtet haben. Vielleicht verzagen wir auch, wenn wir angesichts des Laufs, den wir vollenden sollen, bedenken, wie es um unsere eigene Kraft steht. Wir erkennen eindeutig, dass unsere Kraft zu gering und unser WIlle zu schwach ist. Gelangen wir im Wettlauf an diesen Punkt, so schöpfen wir Mut aus den Verheißungen Gottes. Er verspricht, dass alle, die berufen und erwählt wurden, auch den Preis erlangen werden. Er wird die Kraft verleihen, die wir brauchen, um den Lauf zu vollenden. Er wird unsere zitternden Knie festigen und uns stärken, wenn wir schwanken, so dass wir nicht abfallen. Wir werden gewiss den Siegeskranz erringen, der vor uns liegt; denn derselbe Gott, der uns dazu bewegt hat, den Lauf anzutreten, wird auch das gute Werk vollenden, das er begonnen hat. Er ist uns, seinem Bundesvolk, treu, und daraus empfangen wir Kraft und Mut, unsere Reise zur himmlischen Stadt fortzusetzen.

Ich bin mir bewusst, dass die Spannung in dieser Antwort nicht unbedingt bis ins letzte zu verstehen (und logisch aufzulösen) ist. Aber gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass diese Analyse des biblischen Befunds der Wahrheit am nächsten kommt und die Vernachlässigung dieser Wahrheit zu gefährlicher lehrmäßiger Einseitigkeit führt. Wer ein aufrichtiges Interesse an einer Lösung hat, wird durch die Lektüre des Buches (bei allen vorhandenen Schwachheiten der Arbeit) sicher gesegnet werden!

Zitat aus: Thomas Schreiner, Ardel Caneday, Mit Ausharren laufen. Gibt es Heilsgewissheit ohne Heiligung? Oerlinghausen 2009, S. 275.

5 Gedanken zu „Ist das Heil (un-)verlierbar?“

  1. Du wirst es nicht glauben, aber das sehe ich genauso. 🙂
    Ohne Heiligkeit wird „niemand den Herrn schauen“ (Hebr 12,14). Dafür argumentiere ich im Artikel „Heiligung und Heilssicherheit“, der am 21. Februar auf meinem Blog erscheint (die Serie ist zuerst in der Zeitschrift „Mitternachtsruf“ erschienen).
    LG René

  2. Vielleicht sollte ich noch spezifizieren: Meine Perspektive bleibt schon eine der Heilssicherheit und nicht der Spannung (obwohl ich dir, Ulrich, oder Schreiner grundsätzlich zustimme, dass da ein Spannungsfeld ist. Wir sollten die Warnabschnitte der Bibel schon ernst nehmen. Ich finde es durchaus angebracht, zu prüfen, ob man wirklich im Glauben ist.

    LG René

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