Was macht den Dispensationalismus aus?

Seit einigen Tagen läuft bei Theoblog eine interessante Diskussion über die so genannten Endzeitmodelle. Und wieder musste ich feststellen, dass ich selbst nur wenig weiß, was die Bibel über die „Endzeit“ aussagt. In meinem Gemeindeumfeld wird der Dispensationalismus gelehrt. Aber mir scheint, als wüssten die wenigsten Gläubigen, was da eigentlich genau vertreten wird. Dr. Berthold Schwarz von der FTH in Giessen nennt drei Stichpunkte, die den Dispensationalismus ausmachen:

  1. Das Bemühen um literale, historisch-grammatische Schriftauslegung. Das, was als Endgestalt des Textes mit seinem jeweiligen Adressaten konkret vorliegt, spielt die zentrale Rolle. Es wird also kein theologisches Grundgerüst vorgeschaltet, das festlegt, wie bestimmte Stellen aus christlicher oder kirchlicher Sicht zu interpretieren sind, sondern der historische Literalsinn ist das Entscheidende.
  2. Die Dichotomie, also die Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde. Biblische Texte werden daraufhin befragt, ob sie Israel oder die Gemeinde adressieren.
  3. Die Einteilung der Heilsgeschichte in Epochen (dispensations), in denen die Verantwortung des Menschen vor Gott jeweils unterschiedlich sein kann, sodass bestimmte Dinge für Gläubige in der nachfolgenden Dispensation noch gelten können, andere aber auch nicht mehr

Ich gebe übrigens offen zu, dass ich mich selber noch nicht klar positionieren kann und noch in der „Findungsphase“ bin! 🙂

2 Gedanken zu „Was macht den Dispensationalismus aus?“

  1. Danke für diesen Beitrag und den Anstoß zur Diskussion. Zu Punkt 3. der obigen Stichwortliste wäre noch zu ergänzen, um Missverständnisse zu vermeiden, dass „die Einteilung der Heilsgeschichte in Epochen“ nicht der Bibel vorgeordnet wird (so die klassische Beschreibung), sondern diese „Epochen“ sich bei der Lektüre der Bibel ( und nur dort ableitbar) ableiten lassen. Die „biblischen Epochen der Heilsgeschichte“ sind Ergebnis des Schriftstudiums, nicht deren Voraussetzung. Das muss selbst Anhängern des „Dispensationalismus“ immer wieder deutlich ins Stammbuch geschrieben werden, weil auch diese das sehr oft vergessen haben, wie man aus Debatten heraushören kann … 😉 Also praktisch, nicht der „alte Scofield“ und seine „Sieben Epochen“ regieren die Bibellektüre. Sondern die Heilige Schrift zeigt in sich bei der schlichten Lektüre auf, dass es unterschiedliches Handeln Gottes mit unterschiedlichen Adressaten in der Heilsgeschichte gibt und dabei Bleibendes und Nicht-Bleibendes, Kontinuierliches und Diskontinuierliches unterschieden wird.

  2. @ Berthold: Vielen Dank für die Ergänzung! 🙂 Ich hoffe wirklich sehr, dass sich das bei Theoblog anbahnende Projekt („Picknick“) zu einer ersthaften Unternehemung entwickelt, damit auch „Wenig-Wisser“ wie ich davon profitieren können!

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