Das Gebot der Liebe

Wenn man in Gespräche oder in Diskussionen über komplexe Weltanschauungen und Lehren verwickelt ist und dabei sehr weit ins Detail geht, kann es sein, dass man irgendwann einhält und fragt: „Worum geht es hier eigentlich wirklich?“

Der christliche Glaube ist unendlich reich und vielseitig und man sollte sich immer wieder in seine Lehren versenken, sich hineinlesen und auch kleinste Details genau untersuchen. Ich möchte an dieser Stelle aber kurz der obigen Frage nachgehen: „Worum geht es eigentlich?“ Die beste Antwort kann wohl der geben, der den Mittelpunkt des christlichen Glaubens bildet: Jesus Christus selbst. Auf die Frage nach „dem Eigentlichen“ – auch bekannt als die Frage nach dem größten Gebot – antwortet er im zwölften Kapitel des Markusevangeliums:

 29 […] Das erste Gebot unter allen ist: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein; 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft!“ Dies ist das erste Gebot. 31 Und das zweite ist [ihm] vergleichbar, nämlich dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Größer als diese ist kein anderes Gebot.

Ich möchte drei Dinge aufzeigen, die mir aufgefallen sind:

(1) Jesus bringt es auf den Punkt

Jesus antwortet an dieser Stelle sehr direkt: das größte Gebot ist das Gebot der Liebe. Es geht um Liebe. Eigentlich einfach. Eigentlich. Ich musste feststellen, dass man dieses konkrete Gebot im Christenleben oft einfach verdrängt. Dabei fordert uns Christus direkt und unmissverständlich auf, Gott zu lieben. Der Schlüssel liegt, glaube ich, unter anderem im Nachdenken über Gott („und mit deinem ganzen Denken“). Wenn man sich bewusst Zeit nimmt über Gott und seine Offenbarung in seinem Wort nachzudenken ist konkretes Lieben mit dem Herzen, der Seele und der Kraft eine daraus fließende Konsequenz.

(2) Es geht nicht um mich

Liebe ist immer auf ein Gegenüber bezogen. Wenn Christus uns also sagt, dass das Wichtigste die Liebe zu Gott und dem Nächsten ist, muss der Einzelne feststellen, dass es überhaupt nicht um ihn geht. Es geht nicht um mich! Es geht um Gott, es geht um den Nächsten. Jesus sagt uns also: Nimm dich selbst nicht so wichtig, stell dich zurück, es geht überhaupt nicht um dich. Hilfreich kann auch sein, was Tim Keller hier sagt.

(3) Die Grundlage ist unser Angenommensein in Jesus

Christus fordert uns also auf Gott und den Nächsten zu lieben, uns zurückzustellen und an den anderen zu denken, aber mal ehrlich: wer kann das schon? Wir sind im Bilde Gottes geschaffen – wenn auch gefallene Sünder – und wir sehnen uns nach Vollkommenheit, nach vollständigem Angenommensein, nach völliger Ruhe und Geborgenheit. Viele suchen das in anderen Menschen, oder anderen Dingen, die somit zu Götzen werden. Die Folge ist, dass diese Menschen nicht wirklich selbstlos lieben können – sie lieben um etwas zu bekommen: die Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit nach der sie sich sehnen. Diese Menschen – und Christen sind hier keinesfalls ausgeschlossen – lieben nicht Gott und auch nicht den Nächsten, sondern sich selbst.

Der Gesamtkontext der Bibel zeigt die Grundlage auf, die es uns möglich macht, Gott und den Nächsten selbstlos zu lieben: In Christus sind wir vollständig angenommen, in Christus sind wir bedingungslos geliebt, in Christus sind wir vollständig geborgen und zur Ruhe gebracht worden. Diese Erkenntnis befreit uns dazu, selbstlos Liebe zu verteilen. Wenn wir lieben suchen wir nicht mehr unsere Sicherheit und unser Wohl – das haben wir schon völlig in Christus! In Christus haben wir alles was wir brauchen; wirklich alles! Da wir nun nichts mehr von Menschen „brauchen“, können wir sie um Christi willen lieben.

Tullian Tchividjan hat das erlebt und erzählt hier seine Geschichte. Wenn die verstanden ist, ist auch der dritte Punkt klar.

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