Warum ich Auslegungspredigten bevorzuge

Mark Dever:

Gelegentlich verfallen Menschen dem Irrtum, dass sie einen Bibelvers nehmen und dann über ein Thema sprechen, das irgendwie am Rande mit diesem Vers zu tun hat. Wenn ein Prediger eine Gemeinde aber mit einem Thema seiner Wahl konfrontiert und dann die biblischen Texte nur verwendet, um seinen Standpunkt zu untermauern, dann wird er in seiner Predigt nie mehr weitergeben können, als seine eigene Weisheit hergibt. Und mehr wird die Gemeinde dann auch nicht lernen. Ein bibelauslegendes Predigen erfordert aber mehr als das. Es erfordert eine sorgfältige Berücksichtigung des Kontexts, in dem die betreffende Schriftstelle steht, weil es zum Ziel hat, den Kerngedanken des biblischen Textes auch zum Kerngedanken der Predigt zu machen. Wenn ein Prediger einer Versammlung eine Predigt über eine Schriftstelle in ihrem Zusammenhang vorlegt – eine Predigt also, in der es genau um das geht, was die Schriftstelle aussagt – dann werden sowohl er als auch die Versammlung am Ende Dinge über Gott erfahren, die der Prediger ursprünglich gar nicht hatte sagen wollen, als er sich das erste Mal hinsetzte um seine Predigt vorzubereiten […]

Die alte Regel gilt also immer noch: Jeden Text so lesen, als lese man ihn zum ersten Mal. Auch wenn das in der Praxis sicher nicht vollständig zu schaffen ist, sollte man versuchen, die Vorbereitung zur Predigt, Bibelarbeit, etc. mit einem inneren „weißen Blatt“ anzugehen.

Das sollte uns einleuchten, wenn wir bedenken, wie die einzelnen Schritte in unserem Leben als Christ […] vonstatten gegangen sind. Hing nicht jeder dieser Schritte zum Wachstum in der Gnade damit zusammen, dass wir von Gott in einer Weise hörten, die wir noch nie zuvor von ihm gehört hatten?

In: Dever, Mark, Was ist eine gesunde Gemeinde? Gemeinde auf biblischem Weg, Haiterbach-Beihingen 2008, S. 67-68.

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