Kinder die Bibel lehren

Auf theresurgence.com ist kürzlich ein wertvoller Artikel für Eltern und Kinderstundenlehrer von Sally Lloyd-Jones erschienen, der Autorin der „Die Gott hat dich lieb Bibel“. Diese Kinderbibel ist bei uns seit einem halben Jahr in Gebrauch. Mir gefällt darin (trotz einiger kritischer Aspekte) vor allem der theologische Ansatz, der sich wie ein roter Faden durch die Kinderbibel zieht und um den es auch in dem folgenden Artikel geht (recht freizügig aus dem englischen übertragen).

Liest du die Bibel wie ein Gesetzbuch? Schaust du auf die biblischen Männer & Frauen wie Helden, die es nachzuahmen gilt? Oder liest du die Bibel wie eine Geschichte mit einem einzigen großen Helden?

Wenn ich in Gemeinden bin und mit den Kindern spreche, beginne ich oft mit zwei Fragen:

Erstens: Wie viele von euch denken manchmal, dass sie gut leben müssten, damit Gott sie liebt?

Etwas verhalten heben sie ihre Hände. Ich hebe meine Hand ebenfalls hoch.

Zweitens: Wie viele von euch denken manchmal, dass Gott aufhört euch zu lieben, wenn ihr nicht mehr gut lebt?

Beinahe alle heben ihre Hände.

Diese Kinder denken, dass sie die Gebote halten müssen – oder aber Gott liebt sie nicht. Sie denken, wenn etwas schief läuft, würde Gott sie nicht mehr lieben.

Diese Kinder gehen zur Kinderstunde! Sie kennen alle biblischen Geschichten. Und sie haben verpasst, um was es in der Bibel geht.

Sie sind Kinder, wie ich eines war.

Auch wenn ich als kleines Kind zum Glauben kam wuchs ich mit dem Gedanken auf, dass die Bibel mit Gesetzen gefüllt ist die man halten musste (oder Gott würde dich nicht mehr lieben) und von Helden handelte, deren Beispiel man folgen musste (oder Gott würde dich nicht lieben).

Ich versuchte, gut zu leben. Ich versuchte es wirklich. […] Aber wie sehr ich mich bemühte, ich konnte die Gebote nicht ständig halten, sodass Gott mit mir nicht zufrieden sein konnte. […] Ich erinnere mich, wie mich das Kinderlied „Fest und treu wie Daniel“ schmerzlich traf. […]

Eines Tages erzählte ich einigen 6jährigen die Geschichte von Daniel. Ein kleines Mädchen saß ganz nah bei mir, fast schon auf meinem Schoß. Mit einem strahlenden Gesicht hörte sie der Geschichte eifrig zu, absolut gefesselt. […] Am Ende der Geschichte […] fragte ich sie zu meinem Entsetzen: „Und, was können wir hier von Daniel lernen, wie wir leben sollen?“ Als ich diese Worte sagte schien es mir, als ob ich diesem kleinen Mädchen buchstäblich eine schwere Bürde aufgelegt hätte, als ob ich einen Zauber gebrochen hätte. Sie wurde immer kleiner vor mir, sackte körperlich zusammen und neigte ihren Kopf. Das werde ich niemals vergessen.

Es ist ein Bild davon, was mit einem Kind passiert, wenn wir eine biblische Geschichte in eine Moralpredigt verwandeln.

Wenn wir eine biblische Geschichte zu einer Moralpredigt machen, geht es um uns. Aber in der Bibel geht es hauptsächlich nicht um uns und was wir tun sollen – es geht um Gott und was er getan hat.

Kinder müssen nicht hören, dass sie sich noch mehr anstrengen, noch mehr glauben oder es noch besser tun müssen. Das lässt sie nur in Verzweiflung. Die Moralpredigt lässt sie verzweifeln. Wir können den Maßstab niemals erfüllen. […]

Wir brauchen keine Moralpredigt. Wir brauchen einen Erlöser. […]

Die Bibel ist größtenteils eine Geschichte – die Geschichte davon, wie Gott seine Kinder liebt und sie erlöst. […] Die Bibel, um es kurz zu sagen, ist eine Geschichte – kein Gesetzbuch – und es gibt einzig einen Helden in der Geschichte. […] Gesetze verändern dich nicht. Aber eine Geschichte – Gottes Geschichte – schon.

Anmerkung: Ich würde Lloyd-Jones hier keinesfalls dahingehend interpretieren, dass die Gebote für den Christen keine Rolle mehr spielen. Das will sie nicht sagen, das geht auch aus den Geschichten in ihrer Kinderbibel anders hervor. Sie möchte vielmehr den Fokus richtig einstellen, damit echte Veränderung entsprechend der Gebote ermöglicht werden kann.

3 Gedanken zu „Kinder die Bibel lehren“

  1. „Wir brauchen keine Moralpredigt. Wir brauchen einen Erlöser.“
    Damit die Kinder erkennen, dass sie einen Erlöser brauchen, müssen ihnen doch zuerst die Gebote/der Maßstab Gottes erklärt werden, oder etwa nicht?
    Kommt nicht aus der Kenntnis des Geseztes, Sündenerkenntnis und daraufhin die Erkenntnis, dass ein Erlöser unbedingt notwendig ist?

  2. @Viktor: Danke für den Kommentar. Du hast vollkommen recht. Deshalb habe ich auch die kurze Anmerkung am Ende beigefügt. Selbstverständlich sollen wir den Kindern die Gebote Gottes vorhalten. Aber eben nicht als Weg zur Erlösung, sondern als Spiegel unserer Sünde sowie als Weg in die Freiheit, der uns einzig in und durch Jesus Christus geschenkt wird. Ich denke, dass die biblischen Helden uns in diesem Sinne auch tatsächlich als gute Vorbilder dienen sollen. Aber nicht primär als moralische Helden, sondern als fehlerhafte Menschen, die nicht auf sich selbst vertrauten und deren Glaube sich dann eben auch in ihren Werken zeigt. Wir sollen sie als GLAUBENS-Helden malen, nicht als moralische Überflieger.
    Ich denke übrigens, dass das Lied „Fest und treu wie Daniel“ auf dieser Basis auch gesungen werden darf. 🙂

  3. Ich hatte kürzlich das Vergnügen meinem Neffen seine „Nachtgeschichte“ aus dieser Bibel vorzulesen – und wurde selbst gesegnet! Es wurde die Geschichte von Jona erzählt. Das Besondere (und das Schöne) war der Christusbezug am Ende der Geschichte: Der eigentliche Held muss noch kommen; er wird das Wort Gottes nicht nur weitergeben, sondern ist SELBER Wort Gottes; auch er wird drei Tage in der Dunkelheit verbringen (wie Jona) usw.
    Die Bilder sind übrigens auch genial 🙂

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