Luther: Ich habe nichts getan, das Wort hat alles bewirkt

Die Reformation im 16. Jahrhundert brachte bekanntermaßen gewaltige Veränderungen mit sich. Doch während ein sog. radikaler Flügel diese Veränderungen rigoros und rücksichtslos durchsetzen wollte, warnte Luther:

Die Sache ist wohl gut, aber das Eilen ist zu schnell […] Du sprichst: Es ist richtig nach der Schrift. Das bekenne ich auch, aber wo bleibt die Ordnung? […] Zwingen will ich niemanden, denn der Glaube will willig, ungenötigt angenommen werden […]; ich habe allein Gottes Wort getrieben, gepredigt und geschrieben, sonst habe ich nichts getan. Das [Wort] hat, wenn ich geschlafen habe, wenn ich Wittenbergisch Bier mit meinem Philipp Melanchthon […] getrunken habe, so viel getan, dass das Papsttum schwach geworden ist […]. Ich habe nichts getan, das Wort hat alles bewirkt und ausgerichtet.

Für Luther war klar, dass das Wort – nicht Zwang und Methode – die Herzen frei macht. In seinen sog. Invokavitpredigten machte er folgenden Gedanken wichtig:

Der Christ ist ein freier Herr über alle Äußerlichkeiten und Satzungen, zugleich ist er ein Diener all derer, die im Glauben und in der Freiheit noch schwach sind. […] Zum Glauben gehören Liebe und Geduld. Ungestümes Wesen und gesetzliches Drängen verkehren die Reformation in Revolution.

Da die Gemeinde sich in ständiger Reformation befindet bzw. befinden sollte, können wir hier viel von Luther lernen. Nicht dass wir, wie damals geschehen, in der Gefahr stehen,  Kirchen zu stürmen und ein Blutvergießen anzurichten. Aber Liebe und Geduld können auch auf andere Weise missachtet werden. Stattdessen sollten wir viel mehr auf die Kraft des Wortes Gottes vertrauen.

Zitate aus: Armin Sierszyn: 2000 Jahre Kirchengeschichte, S. 442.

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