Wie du mir so ich dir…?!

In unserer „Ellenbogengesellschaft“ ist das Prinzip „Wie du mir so ich dir“ ja eine durchaus gängige Praxis. Wer kennt das Gefühl nicht, sich für eine negative Erfahrung rächen zu wollen? Am liebsten gibt man demjenigen, der mir Unrecht getan hat, genau das gleiche zurück und noch ein bisschen mehr, damit die andere Person für´s nächste Mal schlauer ist und weiß, mit wem sie es zu tun hat…

Neulich beim Lesen des Psalms 103 stieß ich auf eine höchst bemerkenswerte Aussage, die man schnell überlesen kann. Psalm 103, 10:

„Er hat nicht mit uns gehandelt nach unseren Sünden und uns nicht vergolten nach unseren Missetaten“

Ich finde dieses Wort herrlich und gewaltig. Gott vergilt mir nicht, wie ich es verdiene, sondern er ist gnädig (Vers 11). Er vergilt mir nicht im Maßstab 1:1, sondern er hat „einen eigenen“. Gott handelt also nicht nach dem Prinzip „Wie du mir so ich dir“, obwohl wir uns darüber nicht beklagen dürften. Esra beschreibt es auch so schön in seinem Bußgebet in Esra 9, 13:

„Und nach alledem, was über uns gekommen ist wegen unserer bösen Taten und unserer großen Schuld — und doch hast du, weil du unser Gott bist, uns mehr verschont, als es unsere Missetaten verdienten, und hast uns so viele Entkommene geschenkt!“

Dazu muss mas sagen, dass Gott sehr wohl auf eine Person sein volles Gericht über die Sünde hat ergehen lassen: Nämlich auf seinen Sohn Jesus Christus, das stellvertrendes Opferlamm, durch den dieses Erbarmen erst möglich und wirksam wird. (Für denjenigen, der — wie es der Hebräerbrief-Schreiber formuliert — diese große Errettung, dieses wunderbare Erbarmen Gottes ignoriert, wird es einmal ein schreckliches Erwachen geben, wenn er dann doch selbst die Strafe für seine Sünden tragen muss!)

Und ich denke, dass diese herrliche Tatsache, dieses wunderbare Erbarmen Gottes in Jesus Christus zu uns verlorenen Sündern uns Menschen nun zu zweierlei führen sollte:

  • Das Erbarmen Gottes, sein Mitleid mit uns Sündern, soll uns dazu führen, mit der Sünde zu brechen.

Esra macht dieses im nächsten Vers (14a) ganz deutlich:

„sollten wir da wiederum deine Gebote brechen […]?

  • Das Erbarmen Gottes soll uns zur Barmherzigkeit gegenüber unserem Nächsten führen

So wie Gott sich unser erbarmt hat, sollen wir auch den Menschen, besonders denjenigen die uns Böses wollen, mit Liebe und Erbarmen begegnen, gerade denen, die es nicht verdienen. Denken wir an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter oder an die Aufforderung Jesu in der Bergpredigt: „Liebet eure Feinde[…]“. Das ist ein hoher Maßstab, der jedoch zuerst von Gottes Seite erfüllt worden ist (Römer 5,8).

Bedenken wir auch die Warnung, die Jesus im Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht ausspricht, wenn wir die Barmherzigkeit, die wir erfahren haben, nicht an andere weitergeben. Matthäus 18, 32-35:

Da ließ sein Herr ihn kommen und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest;solltest denn nicht auch du dich über deinen Mitknecht erbarmen, wie ich mich über dich erbarmt habe? Und voll Zorn übergab ihn sein Herr den Folterknechten, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen seine Verfehlungen vergebt.

Fazit: Die Tatsache, das Gott sich unser in Jesus Christus erbarmt und uns nicht bestraft wie wir es verdienen, ist eine herrliche und befreiende, jedoch auch herausfordernde Tatsache, die uns förmlich zum Handeln „zwingt“.

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