Neues kritisches Buch über Timothy Keller

Ich lese gerne Bücher von Tim Keller. Aber es gilt natürlich auch bei ihm der Grundsatz „Prüfet alles, das Gute behaltet“. Deshalb bin ich dankbar für den Hinweis, den der Betanien-Verlag in seinem letzten Newsletter gegeben hat:

Timothy Keller ist ein populärer evangelikaler Autor, der Elemente sowohl des herkömmlichen reformatorischen Glaubens als auch moderne, eher bedenkliche Trends z.B. aus dem liberalen und „emergenten“ Gedankengut vertritt. Im deutschsprachigen Raum ist er besonders durch seine – teils guten, teils ambivalenten – Bücher wie „Der verschwenderische Gott“, „Warum Gott?“, „Warum Gerechtigkeit?“ (soziales Evangelium, Transformations-Theologie) und „Es ist nicht alles Gott was glänzt“ bekannt und einflussreich geworden. Seinen Einfluss bewerten wir durchaus kritisch, da er sich auch in konservativen Kreisen erheblicher Beliebtheit erfreut. Daher bieten wir seine Bücher nicht an.
Nun ist im englischen Verlag Evangelical Press ein Buch namens „Engaging with Keller“ erschienen, das Tim Keller und seine Lehren unter die Lupe nimmt. Schon am Inhaltsverzeichnis fällt auf, dass diese Elemente aus Kellers Profil mehrere typische Angriffspunkte enthalten, wo bibeltreue Christen heute besonders in der Gefahr stehen, verführt zu werden und vom biblischen Glauben abzuirren:
  • Kellers Umfirmierung der Lehre von der Sünde
  • Eine Hölle ohnen Schwefel: Ein neuer Weg, um die alte Wahrheit von der Hölle auszudrücken?
  • Der verlorene Tanz: Ist „göttlicher Tanz“ eine gute Beschreibung für die Dreieinigkeit?
  • Der Auftrag der Gemeinde: in der Welt Gerechtigkeit ausüben?
  • Ist Kellers Hermeneutik ein nachahmenswertes Beispiel für die Gemeinde?
  • Überbrückt Keller die Kluft zwischen Evolution und Schöpfung?
  • Gemeinschaft suchen an den falschen Orten – Keller und die Lehre von der Kirche

Keller gehört deswegen nicht auf die „schwarze Liste“. Ich werde auch weiterhin Bücher von ihm lesen. Aber es ist ein notwendiger Aufruf, jegliche Lehre und jeden Lehrer an der Schrift zu prüfen.

7 Gedanken zu „Neues kritisches Buch über Timothy Keller“

  1. Ich zitiere folgenden Kommentar von dir (eigentlich über John Piper, aber das ist sicherlich auch auf Keller übertragbar): „Hör dir den Vortrag an! Dieser Vorwurf gegen John Piper kann zumindest auf Grundlage dieses Vortrages nicht bestehen. Ich wäre vorsichtig, zu schnell – vor allem öffentlich – über Personen zu urteilen (ohne die Gefahren auszublenden). Wir kennen die Situation viel zu wenig, das müssen wir doch zugeben. Und: Natürlich bleibt die Frage bestehen, was denn jetzt genau ein hoher moralischer Anspruch ist. Dass man das nämlich auch falsch verstehen kann, das wissen wir doch nur zu gut. Piper geht in diesem Vortrag übrigens gerade auf die von dir angesprochene Spannung ein, erläutert anhand Spurgeons Verständnis den Zusammenhang von Lehre/Leben und ermahnt die zuhörenden Studenten mit konkreten Hinweisen zu einem heiligen Leben. Also: Reinhören!“
    gefunden hier: http://christusallein.com/?p=1181#comments

    1. Es geht keinesfalls darum, die Person von John Piper oder Tim Keller öffentlich zu verurteilen. Hier werden nur lehrmäßige Aspekte angesprochen. Und da sind wir aufgefordert, alles an der Schrift zu prüfen. Ob bei Keller oder Piper oder sonst wem. Hier wird auch kein Pauschalurteil ausgesprochen (Neocalvinist, daher…), sondern konkrete Punkte angeführt, auf die man in seinen Büchern stößt. Aber natürlich: Es ist und bleibt ein Ringen um Wahrheit und Liebe!

  2. Ich habe das Buch nicht gelesen und kann von daher auch nicht wirklich objektiv urteilen.

    Wenn allerdings alle Kritikpunkte berechtigt und richtig sind, dann würde das heißen, dass
    – Keller eine falsche Lehre von der Sünde hat
    – nicht an die biblische Hölle glaubt
    – die Dreieinigkeit falsch versteht (bzw. falsch vermittelt)
    – die Gemeinde (bzw. den Auftrag der Gemeinde) falsch versteht
    – Bibeltexte falsch auslegt (falsche Hermeneutik)
    – Gemeinde an falschen Orten gründet
    – irgendwie an die Evolution glaubt

    Wenn das alles zutreffen würde (auch wenn manches von mir vielleicht dramatisiert wurde), dann gehörte Keller schon auf eine schwarze Liste, oder etwa nicht? Ich meine, wenn ein biblisches Verständnis von Sünde, Hölle, Gemeinde und Dreieinigkeit nicht mehr gegeben ist, dann hat man doch schon viel verloren.

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das Buch in die gleiche Richtung wie E.S. Williams Buch „Wer sind die neuen Calvinisten?“ geht, worüber sich z.B. Ron Kubsch wie folgt äußerte:

    „Ich selbst bin refor­miert und habe zugleich einige Vor­be­halte gegen­über dem NC (siehe dazu z.B. Ron Kubsch, „Neuer Cal­vi­nis­mus – Ein­bli­cke in eine junge refor­mierte Bewe­gung“, Jahr­buch für Frei­kirch­li­che For­schung, 20/2011). Nichts gegen sach­li­che Kri­tik! Was aber Wil­liams schreibt, ist naïve, teil­weise (wohl gegen bes­se­res Wis­sen) ent­stel­lend und ver­fes­tigt weit­ver­brei­tete Vor­ur­teile. Das Niveau die­ses Tex­tes ist so tief, dass er bes­ser nicht gedruckt wor­den wäre.“ (http://www.nimm-lies.de/e-s-williams-wer-sind-die-neuen-calvinisten/4941#comments)

    Wie gesagt, ich habe das Buch nicht gelesen und urteile daher auch nicht 100%ig objektiv, aber ich frage mich schon, ob dieses Buch wirklich notwendig war.

    Damit sage ich nicht, dass man bei Keller nicht prüfen muss (wie könnte ich auch, sagt doch die Schrift: „Prüfet alles!“ 🙂 ) und auch ich als „Keller-Fan“ bin davon natürlich nicht ausgenommen.

    1. Harry, warum spekulieren wie der Charakter eines Buches haben Sie nicht einmal lesen? Ist das nicht ein bisschen im Widerspruch zu „Prüfet alles“? Eigentlich haben wir für übermäßig gemeinnützige kritisiert worden. http://www.reformation21.org/shelf-life/engaging-with-keller.php
      Wenn Sie auch ein Missionar über ein begrenztes Budget sind, um EP für ein kostenloses Rezensionsexemplar Schreiben (sagen Sie, Ich habe euch gesandt!) .

    2. Hallo Harry,
      ich bin bei Tim Challies das erste Mal auf das Buch gestoßen, der den Ton des Buches als „kindly“ bezeichnet. Er empfiehlt folgende Rezension (Vielleicht hast du Lust, es auf Deutsch zusammen zu fassen? Ich würde mich freuen.):
      http://www.reformation21.org/shelf-life/engaging-with-keller.php
      Hier das Schlusswort aus der Rezension:
      „In many ways, this is an eminently laudable book, a careful, fraternal and insightful compilation of legitimate and well-expressed concerns. It is respectful yet direct, bold yet gracious. I hope that anyone who reads the book with a Berean spirit will await Tim Keller’s response with legitimate interest. However, this book involves a broader test. Criticism of the celebrity culture within evangelicalism has been widespread in some circles and widely resented in others. Responses to this book may well reveal more of the nature of that problem. In this mature, specific and substantial treatment of one of the more prominent men in the movement often called new Calvinism, there is no vindictive gloating because an alleged-idol has feet of clay, no gleeful attempt to destroy a gilded image. But how will it be received? I hope not with hyper-defensiveness and a principled determination to dismiss what might dare to identify matters of genuine concern in the teaching of a man appreciated by many, often including his critics. Here is a chance to demonstrate not enslavement to celebrity but esteem for a man without mindless endorsement of his every utterance. I am grateful that this book has been written – grateful for its spirit, its precision, its intention, and grateful in prospect for the effect that I trust it will have.“

  3. Hallo Waldemar,
    ich habe die Reformation21-Rezension gelesen, aber für eine Übersetzung ist sie mir zu lang 🙂

    Ich bin aber in dem Zusammenhang auf eine weitere Revision gestoßen, die man auch unbedingt gelesen haben sollte. David Robertson teilt meine oben angeführte Einschätzung – nur mit dem Unterschied, dass er „Engaging with Keller“ tatsächlich gelesen hat 🙂 und seine Position begründet:

    Hier sein erster Post, in dem er die Einleitung des Buches bewertet (und auch die Frage aufwirft, warum das Buch tatsächlich geschrieben wurde): http://theweeflea.wordpress.com/2013/08/22/engaging-with-keller-a-review/

    Hier sein (bisher) zweiter Post, in dem er das erste Kapitel, in dem es um die Umdeutung von Sünde geht, beleuchtet: http://theweeflea.wordpress.com/tag/engaging-with-keller/

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