Warum fasten wir?

Mit Fasten verbinden wir vor allem eine Enthaltsamkeit von Nahrung für einen befristeten Zeitraum. Aber welche Absicht steckt dahinter? Warum fasten wir? Ich muss ehrlich eingestehen, dass mir nicht wirklich klar war, was hinter dieser Praxis steckt. Wayne Grudem erklärt, welche Vorteile das Fasten bietet:

1. Das Fasten vermehrt unser Empfinden der Demut und der Abhängigkeit von dem Herrn (denn unser Hunger und unsere körperliche Schwachheit erinnern uns dann ständig daran, dass wir nicht wirklich stark in uns selbst sind, sondern den Herrn brauchen).
2. Das Fasten erlaubt uns, dem Gebet mehr Aufmerksamkeit zu schenken (denn wir verbringen dann keine Zeit mit dem Essen).

Grudem macht deutlich, dass Gebet immer zum Fasten dazugehört (Lukas 2, 37; Apostelgeschichte 13, 2; etc.). Im Fasten selbst liegt also nicht der eigentliche Sinn der Sache; es soll das Gebet und das Wortstudium begleiten und zu einer höheren Qualität desselben führen.

3. Das Fasten ist eine ständige Erinnerung daran, dass wir, ebenso, wie wir einige persönliche Annehmlichkeiten dem Herrn opfern, indem wir nicht essen, auch fortwährend alles von uns selbst ihm opfern müssen.
4. Das Fasten ist eine gute Übung in der Selbstdisziplin, denn wenn wir uns des Essens von Nahrung enthalten, die wir normalerweise begehren würden, stärk dies auch unsere Fähigkeit, uns von der Sünde zu enthalten, der wir andernfalls nachzugeben versucht sein könnten.
5. Es erhöht die geistliche und geistige Wachsamkeit und stärkt ein besonderes Empfinden der Gegenwart Gottes, weil wir uns weniger auf die materiellen Dinge dieser Welt (wie Lebensmittel) konzentrieren und weil die Energien unseres Körpers von der Nahrungsaufnahme und Verdauung befreit sind. Dies befähigt uns, uns auf ewige geistliche Realitäten zu konzentrieren, die viel wichtiger sind.
6. Es bringt eine Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit in unseren Gebeten zum Ausdruck: Wenn wir das Fasten immer weiter fortsetzten, würden wir am Ende sterben. Daher sagt das Fasten in einer symbolischen Weise zu Gott, dass wir bereit sind, unser Leben hinzulegen, damit die Lage verändert werde und nicht weiter bestehen bleibe. In diesem Sinne ist das Fasten insbesondere dann angemessen, wenn das geistliche Niveau der Kirche niedrig ist.

Übrigens glaube ich, das Fasten nicht nur auf Nahrung beschränkt ist. Dazu gehören sicher auch Dinge wie das Handy, Internet, Bücher, Musik, etc.

zitiert nach: Grudem, Wayne: Biblische Dogmatik. Eine Einführung in die systematische Theologie, Bonn und Hamburg 2013, S. 432-433.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *