Hans Christian Andersen: Der letzte Traum der alten Eiche

Hans Christian Andersen hat das wunderschöne Weihnachstmärchen „Der letzte Traum der alten Eiche“ geschrieben:

Da stand im Wald, hoch auf dem Abhang an der Meeresküste so eine richtige alte Eiche, die genau dreihundertfünfundsechzig Jahre alt war, aber die lange Zeit war für den Baum nicht mehr als ebenso viele Tage für uns Menschen. Wir wachen am Tage… (weiterlesen)

Besonders eindrucksvoll finde ich die Passage vom „Tod“ des Baumes:

Und der Baum, der immerfort wuchs, fühlte, daß seine Wurzeln sich aus der Erde lösten.

»Das ist nun das allerbeste!« sagte der Baum, »jetzt halten mich keine Bande mehr! Ich kann zum Allerhöchsten in Licht und Glanz emporfliegen! Und alle Lieben sind bei mir! Kleine und Große! Alle!«

»Alle!«

Das war der Traum der Eiche, und während sie träumte, ging ein gewaltiger Sturm über Land und Meer – in der heiligen Weihnacht; die See wälzte schwere Wogen gegen den Strand, der Baum knarrte; krachte und wurde mit der Wurzel ausgerissen, gerade als er träumte, daß seine Wurzeln sich lösten. Er fiel. Seine dreihundertundfünfundsechzig Jahre waren jetzt wie ein Tag der Eintagsfliege.

Warum finde ich diese Stelle so beeindruckend? Der Moment, in dem die Eiche entwurzelt wird – der Sterbensmoment also -, ist für die Eiche der allerschönste.

Und das ist doch genau das, was Christus mit Weihnachten begonnen und zu Ostern vollendet hat. Christus hat das Wesen des Todes verwandelt! Der letzte Feind des Menschen ist besiegt. Für den, der in Christus ist, wird der grausame Todesmoment zum allerschönsten! Es wird der Moment, der uns hier endlich endgültig entwurzelt und uns in Gottes wunderbaren Himmel auffahren lässt.

 

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