1. Mose als polemisches Traktat

Ich habe gestern einer Vorlesung zu 1. Mose mit Kai Soltau beiwohnen dürfen. Er betonte, dass das Buch nicht als wissenschaftliches Werk, dass z.B. der Frage nach der Schöpfung nachgeht, zu verstehen sei. Vielmehr stellt es ein polemisches Traktat dar. Mose stellt den verschiedenen Weltanschauungen bzw. mythischen Vorstellungen des alten vorderen Orients (Zeitraum: ca. 3000-2000 v.C.) den Glauben an den lebendigen Gott gegenüber. Dabei zeigt er deutliche Unterschiede auf. In Anlehnung an D. A. Carsons „The God Who Is There“ führte Soltau folgende Besonderheiten des biblischen Gottesbildes in 1. Mose an:

1. Gott IST
Mose führt keinen Gottesbeweis an, sondern setzt die Existenz Gottes voraus. (vs. Atheismus)

2. Gott SCHAFFT
Er ist nicht Teil der Natur und unabhängig von dieser.
„Gott ist nicht Welt und die Welt ist nicht Gott.“ (vs. Pantheismus)

3. Gott ist EINZIGARTIG bzw. EINER
bzw. der dreieinige Gott (vs. Polytheismus)

4. Gott REDET
Gott ist eine Person und spricht zum Menschen bzw. kommuniziert mit ihm. Die Schöpfung entsteht durch das gesprochene Wort.

5. Gott macht alles SEHR GUT
Gott ist nicht launisch und streitsüchtig.
Das Problem des Leids kann zwar nicht erklärt werden, jedoch wird deutlich gemacht, dass dieses Problem am Anfang nicht existierte und erst durch den Sündenfall aufkam.

6. Gott RUHT
Gott ermüdet nicht. Dieses „Ruhen“ stellt vielmehr den Höhepunkt, das Ziel seiner Schöpfung dar. Der Sabbat ist ein Zeugnis davon, dass Gott herrscht, Stabilität u. Ordnung schafft und sein Werk souverän vollendet.

7. Gott ist HERRLICH
Im Gegensatz zu den Vorstellungen in den Mythologien des alten vorderen Orients, wo die Götter niemals von ihrem Wesen her gut, weise, gerecht und treu sind.

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