Interview mit Berthold Schwarz

In der September-Ausgabe des Mitternachtsruf ist ein Interview mit Prof. Dr. Berthold Schwarz, der Dozent an der FTH Giessen und Leiter des Instituts für Israelogie ist, abgedruckt. Unter anderem wird er in dem Interview zum Institut, zur (unbeabsichtigten) Ersatztheologie, zur Bedeutung der Israelfrage und den richtigen Umgang mit der Bibel befragt. In einer Frage erwähnt er, das „mit Israel und der Gemeinde Jesu sind wichtige Fragen verbunden, die Christen für sich selbst im Glauben klären müssen. Hier geht es nicht einfach um den Tagesordnugspunkt 5000, der letzlich keinen mehr wirklich interessiert.“

In der letzten Frage wird er darauf nochmal angesprochen und ihm die Frage gestellt, warum die Israelfrage für ganz normale Christen im Alltag von Bedeutung ist. Ich möchte gerne auszugsweise aus seiner Antwort zitieren:

Die Gemeinde Jesu darf nicht als ein Ersatz des Volkes Israel verstanden werden. (…) Und deshalb ist es enorm wichtig, gewisse Dinge in den Evangelien, aber auch vor allem beim Apostel Paulus, nicht misszuverstehen, sondern im Glauben richtig einzuordnen. Wie geht man beispielweise mit bestimmten Bibelaussagen um, wenn man sie nicht eins zu eins auf die Gemeinde übertragen kann? Mann kann sie ja nicht eliminieren, sondern muss sich fragen: Wenn sie für Israel eine Bedeutung haben, wie ziehe ich dennoch Nutzen aus den alttestamentlichen Verheißungen, Ermahnungen oder Gerichtsworten (vgl. 2. Tim 3, 16: alle Schrift ist nützlich)? Welche konkrete Bedeutung haben solche Worte für die Gemeinde Jesu oder für den einzelnen Christen, auch wenn diese zunächst nicht der Empfänger der Botschaft gewesen sein mögen? Dies zu klären, das ist für gewinnbringendes Bibellesen und für das Glaubensleben enorm wichtig.

Wenn wir die Zusammehänge verstehen und sehen, wie Gott Heilsgeschichte schreibt, wie er uns sein Heil durch seinen Sohn Jesus verkündigt im neutestamentlichen Kontext des Judentums und Israels, dann bereichert und ermutigt dies zugleich den Glauben des Einzelnen enorm. Deswegen müssen Christen über Israel nachdenken und die Zusammenhänge verstehen lernen. (…) Gottes treues Handeln an Israel ermutigt uns, Heilsgewissheit zu bekommen, weil Gott in der Geschichte treu bleibt, treu zu Israel (Röm 11, 28) und damit treu zu uns Christusgläubigen (Röm 8, 39). Diese Treue Gottes bestätigt unsere Gewissheit, dass die Erlösung im Glauben an den auferstandenen Christus gilt (Röm 4, 25).

Abschließend möchte ich betonen, dass wir uns insgesamt gesehen vor allem mit Christus selbst beschäftigen müssen. Er ist unser Herr, unser Erlöser, dem wir dienen und dem wir gehorsam sind. Sich mit Christus zu beschäftigen, das kann und darf durch nichts anderes ersetzt werden, auch nicht durch Fragestellungen zu Israel. Aber das heißt nicht, dass man deswegen die wichtigen biblischen Gesichtspunkte, die Israel betreffen, unter den Tisch kehren oder gar gering achten dürfte. Vielmehr sollten wir eine biblisch abgeleitete Beziehung zwischen der Heilsgeschichte Gottes mit Israel und dem Glauben an den Retter Jesus Christus herstellen, denn gerade dies ist die Chance, ein ausgewogenes, gesundes, biblisch orientiertes Glaubensleben zu führen.

Ein Gedanke zu „Interview mit Berthold Schwarz“

  1. Ohne weiter in die Debatte einsteigen zu wollen: Reformierte Theologen würden sich gegen den Begriff „Ersatztheologie“ wehren. Das ist ein Missverständnis.
    LG, Waldemar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *