Das Predigeramt aus Sicht eines Puritaners (6): Beweggründe, die antreiben sollen, auf die ganze Herde Acht zu haben

Schon eine lange Zeit (fast 9 Monate) habe ich nicht mehr über das Buch von Richard Baxter gebloggt; vor kurzem jedoch wurde ich ermutigt, trotz der langen Zeit weiter über den Inhalt des Buches zu berichten, was ich hiermit tun möchte.

Damit ihr einen kleinen Überblick zum Wiedereinstieg habt ist hier ein ganz grober Überblick über das bereits Geschriebene: Nachdem Baxter erläutert, warum er dieses Buch verfasst hat – nämlich um den geistlichen Stand seiner Zeit aufzurütteln – geht er in dem ersten Teil auf die Prediger selbst ein und sagt ihnen, dass sie Acht auf sich selbst haben sollen und nennt Bereiche, in denen zuallerst sie auf sich Acht haben müssen und nennt danach acht Beweggründe warum das Acht-auf-sich-selbst-haben so wichtig ist. Im zweiten Teil des Buches (nachdem der Prediger/Älteste seinen geistlichen Zustand geprüft hat) geht er dann darauf ein, wie die Aufsicht über die Herde aussieht und geht als erstes auf die Beschaffenheit der Aufsicht ein und danach in 15 Punkten, wie diese Aufsicht durchgeführt werden soll. Den Teil des Buches schließt Baxter wie den ersten Teil des Buches ab: Er nennt Beweggründe, die (wie gesagt, nachdem der Prediger das auf-sich-selbst-Acht-haben zu Herzen genommen hat) antreiben sollen, seiner Aufgabe, nämlich dem Acht-haben-auf-die-ganze-Herde, nachzugehen. Er nennt vier Gründe, die er allesamt aus dem dem Buch zugrundeliegenden Vers aus Apostelgeschichte 20,28 ableitet.

Als allerstes macht der Text auf das Verhältnis zu der Herde aufmerksam- die Prediger sind als Bischöfe über sie gesetzt. Die Natur des Amtes fordert den Ältesten/Prediger schon auf, Acht zu haben. Gerade dies ist für Baxter sehr wichtig, da es einen großen Feind gibt, der ,so Baxter, zehn bis zwanzig Mal zu einem Sünder spricht, während der Prediger oft nur einmal Gelegenheit dazu hat.

Wie viele lassen sich, nach einer scheinbar durchgreifenden Veränderung wieder täuschen von den Ehren und Freuden der Welt und in ihre früheren Lüste verstricken! Wie viele gehen bloß statt eines schändlicheren Weges der Befreidigung der Fleischeslust einen etwas ehrenvolleren, wo ihr Gewissen nicht so stark beunruhigt wird! (…) Wie bald kann selbst in bekehrten Menschen die Gnade verlöschen, wenn ihr sie vernachlässigt.

Der zweite Grund liegt in dem Urheber des Amtes, dem Heiligen Geist. Er hat sie zu Aufsehern gesetzt und deswegen sollen sie Acht haben. Der Heilige Geist wirkt laut Baxter bei der Besetzung der Gemeindeämter 1) indem er Personen dazu aurüstet 2) indem er so leitet, dass sie ihre Gaben erkennen und 3) indem er sie und die Gemeinden in ihrer Verantwortung befestigt. Weil der Auftrag also vom Himmel kommt, muss ihm gehorcht werden.

Der dritte Grund handelt von der Würde der Aufgabe: Es geht um die Gemeinde Gottes, über welche der Heilige Geist sie zu Aufsehern gesetzt hat. Baxter macht deutlich, dass die Gemeinde das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk ist und die Ältesten sind die Priester unter diesen Priestern, die Leiter dieses Volkes von Königen und hofft, dass sie dadurch von ihrer Trägheit wachgerüttelt werden.

In Gottes eigenem Haus sind wir Haushalter, und diesen Beruf sollten wir vernachlässigen? Sollten wir ihm nicht die Heiligen – welche Gott in Ewigkeit schauen werden in seiner Herrlichkeit – für seinen Himmel erziehen? Und um solche sollten wir uns nicht kümmern? Das verhüte Gott!

Der letzte Beweggrund ist zugleich wohl der stärkste. Es geht um den Preis, der für die Gemeinde gezahlt worden ist, über welche der Heilige Geist sie zu Bischöfen gesetzt hat: „… die er (Jesus) durch sein eigenes Blut erworben hat!“ Einen Teil seiner Ausführung möchte ich wiedergeben und lasst uns darauf achten, ob wir uns nicht auch darin wiederfinden, was den Dienst, in den Gott uns gestellt hat und die Aufgaben betrifft, die er uns gegeben hat:

O, so lasst uns nun diese mächtigen Worte Jesu hören, wann immer wir träge und sorglos werden: „Wie? Ich bin für diese Seelen gestorben und du willst nicht einmal über sie wachen? Ich habe sie meines Blutes wert geachtet, und du hältst sie nicht deiner Arbeit wert? Ich bin vom Himmel auf die Erde gekommen, um zu suchen und selig zu machen, was verloren war, und du willst nicht in das nächste Dorf, die nächste Straße, das nächste Haus gehen, um sie zu suchen? (…)“.

O wie wird das einmal einen faulen Prediger zu Boden schlagen, wenn am Jüngsten Tage das Blut des Sohnes gegen ihn zeugt! Und wenn nun Christus zu ihm sagt: „Dasjenige, was ich mit meinem Blut erworben habe, hast du gering geschätzt, und nun meinst du, selbst durch dieses Blut selig zu werden?“ O meine teuren Brüder, da Christi Blut einmal zeugen soll für oder gegen uns, lasst es uns gläubig ergreifen, lasst uns durch dasselbe mit ihm in Gemeinschaft treten, lasst es uns unablässig vor Augen stehen, damit es im Gericht dereinst Zeugnis ablege zu unserer Seligkeit und nicht zu unserer Verdammnis.

Im nächsten Teil des Buches kommt Baxter dann zur Anwendung…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *