Der 1. Mai und eine christliche Sicht auf Arbeit

Die Tatsache, dass der letzte 1. Mai auf einen Freitag fiel, hat vielen Deutschen ein langes Wochenende beschert. Bei dem „Tag der Arbeit“ handelt es sich nicht um einen christlichen Feiertag. Auch entstammt der Feiertag keiner christlichen Tradition – eher das Gegenteil ist der Fall.

Trotzdem bietet sich hier die gute Gelegenheit, kurz über das christliche Verständnis von Arbeit nachzudenken. In seinem Buch Christus im Alten Testament geht Thomas Schirrmacher zu Beginn auf die Dreieinigkeit Gottes ein und ordnet somit die Frage nach Christus im Alten Testament in den Kontext der Trinität ein. Dabei zeigt Schirrmacher u.a. auf, wie die Dreieinigkeit das christliche Verständnis von Arbeit beeinflusst. Er deckt dabei wichtige Zusammenhänge auf:

Weil der Mensch das Ebenbild Gottes ist, wird die ewige Liebesgemeinschaft in der Bibel zum Maßstab und Ausgangspunkt für die Gemeinschaft der Menschen. Menschen reden miteinander, weil Gott ein miteinander redender Gott ist. Menschen sollen füreinander arbeiten, weil Gott selbst ein Gott ist, der füreinander arbeitet und lebt.

In der Auseinandersetzung mit der Sicht von Karl Marx, daß die Arbeitsteilung der ökonomische Sündenfall der Geschichte war, bin ich an anderer Stelle auf die Bedeutung der Dreieinigkeit für die biblische Lehre, daß Menschen vielfältig begabt und beauftragt sind und nur gemeinsam alle Aufgaben angehen können, eingegangen. Schon innerhalb der Dreieinigkeit ist die Arbeit geteilte Arbeit. Die Personen der Dreieinigkeit lieben einander, sprechen miteinander, tun etwas füreinander. Nur bei geteilter Arbeit kann man einander dienen. Die Bibel möchte, daß wir durch die Arbeitsteilung voneinander abhängig sind und einander dienen.

Auch den Zusammenhang von Autorität und Arbeit sollte man beachten:

Aber die Dreieinigkeit ist nicht nur für die Frage der Arbeitsteilung und des füreinander Arbeitens von Bedeutung, sondern zeigt, daß Gott selbst überhaupt ein arbeitender Gott ist und das schon, bevor die Schöpfung ins Dasein kam. Dabei ist Gott ein Gott, der mehr arbeitet, als alle Menschen. Er „schläft und schlummer nie“ (Ps 121,4). Dementsprechend bringt Verantwortung und Macht immer Mehrarbeit mit sich. Auch für die Mächtigen gilt der Arbeitsbefehl. Könige führen deshalb ein sehr arbeitsames Leben. Und der gewiß nicht einflußlose Paulus schreibt: „Ich habe mehr gearbeitet, als sie alle“ (1Kor 15,10; 2Kor 11,23). Das war der Preis für seine Verantwortung. In der Bibel arbeiten die Höhergestellten für ihre Untergebenen ebenso, wie diese für sie. Eltern arbeiten für ihre Kinder, Männer für ihre Familien. Autorität bedeutet in der Bibel Arbeit, wobei die höchste Autorität, Gott selbst, mehr für uns arbeitet und tut, als wir je füreinander tun könnten. Auf diesem Hintergrund konnte Luther den Papst ermahnen, er solle nicht Feste feiern, sondern mehr Tag und Nacht für die Kirche arbeiten und sorgen, als alle seine Untergebenen.

Daß man mehr Arbeit hat, wenn man höher steht, ist durchaus nicht selbstverständlich. In vielen Religionen und Ideologien sieht es genau umgekehrt aus. Je höher der Mensch steht, desto weniger arbeitet er und desto mehr läßt er andere für sich arbeiten. Meist steht an der Spitze solcher Religionen ein Gott, der nicht arbeitet, sondern sich bedienen läßt oder in Ruhe und Wohlstand versunken ist.

Der Frust, die Wut und das Misstrauen, das die Arbeiterbewegung in Kampfliedern wie z.B. „Die Internationale“ ausgedrückt hat, werden im Licht eines wirklich christlichen Arbeitsverständnis unbegründet.

 

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