Auszüge aus „Wie kann man Gott gefallen?“ A.W. Tozer

In dem Kapitel  „Kirchenzugehörigkeit: Kein Ersatz fürs Handeln“ finden sich ermahnende und ermutigende Aussagen, die uns Christen heute mindestens ebenso gut einen Spiegel vorhalten wie zur Zeit der Abfassung des Buches. Hier einige Zitate:

„Der höchste Zweck des Christentums besteht darin, dass Menschen
Gott ähnlich werden, damit sie so handeln wie Gott. In
Christus folgen die Verben sein und tun einander in dieser Reihenfolge.

Wahres Christentum führt zu moralischem Handeln. Der einzig
wahre Christ ist der praktizierende Christ. […]

Cicero, der römische Redner, warnte einst seine Hörer, sie stünden
in Gefahr, die Philosophie zum Ersatz für das Handeln zu
machen, anstatt ihr zu erlauben, Handlungen hervorzubringen.
Was für die Philosophie gilt, gilt auch für das Christentum. Der
christliche Glaube war nie dazu da, als Endzweck noch als Ersatz
für irgendetwas anderes betrachtet zu werden. In den Köpfen
mancher Lehrer gibt es einen Gegensatz zwischen Glauben
und moralischem Verhalten, und jeder Gottsucher hat sich zwischen
beiden zu entscheiden. Hier geht es um das bekannte Entweder/
Oder: Entweder haben wir Glauben oder wir haben Werke,
und der Glaube rettet uns, während die Werke uns verdammen.
Aus diesem Grunde die ungeheure Überbetonung des Glaubens
und eine Apologetik in der modernen Evangelisation, die
an der Lehre von der persönlichen Heiligung nichts Gutes lässt.
Dieser Irrtum hat die moralischen Standards der Kirche gesenkt
und dazu beigetragen, uns in die Wüste zu führen, in der wir uns
zurzeit befinden.

Richtig verstanden ist der Glaube kein Ersatz für moralisches
Verhalten, sondern ein Mittel dazu. Der Baum steht nicht im
Gegensatz zur Frucht, sondern ist die Voraussetzung dafür.
Frucht, nicht Bäume, sucht Gott in Seinem Garten; darum ist
christliches Verhalten das Ziel des christlichen Glaubens. Werke
gegen Glauben auszuspielen, bedeutet die Frucht zum Feind
des Baumes zu machen; und genau das haben wir fertig gekriegt.
Ja, und die Folgen sind verheerend. […]

In der Praxis können wir dies subtile (und oft unbewusste) Ersetzen
feststellen, wenn wir hören, wie ein Christ sagt, er wolle »über
einem Problem beten«, wobei er genau weiß, dass er das Gebet als
Ersatz fürs Handeln nimmt. Es ist viel leichter zu beten, die Nöte
eines armen Freundes möchten beseitigt werden, als tatkräftig für
Abhilfe zu sorgen. Jakobus´ Worte glühen vor Ironie:
Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester dürftig gekleidet
ist und der täglichen Nahrung entbehrt, aber jemand unter
euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und
sättigt euch! Ihr gebt ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige,
was nützt es? (Jakobus 2,15-16). […]

Ein richtiges Verständnis der ganzen Sache wird das falsche und
künstliche Entweder/Oder zerstören. Dann werden wir nicht
weniger Glauben, aber mehr gottesfürchtige Werke haben, nicht
weniger Gebet, aber mehr Dienst, nicht weniger Worte, aber mehr
heilige Taten, kein schwächeres Bekenntnis, aber mutigeres
Besitzergreifen, nicht Religion als Ersatz fürs Handeln, sondern
Christentum in glaubensvoller Aktivität.
Und was hieße das anderes, als dass wir zur Lehre des Neuen
Testaments zurückgekehrt sind?

 

 

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