Christus allein

Das Toben der Nationen

Vermehrte Terroranschläge, Bedrohung durch den Islam (und wie ihm dazu in Deutschland „der Hof gemacht wird“), die zunehmende Globalisierung und Auflösung der Demokratie, die Abschaffung christlicher Werte – zugegeben, es ist nicht die attraktivste Art einen Artikel mit so einer negativen Aufzählung zu beginnen. Aber genau diese Dinge spielen sich in der Welt ab und wirken insbesondere für uns Christen oft wie eine (übermächtige) Bedrohung, der wir uns nicht gewachsen sehen und die jetzt mit der „Ehe für alle“ einen neuen Negativ-Höhepunkt erreicht hat. Wir fühlen uns von diesen Vorgängen massiv angegriffen und fragen uns dann: Wie ordnen wir diese Vorgänge von der Bibel her richtig ein? Müssen wir resignieren und verzweifeln und uns bedroht fühlen ob des immer größer werdenden Chaos in der Welt und der zunehmenden Angriffe von ihr oder gibt es eine Antwort, die uns hoffnungsvoll in die Zukunft gehen lässt? Der zweite Psalm gibt uns wie ich finde auf diese Fragen eine großartige Antwort – ich möchte anhand von drei Punkten den Inhalt dieses Psalms streifen:

1)Verwundere dich nicht über die Angriffe (Verse 1-3)

Das erste was uns der Psalmschreiber hier deutlich macht (aus dem Gebet der ersten Gemeinde in Apg. 4 erfahren wir, dass es sich hier um David handelt) ist die Tatsache, dass sich die Welt (die Nationen/Völkerschaften) in Feindschaft gegenüber Gott befinden. Seine Herrschaft und seine guten Ordnungen die zum Leben dienen, werden von den Ungläubigen, denen nach 2. Korinther 4,4 „der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat“, als Stricke und Bande empfunden, die sie mit aller Macht loswerden möchten. Die Angriffe richten sich nicht primär auf uns als Gläubige, sondern sie gehen „gegen den HERRN und seinen Gesalbten.“ Das war schon immer so und wird in dieser Welt auch immer der Fall sein -> diese Tatsache brauchen wir nicht zu beschönigen, wir brauchen sie aber auch nicht zu überdramatisieren, sondern können dieses ganz nüchtern sehen.

Dabei ist das, was die Menschen in ihrer Auflehnung Gott gegenüber ersinnen eitel, d.h. nichtig, sinnlos, vergeblich. Römer 1,21 sagt es ganz treffend: Sie „sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen“. Rabbi Samson Raphael Hirsch (1808-1888) kommentiert zu Psalm 2 ganz treffend:

„Sie suchen die Krankheit da, wo gerade die Heilung liegt, und suchen Heilung in dem, was nur noch das Siechtum mehrt.“

Wenn wir also verstehen, dass die Angriffe der Welt aus der Feindschaft mit Gott heraus resultieren, brauchen wir uns darüber wirklich nicht zu verwundern als ob jetzt etwas Unnatürliches geschehen würde. Die Angriffe richten sich in aller erster Linie gegen Gott -> natürlich sind wir als Kinder Gottes somit auch unmittelbar davon betroffen, aber somit können wir – da wir zu IHM gehören und seiner Herrschaft unterstehen – die Angriffe auch aus seiner Sicht sehen (und das ist eine sehr befreiende und ermutigende Sicht):

2) Sieh die Angriffe aus Gottes Perspektive (Verse 4-9 -> genau das tat auch die erste Gemeinde.)

In dem vierten Vers finden wir eine erstaunliche Aussage: Es wird uns gesagt, dass Gott über das Toben der Nationen lacht! Es ist eine von drei Stellen, in denen uns davon berichtet wird, das Gott lacht und immer bezieht sich das Lachen auf seine Feinde (vgl. Ps. 37,13; 59,9). Gott hat für die tobenden Nationen und Völkermassen, die gegen ihn schnauben nur Hohn und Spott, ein geringschätzendes Lachen übrig. Fast immer ist Lachen in der Bibel ein ironisches Lachen, welches durch eine lächerliche Absurdität hervorgerufen wird (ein Beispiel hierfür geben uns Abraham und Sarah, vgl. 1. Mose 17,17; 18,12).

Dass Gott lacht zeigt, dass er über allem steht, dass er im Regiment sitzt und dass er weit überlegen ist. Er sitzt da und lacht, weil er wirklich alles fest im Griff hat (das beschreiben auch die weiteren Verse – er lacht nicht nur, sondern auch sein Zorn liegt auf dem Toben der Heidenvölker und der Augenblick des Gerichts wird kommen). Er ist der Schöpfer und Erhalter dieser Welt und alles läuft nach seinem Plan ab -> entgegen dem Toben der Völker gegen Gottes Herrschaft setzt er seinen König in dieser Welt ein (Vers 7b -> der Hebräerbriefschreiber greift die Aussage in Hebr. 1,5 auf und bezieht sie auf Jesus Christus, indem diese Aussage ihre letztendliche Erfüllung findet). Gott herrscht in dieser Welt und tut, was ihm wohlgefällt und nichts und niemand kann ihn darin hindern -> schon gar nicht das lächerliche Toben der Ungläubigen. Daraus folgt der dritte Punkt:

3) Berge dich bei Gott (Verse 10-12)

Uns, die wir durch Jesus Christus Kinder Gottes sind, ist das Wort aus Vers 12b ein unglaublich großer Trost: „Glücklich alle, die sich bei ihm bergen!“ Wir brauchen uns in dieser stürmischen Zeit nicht zu fürchten, denn wir stehen auf der Seite des Allmächtigen, der unabhängig von dem Toben der Völker regiert -> und somit kann auch uns niemand etwas anhaben (Röm. 8,31; Joh. 10,27-30)

Im Gegenteil: Wir können mutig sein und befreit leben (-> siehe die erste Gemeinde: Sie betet um Freimütigkeit in der Verfolgung, um weiter das Evangelium zu verkünden, nicht darum, dass die Probleme verschwinden.)

Wir sollten uns Jesu Worte in Erinnerung rufen und nicht die fürchten, die nur fähig sind, den Leib zu verderben, sondern vielmehr Gott fürchten und ihm dienen (s. Vers 11). Was kann dir schon passieren, wenn du zu dem gehörst, der über das Toben der Völker lacht? In einem gewissen Sinne kannst auch du lachen.

Doch in einem anderen Sinne sollte uns diese Tatsache denen gegenüber in Alarmbereitschaft versetzen, die sich noch in der Rebellion gegen Gott befinden, da eben der Moment kommen wird, an dem Gott vollständig Gericht üben wird. Jeder Mensch, der noch nicht zu Gott gehört, lebt in Feindschaft gegenüber ihm und gehört in gewisser Weise zu denen, über die Gott lacht. Und wenn er sein Gericht noch nicht vollzieht, bedeutet es nicht, dass Gott machtlos oder überrumpelt wäre, sondern es ist seine Güte und Gnade, die den Sünder noch verschont. Noch sehen wir manchmal so wenig von Gottes allumfassender Herrschaft, aber der Tag wird kommen an dem Gott zurückschlagen wird. Und deshalb sollten wir wie David hier den Ausruf aus den Versen 10-12 unseren Mitmenschen vorhalten.

Es gilt, verständig zu sein und sich zurechtweisen zu lassen, ihm zu dienen, ihn zu fürchten und den Sohn zu küssen -> d.h. nichts anderes als Gottes Herrschaft anzuerkennen und sich ihr zu unterwerfen, seine eigenen Vorstellungen von richtig und falsch dahinfahren und sie von Gott definieren zu lassen und Buße zu tun im Vertrauen auf seinen Sohn, Jesus Christus, den er als Herrscher über alle eingesetzt hat und der der einzige Weg ist, sich mit Gott zu versöhnen und auf seine Seite zu stellen.

Das ist es, wozu der Psalmist hier auffordert, angesichts des bevorstehenden Gerichtes Gottes, dass sein Sohn ausführen wird. Und somit lädt der Psalm den Rebellierenden zur Umkehr, zum Bergen bei Gott ein. Der Aufbau dieses Psalms ist einfach wunderbar: Zuerst wird uns davon berichtet, dass sich die Welt in beständiger Auflehnung Gott gegenüber befindet, als zweites wird dann erwähnt, dass Gott der unangefochten Regierende ist, der seinen Sohn als Herrscher einsetzt -> und dann kommt eben nicht das gleich zu erwartende Gericht und die völlige Vernichtung der Feinde, sondern stattdessen das Angebot der Versöhnung mit Gott („Küsst den Sohn“). Die helle Botschaft in dieser dunklen Gerichtsankündigung ist: Niemand muss in der Feindschaft mit Gott bleiben!

Die Bibel berichtet uns eben nicht nur von Gott, der über Sünder lacht, sondern auch davon, dass er den Sünder liebt, dass er den Tod des Sünders nicht will und dass sein Zurückhalten des Gerichts nicht Schwäche ist, sondern Ausdruck seiner Geduld und Güte die will, dass der Sünder zur Buße geleitet wird, das er umkehrt und lebt (Hes. 18,23; Röm. 2,4). Deshalb hat er seinen Sohn gesandt und ihn am Kreuz gerichtet. Diese Botschaft gilt es, unseren Mitmenschen in dieser stürmischen Zeit umso stürmischer und ernster ans Herz zu legen.

Und lasst uns immer daran festhalten was Jesus Christus, der der von Gott eingesetzte Herrscher ist, der über alle erhoben und dem alles zu den Füßen gelegt ist (Eph. 1,20-23; Phil. 2,9), den Seinen in Johannes 16,33 zugesichert hat:

Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!

 

PS: Anbei ein Link zu einer Predigt von Pastor Dr. Wolfgang Nestvogel, der in einer Predigt zu Römer 8,5-11, gehalten am 12.07.2015, in den ersten vier Minuten aus einem offenen Brief von John MacArthur zitiert, in  dem J. MacArthur von der Bibel her eine klare Stellung zu der kurz zuvor flächendeckend in den USA durchgesetzten gleichgeschlechtlichen Ehe bezieht -> sehr ermutigend und fokussierend.

http://begh.podspot.de/post/predigt-vom-12072015-romer-85-11/

Hier der offene Brief:

An Open Letter to TMS Alumni

3 Kommentare

  1. Danke für den ermutigenden Beitrag Jürgen!

    Auch hierzu passt ermutigend das Lied „Glory Unspeakable“ welches du uns letztens als Ermutigung weitergegeben hast;-)

    Der Herr ist König und wir warten auf Ihn!

  2. Danke Jürgen!
    Es ist die immer wieder zum Erstaunen bringende und, im gewissen Sinne, „paradoxe“ Weisheit Gottes. Die Tatsache, dass kein Geringerer als der Herr selber angegriffen wird, gibt Ruhe und Geborgenheit und auch Mut zum Kampf für die göttlichen Wahrheiten. Was du bereits tust.
    Der Herr segne dich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.