Christus allein

Der Prophet Haggai (1): Baut das Haus des Herrn!

Haggai steht im Schatten der großen Propheten wie z.B. Jesaja und Jeremia, aber auch einige der zwölf kleinen Propheten verweisen ihn in Bezug auf die Popularität auf einen der hinteren Plätze. Viele werden wohl ihre Schwierigkeit haben ihn in der Bibel auf Anhieb zu finden oder gar seine Botschaft zu formulieren. Doch was diesen kleinen Propheten gegenüber allen anderen ausmacht ist sein enormer Erfolg! Kein anderer Prophet hatte die Freude solch eine kurzfristige und leidenschaftliche Reaktion auf seine Botschaften zu sehen. Die nächsten Beiträge sollen Licht auf das zweitkürzeste Buch der Bibel werfen, das aus nur zwei Kapiteln und 38 Versen besteht.

Nachdem die Israeliten 70 Jahre im Exil in Babylon verbringen mussten (ca. 606 – 537 v.Chr.), befinden sie sich nun seit 16 Jahren wieder in ihrer Heimat Jerusalem. Ihr Leben hat sich wieder gesetzt: Sie haben sich Häuser erbaut, auf dem wiedererrichteten Altar wird täglich geopfert, sie sind daheim. Gerade in diese Situation im Jahre 520 v.Chr. sieht sich Gott genötigt, Haggai als sein Sprachrohr loszuschicken, denn das Volk hatte den Tempel Gottes „vergessen“! Treffend benennt Ewald Keck das Thema des Buches: „Baut das Haus des Herrn!“. Sie hatten nun schon ein Teenie-Alter in ihrer Heimat verbracht, sich jedoch nur um ihre, nicht aber um Gottes Belange gedreht. Sicher, sie hatten den Tempelbau direkt nach der Ankunft in Jerusalem in Angriff genommen (Esr 3,8), doch der Widerstand der Nachbarn nahm ihnen jeglichen Mut. Sie ließen es bleiben. Sie bastelten stattdessen mit umso mehr Liebe an ihren eigenen Häusern, das erzeugte keinen Widerstand bei den Anwohnern nebenan. Doch das erregt Gottes Zorn:

Dieses Volk da sagt: ›Die Zeit, den Tempel des HERRN wieder aufzubauen, ist jetzt noch nicht gekommen!‹«

[…] 4 »Ist es etwa für euch selbst an der Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus in Trümmern daliegt?«

Während Gottes Haus in Trümmern lag, eilten sie mit Hammer und Meißel an ihre Baustellen und hatten „ein jeder […] an seinem eigenen Hause seine Freude“ (Hag 1,9). „Unser Reich komme!“, das war die unbewusste, aber gelebte Devise.

In den vier Reden des Propheten sehen wir wie Gott sein Volk

  • ermahnt (1,1-15),
  • ermutigt (2,1-9),
  • belehrt (2,10-19) und
  • Segen verheißt (2,20-23)[1].

Gott mobilisiert das eingeschläferte, träge Volk, ihm mit Hingabe beim Tempelbau zu dienen.

Die Fragen, die uns die Botschaften Haggais heute stellen, sind folgende:

  • Suchst du auch den Weg des geringsten Widerstands, trotz des Wissens, dass es einen Weg gibt der Gott mehr ehrt?
  • Rechtfertigst du dein entspanntes Leben mit den komplexen, schwierigen Umständen?
  • Welche Bedeutung hat Gottes Reich in deinem Leben? Oder konkreter gefragt: Wo werden die Geschwister in deiner Gemeinde durch dich gesegnet?

[1] angelehnt an die Gliederung von Ewald Keck

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2 Kommentare

  1. Hallo Andy,

    vielen Dank für den wertvollen Beitrag und den Hinweis auf das häufig zu wenig Beachtung findende Buch Haggai. Einen sehr passenden Artikel gibt es dazu auch auf dem Josiablog. (http://www.josiablog.de/2017/07/wenn-gott-nicht-im-zentrum-ist-predigt-zu-hag-1/)

    Gottes Eifer um seine Ehre sticht besonders hervor in diesem Buch, sein glühender Zorn über die Gleichgültigkeit des Volkes ggü. seiner Wohnstätte, die seine verheißene Gegenwart im Volk wiederspiegelt, sollte auch uns heute die Frage stellen, ob Gottes Ehre und sein Reich oberste Priorität in unserem Leben haben.
    Die anschließenden Worte Gottes „Ich bin mit euch!“ (Hag. 1,13) und die vorbildliche Reaktion des Volkes sind mir persönlich eine unheimliche Ermutigung darin, Gott an erster Stelle in meinem Leben stehen zu lassen.

    Liebe Grüße
    Lilli H.

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