Christus allein

Rezension: Keine Kompromisse (David Platt)

Ein Gastbeitrag von Benjamin Tissen (@BenjaminTissen):

In einer Zeit der geistlichen „Übersättigung“ können wir schnell dazu geneigt sein, uns mit unseren geistlich fetten Bäuchen zurückzulehnen und zu debattieren: über Theologie, verschiedene Projekte und ganz allgemein Meinungsverschiedenheiten. Das ist an sich nicht schlecht, sondern – gerade in Anbetracht der geistlichen Unterernährung unserer Vorfahren während der Nachkriegszeit in der Sowjetunion – meistens sogar sehr gut und wichtig. Es ist Gnade Gottes, dass wir (im Vergleich zu ihnen) so eine Masse an guter Theologie in Form von Büchern und Predigten haben.

Dennoch befürchte ich, dass wir schneller als wir meinen, in eine geistliche Passivität und Trägheit kommen können und uns somit von den wesentlichen Aspekten unseres Glaubens entfernen. Unsere Konsumgesellschaft, die vom Materialismus und Humanismus geprägt ist, trägt nicht gerade zur Besserung der Aussichten bei. Vor diesem Hintergrund ist es eine große Herausforderung, heute den Prinzipien und Forderungen Jesu über die Nachfolge gerecht zu werden.

Das Buch Keine Kompromisse von David Platt (der englische Titel Radical gefällt mir noch etwas besser) bietet für Christusnachfolge in der heutigen Zeit eine gute und biblisch fundierte Grundlage. Beim Lesen des Buches ging es mir manchmal ähnlich wie Russell D. Moore, der über Radical schreibt:

Manchmal empfehlen Menschen Bücher, indem sie sagen: „Du wirst es nicht mehr weglegen wollen“. Das kann ich über dieses Buch nicht sagen. Du wirst es oft weglegen wollen […] Du wirst sehen, wie sehr du dich an weltliche Ideale gewöhnt hast. Doch wirst du hier einen anderen Weg finden, von dem du weißt, dass er wahr ist, weil du ihn durch die Worte Jesu kennst.

David Platt, der schon mit 26 Jahren Pastor einer Mega-Church wurde, schafft es, auf Grundlage des Evangeliums, eine gesunde Theologie der Nachfolge sehr passend mit vielen packenden Beispielen aus seinem Leben zu verknüpfen und so einen Hunger in dem Leser zu wecken, der ihn näher in die Gemeinschaft und in ein Leben mit Jesus treiben soll. Ich war nicht selten zu Tränen gerührt, wenn ich zum Beispiel Passagen wie diese las:

Vor ein paar Wochen war ich in Kuba und sah genau dieses Bild. Es gibt dort keine großen Gemeindegebäude und keine auffällige Werbung für Gemeinden. Du merkst von der Gemeinde Jesu kaum etwas – bis du die Leute kennenlernst. Wir besuchten eine kleine, arme kubanische Gemeinde. Diese Gemeinde hat schon sechzig andere Gemeinden gegründet.

Am nächsten Tag besuchten wir eine der neu gegründeten Gemeinden. Sie hatte auch schon fünfundzwanzig andere Gemeinden gegründet. Kubanische Christen nehmen Jesus beim Wort und vervielfältigen die Gemeinde, indem sie Jünger machen. Nichts Großes, nichts Außergewöhnliches. Sie gehen einfach, taufen, lehren und gründen dadurch in diesem Inselstaat Gemeinden von einer Küste zur anderen.

Im Grunde genommen legt Platt einfach nur die Aussagen Jesu zum Thema Nachfolge sehr konsequent aus und kommt dann zu Aussagen wie diesen:

Wir werden hier mit einer gefährlichen Wahrheit konfrontiert. Wir müssen alles aufgeben, wenn wir Jesus nachfolgen wollen. […] Aber das wollen wir nicht glauben. Wir haben Angst vor den möglichen Auswirkungen auf unser Leben. Und deshalb interpretieren wir diese Passagen einfach um. „Jesus würde uns nicht wirklich dazu auffordern, unsere Väter nicht zu begraben oder uns nicht von unseren Familien zu verabschieden. Jesus meinte nicht wortwörtlich, dass wir alles verkaufen und es den Armen geben sollten. Was Jesus wirklich meinte, war…“ Und hier müssen wir innehalten, weil wir damit anfangen, das Christentum neu zu definieren. Wir erliegen der gefährlichen Versuchung, den Jesus der Bibel zu nehmen und ihn in eine für uns gewohnte Form zu pressen. Wir machen aus ihm einen netten, gemütlichen Jesus, der nichts gegen Materialismus hat und uns niemals auffordern würde, alles aufzugeben. Einen Jesus, der nicht erwarten würde, dass wir unsere engsten Beziehungen loslassen, damit er all unsere Zuneigung erhält. Einen Jesus, der uns Komfort und Wohlstand verschafft, während wir eine christliche Variante unserer weltlichen Sehnsüchte ausleben. Aber merken wir eigentlich, was wir hier tun? Wir formen Jesus nach unserem Bild! Und dann besteht die Gefahr, dass wir bei den Veranstaltungen in unseren Gemeinden gar nicht den Jesus der Bibel, sondern dass wir stattdessen uns selbst anbeten.

Das Buch vermittelt, wie bereits gesagt, eine biblische Theologie der Nachfolge und ermutigt den Leser, gesunde Theologie (die wir Gott sei Dank immer mehr vermittelt bekommen) mit in das praktische Leben zu nehmen und im Vertrauen auf unseren souveränen und großen Gott für seine Ehre zu kämpfen.

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