Christus allein

Als ich am Kalvarienberg in Bad Tölz die Reformation feierte

Im November des letzten Jahres hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit meiner Frau einen Spaziergang zum wunderschönen Kalvarienberg in Bad Tölz zu machen. Die Aussicht dort ist großartig:

Weil es an diesem Tag zwar sehr schön, aber auch sehr kalt war, machten wir auch einen Abstecher in die Kalvarienbergkirche, die den Abschluss eines liebevoll gestalteten Kreuzweges bildet. Es ist spannend, die vielen Details in der Kirche zu analysieren. Im hinteren Teil der Kirche findet sich eine Treppe, die der „heiligen Stiege in Rom“ nachgebildet ist.

An der Wand gibt es dazu eine Erläuterung, welchem Zweck diese Treppe dienen soll:

„Alle Tag des Jahrs hindurch 100 Tage Ablaß, und 4 mal im Jahr nach belieben alle Gnadenschatz, und vollkommene Ablaß allhier auf ewig auf der heiligen Stieg zu erlangen sind, als wan man die heilige Stiege zu Rom selbst besucht und abgebethet hatt.“

Der Reformationstag und das 500jährige Jubiläum der Reformation lagen noch nicht in weiter Ferne und ich musste daran denken, wie Luther gerade wegen der Ablasslehre die katholische Kirche hinterfragte und zu seiner reformatorischen Erkenntnis gedrängt wurde. Luther bekannte:

„Der Ablaß aber, den die Papstkirche hat und gibt, ist ein lästerlicher Betrug. Nicht allein, weil sie über die allgemeine Vergebung hinaus, die in aller Christenheit durch das Evangelium und Sakrament gegeben wird, eine besondere Vergebung erdichtet und einrichtet und damit die allgemeine Vergebung schändet und entwertet, sondern weil sie auch die Genugtuung für die Sünde stellt und gründet auf Menschenwerk und der Heiligen Verdienst, wo doch allein Christus für uns genug tun kann und genug getan hat.“

Die Ablasslehre und -praxis ist bis heute gültig. Die Lehre der katholischen Kirche ist bis heute eine Lehre, die auf guten Werken aufbaut. Im vorderen Teil der Kirche findet sich ein Buch, in das mancher Pilger ein Gebet schreibt. Viele dieser Gebete bestätigen, dass die Menschen von dem Gedanken geprägt sind, sich Gottes Gnade „verdienen“ zu müssen oder dass Gott sie eher erhören wird, wenn sie ihr Gebet an diesem Ort sprechen, zu dem sie sich aufgemacht haben. Das Denken ist durchtränkt davon, etwas leisten zu müssen, damit Gott das Gebet erhört, segnet oder vergibt.

Ich weiß nicht, ob diese Treppe in der Kalvarienbergkirche von jemandem benutzt wird oder ob jemand sie auch heute noch „abbetet“, aber eins ist mir beim Besuch der Kirche klar geworden: Ich bin dankbar für die Reformation; für den Reichtum und die Befreiung, die in der Erkenntnis liegt, dass wir allein aus Glauben, allein durch Christus gerechtfertigt werden, so wie es in 2. Korinther 5,21 steht:

Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm [zur] Gerechtigkeit Gottes würden.

Wir werden von Gott angenommen, weil wir unsere Hoffnung allein auf diesen Retter setzen. Wir haben Vergebung, weil er bezahlt hat. Es liegt nicht an unserem Wollen und Vollbringen, sondern an Gottes Erbarmen. Er ist unsere Gerechtigkeit, in ihm sind wir gesegnet, wegen ihm erhört Gott unsere Gebete. So, und nur so, ist das Evangelium wirklich frohe Botschaft!

Zum weiteren Lesen empfehle ich den kürzlich von Hanniel veröffentlichten Artikel Moralismus ist nicht das Evangelium.

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