Christus allein

Alister McGrath: J. I. Packer. A Biography

Heute vor genau 27 Jahren, am 22. Februar 1991, trafen sich J. I. Packer und Alister McGrath um 09:40 Uhr um mit dem Bus von Oxford nach Cambridge zu fahren, wo beide (an unterschiedlichen Orten) einen Vortrag zu halten hatten. McGrath erinnert sich recht genau an diese Busfahrt, weil der Gedanke einer Biographie über Packer während dieser Fahrt geboren wurde. In dem 1997 erschienen Werk J. I. Packer. A Biography erzählt McGrath, wie es dazu kam:

Jim began to tell me something of his time in England during the 1960s and 1970s. As we talked, I began to realize that I was listening to the story of modern evangelicalism in the making. What I was being told was the raw material of history – and it was as fascinating as it was important. As we bade each other farewell at Cambridge, I knew that Packer’s biography had to be written. Three weeks later, I approached Hodder & Stoughton with a definite proposal; together, we approached its subject, who agreed to give us every assistance. It has proved to be one of the most rewarding and fulfilling assignments I have ever undertaken.

McGrath beginnt seine Erzählung mit dem schüchternen Schuljungen, der im Alter von sieben Jahren einen Unfall erleidet (welcher ihn von typischen Spielen normaler Schuljungen ausschließt) und Trost im Lesen findet. Weiter geht es nach Oxford, wo Packer studiert und während einer Predigt feststellt, dass er kein Christ ist. Packer ist zu diesem Zeitpunkt bereits mit den Inhalten des Christentums vertraut, hat aber keine persönliche Entscheidung getroffen, Christus nachzufolgen – das tut er am 22. Oktober 1944. Prägend für Packers geistliche Entwicklung ist seine Entdeckung der Puritaner, die ihm helfen, das Heiligungsverständnis der Keswick-Bewegung zu überwinden. 1948 wird Packer für kurze Zeit Tutor am Oak Hill College in London, bevor er 1949 mit dem Theologiestudium an der Wycliffe Hall in Oxford beginnt, wo er auch über Richard Baxter promoviert. 1952 wird Packer Vikar in Birmingham, zwei Jahre später heiratet er Kit Mullett. Packers theologische Ausbildung führt schließlich zu dem Angebot, an der Tyndale Hall in Bristol zu unterrichten, was er auch von 1955-61 tut; während dieser Zeit entstehen seine wichtigen Werke „Fundamentalism“ and the Word of God (1958) und Evangelism and the Sovereignty of God (1961). 1961 wird Packer dann für neun Jahre Vorsteher des Latimer Houses in Oxford um danach wieder an die Tyndale Hall, die aufgrund einer Zusammenlegung von drei Colleges zum Trinity College wird, nach Bristol zurückzukehren; dort entsteht das wohl bekannteste Werk von Packer: der Klassiker Knowing God. Der Weg endet am Regent College in Kanada, an dem Packer 1979 eine ihm angebotene Professur annimmt und auch bis zu seinem 70. Geburtstag im Jahr 1996 bleibt, mit dem McGrath seine Erzählung, gefolgt von einer Einschätzung Packers im Kontext der evangelikalen Welt, abschließt.

Während der bereits erwähnten Busfahrt nach Cambridge stellte Alister McGrath fest, dass J. I. Packer ihm die Geschichte des modernen Evangelikalismus erzählte – das ist auch die Geschichte, die J. I. Packer. A Biography erzählt: Packer gehört – neben Evangelikalen wie John Stott, David Martyn Lloyd-Jones, Francis Schaeffer und Billy Graham – zu den prägenden Figuren des modernen Evangelikalismus. Allerdings handelt es sich bei diesem nicht um eine ausschließlich einheitliche und homogene Bewegung. McGrath verschweigt nicht die Krise von 1966, als während der zweiten National Assembly of Evangelicals, die eigentlich die Einheit unter den Evangelikalen fördern sollte, Martyn Lloyd-Jones bibeltreue Christen dazu aufrief, die Anglikanische Kirche zu verlassen und eigenständige Denominationen zu gründen, worauf sich John Stott genötigt sah, öffentlich zu widersprechen. Packer blieb in der Anglikanischen Kirche, war aber auch bereit mit den unabhängigen evangelikalen Gemeinden zusammenzuarbeiten, zu denen auch Lloyd-Jones gehörte. Der Bruch mit Lloyd-Jones erfolgte im Jahr 1970. Der Grund dafür war Packers Mitwirken an der Schrift Growing Into Union, an der neben einem weiteren Evangelikalen auch zwei Anglo-Katholiken, die sich in ihrem Anliegen theologischer Orthodoxie und dem Bekämpfen des Liberalismus einig waren, mitwirkten. Auch wenn es Packer nicht um eine künstliche Überbrückung theologischer Unterschiede ging, sah Lloyd-Jones darin einen Kompromiss und eine Schwächung evangelikaler Überzeugungen, was zu dem besagten (für Packer, der Lloyd-Jones hochschätzte, überaus schmerzlichen) Bruch führte. Packers Mitwirken bei Evangelicals and Catholics Together (1994) rief bei manchen Evangelikalen ähnliche Kritik hervor.

McGrath nimmt den Leser somit in die Formierung des modernen Evangelikalismus mit hinein und erläutert sehr gut zusammenfassend die notwendigen Kontexte, um die verschiedenen Stationen, Entscheidungen und Kontroversen nachvollziehen und verstehen zu können. McGrath selber fasst Packers Leben folgendermaßen zusammen:

The story which we have told is that of a man who made it his aim to know God, and to help others to know him better. At times, that quest focused on the great issues of theology and spirituality, as Packer wrestled with the massive themes of the Christian gospel, and their application to life. […] At other moments, the issues were much more personal, as Packer struggled with the personal issue of where God wanted him to be, and what he wanted him to do. At several points of major importance, the critical question which Packer found himself facing was quite simply this: what do I do next? At such moments, he felt he had no option but to trust in God’s good providence, and step out in faith. At times, the results were perplexing and distressing; at others, they were enormously fulfilling and rewarding. At times, he found himself at the centre of controversy, sometimes experiencing the pain of arguing with those who were close friends and colleagues. As a public representative of both evangelicalism and “great-tradition Christianity”, Packer has experienced the pain, sadness and bitterness which are so often the lot of those who maintain “theological watchfulness for the sake of the gospel”.

Packers Lieblingspassagen aus der Bibel sind Prediger 12,13-14 und 1. Korinther 15,58. J. I. Packer, der heute 91 Jahre alt ist, kann auf ein reiches Leben und Wirken im Reich Gottes zurückschauen. McGraths Biografie kann ich nur empfehlen, die hier erworben werden kann.

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