Christus allein

Theo:logisch – Rezension

Heutzutage verbindet man mit dem Wort „Glauben“ oft etwas Irrationales, was nicht durch vernünftige Argumente zu belegen ist. Das Buch theo:logisch von William L. Craig verfolgt das Anliegen, mit diesem Missverständnis aufzuräumen und zu zeigen, dass der christliche Glaube durchaus auf vernünftigen Argumenten fußt und keinen Sprung vom Rationalen ins Irrationale erfordert.
Die Besonderheit des Buches ist, dass es sich an Ungläubige richtet und gerade ihnen vernünftige Argumente aufzeigen möchte oder um es mit den Worten des Autors zu sagen: „Dieses Buch soll eine Art Wegweiser sein für diejenigen, die die Wahrheit des Christentums erkunden wollen“ (aus dem Vorwort; S. 9). Der Leser wird herausgefordert mitzudenken und die Argumente auf Logik und Widersprüchlichkeit selbstständig zu prüfen.

Ohne Gott ist das Leben absurd

Im ersten Kapitel zeigt der Autor die Absurdität eines Lebens ohne Gott. Ausgehend davon, dass die Menschen in der westlichen Kultur sich an Gott gewöhnt haben, lädt er den Leser dazu ein, sich das Leben ohne Gott einmal vorzustellen, sich also auf den atheistischen Standpunkt zu begeben und seine Konsequenzen für den Sinn des Lebens, die moralischen Werte und den Lebenszweck zu überdenken.
Dabei gelingt es ihm sehr gut, aufzuzeigen, dass ein solches Leben absurd wäre, weil es objektiv gesehen sinnlos respektive bedeutungslos wäre, weil es keine objektiven Werte gäbe und weil es zwecklos wäre.
Viele Atheisten haben das bereits so gesehen und wurden konsequenterweise zu Nihilisten. Andere haben – und das ist inkonsequent – gefordert, dass jeder Mensch sich subjektiv einen Sinn schaffen sollte, um der Absurdität zu entfliehen. Für einen Lebenssinn und Lebenszweck gibt es aber keine Basis, wenn Gott nicht existiert.

Warum existiert überhaupt etwas?

Im zweiten Kapitel geht es um das kosmologische Argument für Gottes Existenz von Gottfried Wilhelm Leibniz. Dieser deutsche Philosoph, Mathematiker und Logiker beschäftigte sich mit der Frage, warum überhaupt etwas existiere. Er kam zu der Überzeugung, dass die Antwort in Gott liegen muss und nicht in der Schöpfung. Craig stellt das Argument in fünf Prämissen vor und zeigt somit, wie Leibniz zu dieser Überzeugung kam. Für jeden nachvollziehbar zeigt er mögliche Einwände und die Begründungen für die jeweiligen Prämissen und präsentiert das Argument als ein logisch wasserdichtes und somit gutes Argument für Gottes Existenz.

Warum begann das Universum zu existieren?

Im dritten Kapitel geht es um die Frage, warum das Universum zu existieren begann. Hier liefert Craig als Antwort ein kosmologisches Argument aus dem 11. Jahrhundert. Damals meinte man, das Universum wäre ohne Anfang. Dem widersprach Al-Ghazali, ein islamischer Gelehrter, indem er aufzeigte, dass die Dinge der Vergangenheit nicht aktual unendlich sein könnten und das Universum damit einen Anfang haben muss beziehungsweise irgendwann zu existieren begann.
Weil alle Dinge, die irgendwann zu existieren begannen, eine Ursache haben müssen, muss es auch eine Ursache für die Entstehung des Universums geben. Diese Ursache muss in einem enorm mächtigen, unendlichen und persönlichen Schöpfer liegen. Ich habe hier das Argument selbstverständlich verkürzt und sehr vereinfacht angeführt. Craig zieht alleine für die Prämisse „Das Universum begann zu existieren“ zwei philosophische und zwei naturwissenschaftliche Argumente heran. Hier ist man als Laie ganz schön herausgefordert und doch ist die Argumentation nachvollziehbar.

Die Feinabstimmung des Universums weist auf einen intellektuellen Designer hin

Im vierten Kapitel zeigt Craig, dass die Feinabstimmung der Naturkonstanten und die Ausgangsbedingungen, nach denen die Naturkonstanten wirken, die erst ein Leben im Universum und auf der Erde ermöglicht, nicht auf physikalische Notwendigkeit oder Zufall zurückzuführen ist, sondern auf einen transzendenten Designer des Kosmos, der höchst intellektuell sein muss.

Ohne Gott gibt es keine objektive Moral

Im fünften Kapitel greift Craig auf ein moralisches Argument für Gottes Existenz zurück:
Wenn Gott nicht existierte, gäbe es keine objektiven moralischen Werte und Pflichten. Da es objektive moralische Werte und Pflichten gibt, existiert Gott.

Wie kann ein liebender Gott Leid zulassen?

Im sechsten Kapitel geht es um die Leidfrage: Wie kann ein liebender Gott Leid zulassen? Hier finde ich die Herangehensweise des Autors sehr interessant. Während er in den vorangegangenen vier Kapiteln Argumente für Gottes Existenz darlegte, beschäftigt er sich in diesem Kapitel mit den Argumenten, die von Atheisten für die Nichtexistenz Gottes herangezogen werden. Die Beweislast liege hier bei dem Atheisten und nicht bei dem Theisten, so Craig. Er versetzt sich hier in die Sichtweise eines Atheisten und zeigt, wie sie meistens argumentieren. Sehr anschaulich führt er weiter aus, wie man als Christ an das Problem mit dem Leid intellektuell und emotional herangehen kann und kommt zu dem Schluss, dass, obwohl das Leidproblem der größte Einwand gegen Gottes Existenz ist, paradoxerweise Gott die einzige Lösung für dasselbe ist.

Wer ist Jesus Christus?

Hierauf folgen zwei Kapitel, in denen es um zentrale Fragen des Christentums geht:
– Wer ist Jesus / was ist sein Anspruch?
– Ist Jesus von den Toten auferstanden?
Hier macht der Autor zunächst deutlich, dass die Berichte über Jesus im Neuen Testament historisch glaubwürdig sind und von allen seriösen Historikern als zuverlässige Quellen angesehen werden. Daher zieht Craig für die Beantwortung der Fragen immer wieder Bibelabschnitte heran. Diese Kapitel fand ich persönlich sehr fesselnd und einfach zu lesen.
Bei der zweiten Frage führt er verschiedene Hypothesen an, die in der Vergangenheit und Gegenwart zur Erklärung der vorliegenden Indizien (Das Grab ist leer – Jesus erschien seinen Jüngern und anderen – die Jünger waren von der Auferstehung Jesu überzeugt) herangezogen wurden und werden. Dabei zeigt er anhand von 6 Kriterien, wie man verschiedene Hypothesen vergleichen und bewerten kann. Wenn man die Hypothesen anhand der Kriterien vergleicht, muss man feststellen, dass die Überzeugung der Jünger: „Gott hat Jesus auferweckt“ (z.B. in Apg. 3, 15) die beste Erklärung für die Indizien darstellt.

Nachwort

In dem Nachwort erklärt Craig anhand von vier Wahrheiten kurz und präzise das Evangelium:
„Wahrheit 1: Gott liebt Sie und schuf Sie mit dem Ziel, dass Sie ihn persönlich kennenlernen.“ (S. 277)
„Wahrheit 2: Der Mensch ist sündig und von Gott getrennt. Daher ist seine Beziehung zu Gott zerstört.“ (S. 281)
„Wahrheit 3: Jesus Christus ist Gottes Lösung für die Sünde des Menschen. Durch ihn wird die Beziehung zu Gott erneuert.“ (S. 284)
„Wahrheit 4: Wir müssen Jesus Christus als unseren Retter und Herrn empfangen; dann können wir Gott persönlich kennenlernen.“ (S. 286)
Diese Wahrheiten erklärt er sehr anschaulich und fordert den Leser auf, Jesus als Herrn und Retter anzunehmen. Nachdem er ein Beispielgebet anführt, gibt er noch einige wertvolle Ratschläge für junge Christen.

Fazit

Die Kernaussagen des Buches, die ja größtenteils philosophischer Art sind, entsprechen der allgemeinen biblischen Lehre. Das Buch ist sehr anschaulich und interessant geschrieben.

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