Christus allein

Hat die Gnade eine Chance?

Geistlicher Missbrauch in christlichen Gemeinden ist ein verbreitetes Phänomen. David Johnson und Jeff van Vonderen definieren diese Art des Missbrauchs folgendermaßen: Geistlicher Missbrauch ist der falsche Umgang mit einem Menschen, der Hilfe, Unterstützung oder geistliche Stärkung braucht, mit dem Ergebnis, dass dieser betreffende Mensch in seinem geistlichen Leben geschwächt und behindert wird. Ein System geistlichen Missbrauchs zu erkennen kann häufig sehr schmerzhaft sein und in einigen Fällen zur Entfremdung von nahestehenden Geschwistern führen. Was aber

Wenn die Bibel missbraucht wird

In einem System, das geistlichen Missbrauch betreibt, demonstrieren die Leiter durch das Zitieren der Bibel ihre „Macht“. Das Motiv ist, die Menschen zu religiösem Verhalten zu animieren, um die Bedürfnisse der Führenden zu befriedigen, um zu „beweisen“, dass ihre Theologie richtig ist. Auch hier ist das Motiv nicht, den ihnen anvertrauten Menschen zu helfen oder mit Gott zusammenzuarbeiten, um das, was immer er im persönlichen Leben der Menschen erreichen möchte, zu verwirklichen. Abgesehen von der

Wenn Lehre zum Götzen wird

Wann immer wir Dinge, die nur Gott uns geben kann, von einer anderen Stelle erwarten, haben wir es mit einem Götzen zu tun. Innerhalb religiöser Gemeinschaften können bestimmte Lehren einen solchen Absolutheitsanspruch erheben, dass sie zu falschen Göttern werden. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Menschen sich mehr auf ihre Glaubenslehren verlassen, wenn es um ihre Errettung geht, als auf Gott selbst und seine Gnade. Das ist zwar nur ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Bevor du „content“ über WhatsApp losschickst…

… oder auch über Facebook, Twitter, Instagram und wie sie alle heißen mögen – Folgende Fragen können eine Hilfe sein: Wird es letztendlich Gott verherrlichen oder mich? Wird es gesunde Zuneigung zu Christus wecken oder dämpfen? Wird es lediglich dokumentieren, dass ich etwas weiß, was andere nicht wissen? Wird es mich verfälscht darstellen oder authentisch? Wird es potentiell den Neid anderer hervorrufen? Wird es Einheit fördern oder unnötige Spaltung schüren? Wird es aufbauen oder niederreißen?

Der Herr der Ringe: Was ich von der neuen Amazon-Serie erwarte

Mit einer Mischung aus Neugier, Spannung und Unbehagen habe ich mir vor einigen Jahren um Weihnachten herum erstmalig den „Hobbit“ von J.R.R. Tolkien zur Lektüre vorgenommen. Durch meinen Hintergrund her waren mir die mythischen Welten des englischen Schriftstellers eher fremd und erschienen mir gefährlich. Ich erinnere mich sogar daran, dass ich kurz vor meinem ersten Blick in die Werke Tolkiens einen guten Freund vor dem Lesen gewarnt hatte. Doch am Ende siegten meine Neugier und

Jan Hus – Der böhmische Reformator

Vor etwa einem Jahr durfte ich einen Vortrag zum Vorreformator Johannes (kurz Jan) Hus halten und den Inhalt anschließend in einem Artikel für die Jugendzeitschrift unserer Gemeinde zusammenfassen; diesen möchte ich in etwas abgeänderter Fassung hier wiedergeben: Sein Lebenslauf Johannes Hus wurde um 1370 herum geboren (eine genaue Datierung ist heute nicht mehr möglich). Nach seiner Herkunft, nämlich dem Dorf Husinec, bekam er den Nachnamen Hus. Etwa um 1390 ging er als Student der Philosophie

Wie dein Smartphone dich verändert (Tony Reinke)

Seit einiger Zeit lese ich das in 2018 in Deutsch erschienene Buch Wie dein Smartphone dich verändert. 12 Dinge, die Christen alarmieren sollten. Reinke macht die Ausgangslage für dieses Buch mit einem Zitat des Theologen David Wells aus einem persönlichen Gespräch deutlich: Es gibt wohl keinen Zweifel, dass unser Leben hochgradig zerstreuter ist, wenn wir mit Klingeln, Vibrieren, Piepsen und Textbotschaften bombardiert werden. Wir leben tatsächlich mit einem virtuellen Paralleluniversum, einem Universum, das unsere ganze

Sola Scriptura und Älteste: Eine Frage der Autorität

Mit dem erstmalig 1520 von Luther formulierten „Schriftprinzip“ wandte sich der Reformator explizit gegen die der Bibel gleichrangig gestellte Autorität der katholischen Kirchenobrigkeit. Damit einhergehend vertraten die Reformatoren das Priestertum aller Gläubigen: Jeder einzelne Christ steht ohne Zwischeninstanz, also unmittelbar vor Gott und genießt unter anderem das Recht, die Bibel selbstständig zu lesen und zu interpretieren. Doch damit entsteht auch eine Spannung: Einerseits berichtet die Bibel in positiver Weise von Christen, die alles was sie

Persönliche Reformation

In der letzten Woche haben mich sechs persönliche Berichte sehr gefreut, die ich auf dem Blog von Hanniel Strebel lesen konnte. Und zwar berichteten die Blogger von Flowing Waters, wie sie die „Lehren der Gnade“ schätzen und lieben lernten. Mich freuten die Beträge auch deshalb, weil sie ein Stück weit mein Leben widerspiegeln. So heißt es z. B.: Für mich schien es immer selbstverständlich, dass jeder Mensch in seinen Entscheidungen absolut frei ist und es

Die Christian Reading Challenge: Eine Wasserstandsmeldung

Ende 2017 habe ich die Reading Challenge vorgestellt, bei der es darum geht, sich innerhalb eines Jahres durch eine vorher festgelegte Anzahl an Büchern zu lesen. Es gibt vier Stufen; je nach Schwierigkeitsgrad können zwischen 13 und 52 Bücher in einem Jahr auf der Agenda stehen. Wie ist der aktuelle Stand? Zunächst habe ich mit mehreren Interessenten eine Gruppe gegründet: Wir alle (neun Personen) haben uns 13 Bücher für das Jahr vorgenommen und wollen uns