Christus allein

1. Mose als polemisches Traktat

Ich habe gestern einer Vorlesung zu 1. Mose mit Kai Soltau beiwohnen dürfen. Er betonte, dass das Buch nicht als wissenschaftliches Werk, dass z.B. der Frage nach der Schöpfung nachgeht, zu verstehen sei. Vielmehr stellt es ein polemisches Traktat dar. Mose stellt den verschiedenen Weltanschauungen bzw. mythischen Vorstellungen des alten vorderen Orients (Zeitraum: ca. 3000-2000 v.C.) den Glauben an den lebendigen Gott gegenüber. Dabei zeigt er deutliche Unterschiede auf. In Anlehnung an D. A. Carsons „The

Matthew Henry zu Hebräer 13,17

„Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen – und dafür müssen sie Rechenschaft geben -, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch. “ – Hebräer 13,17 Matthew Henry ist ein fundierter und gern zitierter Bibelkommentator. Er bemerkt zu dieser Stelle: … the apostle tells us what is the duty that people owe to their living ministers […] The duty—to obey them,

„Wie heißt du?“

Bibelleser kennen die Begebenheit aus Jakobs Leben, wo er mit Gott ringt und einen Segen verlangt (1. Mose 32). Ravi Zacharias weist auf eine interessante Lektion hin, die dieser Abschnitt enthält. So habe ich das noch nicht gesehen: Gottes Absicht mit dieser Fragestellung enthält eine Lektion für uns alle, die zu tiefgreifend ist, um sie zu ignorieren. […] Durch seine Bitte um Gottes Segen wird Jakob durch Gottes Frage gezwungen, erneut die Zeit zu durchleben,

Allgemeine Offenbarung: Konsequenzen für das missionarische Gespräch

Kürzlich habe ich der großartigen Vorlesung „Allgemeine Offenbarung“ von Thomas K. Johnson am Martin-Bucer-Seminar beiwohnen dürfen. Johnson entwickelte auf Grundlage von Römer 1,16 – 2,5 die Erkenntnis, dass Gott sich einem jeden Menschen in einem gewissen Sinn bereits offenbart hat. Jeder Mensch weiß schöpfungsbedingt, obwohl er es unterdrückt, dass er in einem Konflikt mit Gott steht und dass Gott seinen Zorn bereits jetzt täglich über den Menschen ergehen lässt. Jeder Mensch weiß auch um Gottes

Die Areopagspredigt des Paulus

Im 17. Kapitel der Apostelgeschichte wird von der Predigt des Apostels Paulus auf dem Areopag berichtet. Paulus predigt im heidnischen Athen, wobei seine Vorgehensweise sehr interessant ist. Mir sind drei Dinge aufgefallen, die wir von Paulus lernen sollten: (1) Paulus holt die Leute da ab, wo sie sind. Es ist interessant zu beobachten, dass Paulus im Gespräch mit Juden immer durch die Schriften beweist, dass Jesus der Christus ist. Da Paulus in Athen nicht zu

Gemeinsames Leben (5): Morgenandacht – das Psalmengebet

Laut Bonhoeffer enthält jede Andacht, auch am Morgen, drei Elemente: Zu jeder gemeinsamen Andacht gehört das Wort der Schrift, das Lied der Kirche und das Gebet der Gemeinschaft. (S. 38) Das Gebet verbindet Bonhoeffer dabei sehr eng mit den Psalmen. Er weist darauf hin, dass die Bibel dazu ermutigt, untereinander in Psalmen zu reden. Er führt daneben als weiteres Argument an, dass dem Psalmengebet in der Kirche bereits von alters her Bedeutung große beigemessen wurde. Im Gegensatz

Das Gebot der Liebe

Wenn man in Gespräche oder in Diskussionen über komplexe Weltanschauungen und Lehren verwickelt ist und dabei sehr weit ins Detail geht, kann es sein, dass man irgendwann einhält und fragt: „Worum geht es hier eigentlich wirklich?“ Der christliche Glaube ist unendlich reich und vielseitig und man sollte sich immer wieder in seine Lehren versenken, sich hineinlesen und auch kleinste Details genau untersuchen. Ich möchte an dieser Stelle aber kurz der obigen Frage nachgehen: „Worum geht

Das Motiv unseres Dienstes: Anerkennung und Macht?

Letzte Woche hatte ich die Möglichkeit, während einer langen Autofahrt eine Karfreitagspredigt von Tim Keller über Philipper 2,1-11 zu hören (Imitating the Inkarnation). 3 Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. 4 Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen. 5 Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, 6 der, als er in der Gestalt

Timothy Keller: JESUS – Seine Geschichte – unsere Geschichte

Nachdem ich Tim Kellers „Warum Gott“ beendet hatte, habe ich mich seinem Jesus-Buch zugewandt: „JESUS – Seine Geschichte – unsere Geschichte“. Ich habe auf die (damalige) Neuerscheinung bereits hier hingewiesen, kann das Buch an dieser Stelle allerdings noch einmal persönlich empfehlen. Tim Keller rollt in seinem Buch die Geschichte von Jesus Christus anhand des Markus-Evangeliums auf. Das Buch basiert auf von Keller gehaltenen Predigtserien, die für dieses Werk „verschriftlicht“ und „aufpoliert“ wurden. Das Buch ist

Was wir von Francis Schaeffer lernen können (13): Gebrauche deine Vernunft zu Gottes Ehre

Für viele Gläubige klingt das Wort „Vernunft“ bzw. „Verstand“ nach Sünde. Schließlich macht doch Paulus auch im Römerbrief 1,20-23 klar, „dass der Abfall des Menschen von Gott in seinem Denken beginnt“. Ist die Vernunft also böse? Hierauf muss ein deutliches Nein gegeben werden, denn „die Boshaftigkeit bezieht sich nicht auf die Formen des Denkens (z.B. die Logik), sondern auf die Denkvoraussetzungen und Inhalte. […] Wir neigen dazu, den Bericht über den Sündenfall so zu deuten, als