Der Pfad des Gehorsams

Ein weiterer Beitrag zu unserem Lieblingsthema: Müssen wir aktiv werden oder passiv auf Gottes Eingreifen warten? J.C. Ryle schreibt folgendes dazu, wenn auch in anderem Zusammenhang:

„Ich weiß, dass du dein Kind nicht bekehren kannst. Ich weiß gut, dass die, die wiedergeboren werden, nicht aus dem Willen des Mannes geboren werden, sondern aus Gott. Aber ich weiß auch, dass Gott deutlich sagt: ‚Erziehe den Knaben seinem Weg gemäß‘ und dass er den Menschen nie ein Gebot auferlegt, zu dem er nicht Gnade gibt, es zu befolgen. Und ich weiß auch, dass unsere Pflicht nicht ist, still zu sitzen und zu diskutieren, sondern vorwärts zu gehen und zu gehorchen. Der Pfad des Gehorsams ist der Weg, den er segnet. Wir müssen nur das tun, was den Dienern bei der Hochzeit zu Kana geboten wurde: die Wasserkrüge füllen – dann können wir es ruhig dem Herrn überlassen, Wasser in Wein zu verwandeln.“ (in: Die Pflichten der Eltern. Grundregeln biblischer Erziehung, Betanien 2010, S. 21f. Das Buch, das ich bislang für eins der wenigen wirklich lesenswerten Erziehungsbücher halte, ist hier zu erwerben)

Ryle spricht in dem Abschnitt über die Bedeutung der Erziehung. Er versucht deutlich zu machen, dass man sich auf gar keinen Fall nach dem Motto ‚Ich kann mein Kind ja sowieso nicht bekehren‘ zurücklehnen, sondern seine Erziehungsaufgabe wahrnehmen soll. In dem Zusammenhang folgt dann dieses Zitat. Für Ryle ist also klar, dass Gottes Souveränität immer die Grundlage sein muss – aber ihn führt dies, und das macht das Zitat so deutlich, nicht in die Tatenlosigkeit, sondern vielmehr auf den Pfad des Gehorsams. Möge der Herr uns gehorsame Herzen schenken, damit unser Glaube in der Tat sichtbar sei! (Ich finde in diesem Zusammenhang das Wort Glaubensgehorsam sehr interessant)

Der Fels aus Norwegen (2): Zeiten der Erweckung

In dem Kapitel „Eine Erweckung zieht Kreise“ wird beschrieben, wie Hallesby von 1904 bis 1907 als Evangelist durch viele Orte Norwegens zieht und das Evangelium verkündigt. In diesen Jahren finden überall in Norwegen und Schweden große Evangelisationsveranstaltungen statt und massenweise strömen Leute dorthin und werden „erweckt“. Hallesby führt allein in einem Jahr 300 Veranstaltungen durch. Selbst die Hauptstädte Norwegens und Schwedens werden von der Bewegung erfasst:

„Nach zwei Evangelisationswochen in Stockholm „ist der Zustrom so überwältigend gewesen, daß man die Polizei benötigte, um einen geordneten Ablauf zu gewährleisten.“ (S. 68)

Bei der Beschreibung dieser Erweckungsbewegung war ich skeptisch – das hörte sich alles so nach Strohfeuer an. Und so wunderte es mich nicht, als ich auf folgende Zeilen stieß:

„In mehreren Dörfern muß er [Hallesby] mit Schrecken feststellen, daß viele der ‚Erweckten‘ wieder in ihr altes Leben zurückgefallen sind.“ (S. 69)

Hallesby unterscheidet deshalb stets „deutlich zwischen ‚erweckt sein‘ und ‚umgewendet (bekehrt) sein‘.“ Ich finde diese Unterscheidung sehr hilfreich. Das biblische Beispiel dafür wäre Nikodemus, der zu Jesus kommt (erweckt ist) aber noch nicht wiedergeboren (bekehrt) ist. In der Praxis bedeutet es für Hallesby, einen Suchenden auch wieder nach Hause schicken zu können, wenn er merkt, dass dieser sein altes Leben noch nicht loslassen will.
Das zweite was mir auffiel, dass die Predigten extrem stark von der subjektiven Erfahrung durchdrungen waren. Auch Hallesbys Predigten bestanden zunächst im Grunde nur darin, seine eigene Bekehrung zu schildern. Doch die oben angeführten negativen Erfahrungen lehren ihn, seine Predigten nach und nach anders zu gestalten, sodass er „in seinen Predigten immer seltener von seiner eigene Bekehrung“ spricht. Vielmehr weiß er:

„Auch die frömmsten Erfahrungen des Verkündigers können nicht Grundlage einer überzeugenden Predigt sein. Der Prediger muß vielmehr stets bedenken, daß die Schrift selbst zu dem Gewissen der suchenden Menschen redet und daß nichts als Gottes Wort – klar und unverfälscht – im Mittelpunkt stehen darf.“

Selbst die besten Zeugnisse (auch wenn sie wichtig sind!) können also nicht Grundlage einer Erweckung sein – sondern es ist die Predigt des Wortes Gottes!

Der Fels aus Norwegen (1): Schrift und Erfahrung

Hallesbys Heimatort Aremark

Ich habe angefangen, die Biografie von Ole Hallesby (Der Fels aus Norwegen, Hänssler 1991) zu lesen. Ich bin gefesselt. Einerseits bereits aus dem einfachen Grund, dass es ein Genuss ist, die Beschreibung der schönen Landschaft Norwegens zu lesen und sich gedanklich dorthin zu versetzen. Andererseits weil ich bei Hallesby eine starke Ausgewogenheit zwischen Kopf und Herz finde. In der von Joachim und Manfred Rieger übersetzten Biografie heißt es über Hallesby:

„In seiner Theologie verband er die Treue zur Schrift und Bekenntnis mit der Betonung der Notwendigkeit einer persönlichen Glaubenserfahrung: Schrift und Erfahrung sind dann kein Gegensatz, wenn der wiedergeborene Mensch nach Gottes Willen lebt.“ (S. 17)

Gerade den letzten Satz finde ich sehr stark. Darum gilt es zu ringen: Dass ein kühler Kopf und ein brennendes Herz Hand in Hand gehen!

Das Buch kann hier erworben werden (gebraucht bereits ab 10,90 EUR). Es ist außerdem in der Gemeindebibliothek verfügbar.

Die Sehnsucht nach einem Sieger

Anlässlich des Jubels um den NBA-Triumph von Dirk Nowitzki ertappte ich mich selbst dabei, diesem Helden – wenn auch nur im Stillen – meine Verehrung zu zollen. Woher kommen solche Emotionen? Ich glaube, es deutet uns wieder einmal auf die Tatsache hin, dass der Mensch per Definition jemanden verehrt. Wir begehren danach, einen Sieger zu verehren. Schade, wenn es nur Sportler sind, deren Ruhm schon bald wieder verblassen wird. In diesem Zusammenhang fiel mir auch folgendes Bonhoeffer-Zitat wieder ein:

Wir sprechen in unserem Leben nicht gern von Siegen. Es ist ein zu großes Wort für uns. Wir haben in unserem Leben zu viele Niederlagen erlitten; zu viele schwache Stunden, zu viele grobe Sünden haben den Sieg immer wieder zunichte gemacht. Aber, nicht wahr, der Geist in uns sehnt sich nach diesem Wort, nach endlichem Sieg über die Sünde, über die bange Todesfurcht in unserem Leben. Und nun sagt uns Gottes Wort auch nichts von unserem Sieg, es verspricht uns nicht, dass von nun an wir siegen werden über Sünde und Tod, aber es spricht mit aller Macht davon, dass einer diesen Sieg errungen hat und dass dieser, wenn wir ihn zum Herrn haben, auch über uns den Sieg erringen wird. Nicht wir siegen, aber Jesus siegt.

Daher stammt unser Sehnen nach einem Sieger! Wohl dem, der Jesus kennt.

aus: Bonhoeffer, ausgewählte Werke, Bd. 4: aus einer Predigt zum Abendmahl am 26.11.1939 über 1. Kor. 15,55 – „Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“

Die erweckliche Predigt

Wilhelm Busch äußerte sich in seinen „Plaudereien“ über den „Erfolg“ in der Evangelisation der sogenannten Erweckungsprediger (Krummacher, Spurgeon, etc.) folgendermaßen:

Die Botschaft von Römer 3 ist seit der Reformation viel gepredigt worden. Aber je länger, je mehr wurde solche Predigt unaktuell, trocken, lehrhaft. Sie versenkte die Gemeinde in Schlaf. Und nun machte ich die Entdeckung: Die Erweckungsprediger verkündeten die freie Gnade Gottes für Sünder niemals so, dass die Menschen in eine trübe Sicherheit gerieten. Es geschah vielmehr das Eigentümliche, dass der Mensch durch die Predigt von dem, was Gott für ihn getan hat, im Gewissen getroffen und erweckt wurde, dass er aufstand und umkehrte. So entstand lebendige Gemeinde. Es wurde mir deutlich, dass wir viel mehr bei diesen von Gott legitimierten Predigern in die Schule gehen müssten. Ich bin gewiss, die Kirche steht und fällt mit ihrer Predigt(!). Und ich bin überzeugt, dass darin die eigentliche Aufgabe unserer Predigt besteht: Die Rechtfertigung „erwecklich“ zu predigen. Das gilt ebenso für unsere Predigten, wie für die besondere Verkündigung der Evangelisation, die trotz mancher Veränderung der Zeiten auch heute noch ihre Bedeutung hat. Ein Leben lang habe ich mich darum gemüht. Dabei bin ich Schüler geblieben bis zu diesem Tag. Es gab Gottesdienste, in denen ich mich geradezu entschuldigte, dass ich so unaktuell predigen müsse. Aber ich habe erleben dürfen, dass solche Predigt Bewegung schafft. Es stellte sich heraus, dass die Predigt vom Kreuz in der Tat hochaktuell ist. Wenn vom „Frieden mit Gott“ gepredigt wird, entdeckt der Mensch, was ihm fehlt und woher all seine Nöte kommen. Ich lernte Paulus verstehen: „…dass ich nichts wüsste als Jesusm Christum, den Gekreuzigten.“