Wenn Sünder sich das Ja-Wort geben (5): Fahrübungen für eine gesegnete Ehe

Im vierten Kapitel geht Harvey auf die Frage ein, wie man in einer Ehe Gottes Gnade wirksam werden lassen kann. Er bedient sich dazu des Vergleichs mit einer Autofahrt. Es geht nicht nur darum, hinter dem Lenkrad zu sitzen, sondern den Gang einzulegen und zu starten. Aber wie kann das geschehen?

„Biblisch gesprochen bedeutet „theologisch den Gang einlegen“ in die Straße der Weisheit einzubiegen. In der Bibel ist die Weisheit kein mystisches Wissen oder einfach eine Art Überlebenskunst. Sie ist das Leben und die Entscheidung eines Menschen, der auf die richtige Art und Weise mit Gott verbunden ist. Es ist die Anwendung dessen, was wir als Wahr erkannt haben. […] Weisheit bezüglich unserer Ehe findet man also nicht bei Ratgebern oder in Erfolgsrezepten. Man findet sie, indem man seinen Glauben „in die Gänge bringt“ und dann die Straße der Weisheit mit Gott am Steuer entlangfährt.“

Doch für einen Fahranfänger wird es nicht so leicht sein, beim ersten Mal sauber zu fahren, ohne den Motor abzuwürgen. Harvey zeigt deshalb vier Straßen, in denen man üben kann nach und nach in die höheren Gänge zu schalten. Wenn wir auf diesen Straßen sicher fahren lernen, ist Harvey überzeugt, wird unsere Ehe ein großer Segen.

1. Erster Gang: In Demut – Misstraue dir selbst

„Es ist sehr wichtig, dass wir als Christen sehr skeptisch sein sollten, uns als gerecht hinzustelen. Wir vertrauen doch allein auf Christus und auf Sein Verdienst. Wahre Demut bedeutet, zuversichtlich aus der Gerechtigkeit Christi zu leben, aber der eigenen gegenüber misstrauisch zu sein. […] Es mag dich schockieren, aber wir sollten misstrauisch sein… nicht nur in besonderen Fällen, sondern beständig, und das wurzeltief. Ich sollte, als der schlimmste Sünder, in den täglichen Konfliktsituationen meiner Ehe vorwiegend und regelmäßig mir selbst gegenüber misstrauisch sein. Das bedeutet zwei Dinge zugeben: Mein Herz spielt eine wichtige Rolle in meinem Verhalten und neigt ständig dazu, sich Gott und Seinen Wegen zu wiedersetzen. Wahrscheinlich musst du auf diesem Gebiet sehr üben; denn die Demut eines gesunden Selbstmisstrauens kommt nicht von allein. Sie ist eine Nebenstraße, die nicht sehr häufig befahren wird. Umso besser kannst du auf ihr üben. […] Viele Eheprobleme könnten gelöst werden, wenn Mann und Frau wirklich so lebten, als ob sie „Sünder“ wären, die sich das Ja-Wort gegeben haben. Sünder die demütig sind, lernen mit der Zeit immer merh über ihr Herz. Auf diese Art und Weise entdecken sie, was wirklich abläuft, dass nämlich das Betonen ihrer eigenen Gerechtigkeit die Wahrheit des Evangeliums untergräbt.“

2. Zweiter Gang: In Aufrichtigkeit – Überprüfe dich selbst

„Wir wollen unsere Eheprobleme oft lösen, indem wir unsere Ehepartner „in Ordnung bringen“. […] Die Bibel gibt uns keine Erlaubnis, die Sünde unseres Ehepartners zu einer Angelegenheit höchster Priorität zu erheben.  Hier muss ich erheblich langsamer werden, demütiges Selbstmisstrauen üben und mein eigenes Herz zuerst inspizieren. Schau dir an, was Christus dazu sagt, wie wir der Sünde begegnen sollen.
Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen! — und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen! (Matthäus 7,3-5)

Jesus verwendet das Bild vom Balken und Splitter, um aufzuzeigen, dass diese Herangehensweise falsch, ineffektiv (gelinde gesagt) und absurd ist. Wenn unser Ziel ist, die Sünde eines anderen anzusprechen, dann erklärt Jesus, dass uns unsere eigene Sünde zuerst bedrohlich groß werden muss. Das sollte uns mit Abstand das wichtigere und bedeutsamere Anliegen sein. […] Jesus geht es hier nicht darum, wer in einer bestimmten Situation schuldiger ist. Seine Betonung liegt auf deinem Blickwinkel, was du als offensichtliche Tatsache empfindest, sobald es um Sünde geht. Er fordert dazu auf, die Betrachtung des Vorganges bei sich selbst zu beginnen. Wenn wir bedenken, wer wir im Vergleich zu Gott sind und welche Sünde uns noch innewohnt, dann handelt es sich um nichts anderes als um eine normale Grundanständigkeit, zuerst über die eigene Sünde nachzudenken, bevor man sich um die Sünde seines Ehepartners kümmert. Weisheit verbindet Aufrichtigkeit auf einfache Weise mit Demut. Wenn du dir selbst misstraust (Demut), dann inspizierst du dich selbst zuerst (Ehrlichkeit).

3. Dritter Gang: Gib zu, dass Umstände lediglich existierende Sünde offenbaren

Im dritten Gang geht Harvey zuerst darauf ein, dass Offenheit heutzutage als eine der wichigsten Eigenschaften einer Ehe gilt. Und diese Offenheit wird dann als Freibrief dafür genommen, sich verbal darüber abzuladen, was man fühlt und dass im Namen der „emotionalen Ehrlichkeit“. Diese Art und Weise würde aber in der Praxis eher Schmerz und Verletzungen verursachen als zu helfen. Harvey weist darauf hin, dass das Problem nicht die Offenheit an sich ist, sondern das Ziel, welches mit den  „ehrlichen Worten“ verfolgt wird.

„Nachdem ich zum Glauben an Jesus Christus kam und bevor ich heiratete, bildete ich mir ein, dass ich geistlich gesehen reif wäre. Meine Heiligkeit war weitgehend eingebildet. […] Die seltenen Betrachtungen meines Herzens ergaben kaum Anlass zur Verbesserung. […] Ich war quasi ein Paradebeispiel eines Menschen, der dringend eine „Lehre von der Sünde“ brauchte. Und dann geschah es. Ich heiratete und wurde zu jemandem, der die Schuld auf andere schiebt. […] Ich sehe natürlich die Ursache dafür, warum ich immer zur Schuldzuweisung neige, in meiner Verwandschaft: Adam hat doch damit angefangen. „Ja, Herr, es liegt an dieser Frau die Du mir gegeben hast“ (frei zitiert nach 1. Mose 3, 12). […] Solche Gedanken werfen uns – wie schon Adam vor langer Zeit – in die Kloake der Selbstrechtfertigung. Wenn wir versuchen uns zu rechtfertigen, dann leugnen wir unsere Schuld gegenüber Gott. Aber das ist vergeblich. Die Schuld auf andere zu schieben, wird manche Menschen eine Zeit lang täuschen können, Gott jedoch wird es nie täuschen. Schuld abschieben bedeutet, dass ich davon ausgehe, dass mein Ehepartner beziehungsweise die Ehepartnerin die Konflikte verursacht (denn die einzige Ursache ist Sünde). Ich schiebe die Schuld also auf einen anderen, obwohl ich von der Bibel her weiß, dass ich schuld bin. Und trotzdem will ich jemand anderen davon überzeugen, dass ich es nicht bin. […] Dich deinem Ehepartner zu schenken, war eine strategische Entcheidung eines weisen und dich liebenden Gottes. Er, beziehungsweise Sie, wurde von Ihm für dich ausgewählt. Dein Ehepartner ist ein wesentlicher Bestandteil des Rettungsplanes, den Gott für dich bereitet hat.“

Harvey sagt, das die Ehepartner häufig die Rolle spielen, sich gegenseitig zu erhitzen sodass der Gegenüber aufgebracht wird und die Sünde seines Herzens offenbar wird durch den Zorn, Ärger usw., der dann hervorbricht. Wenn wir weise und klug sind, werden wir jedoch erkennen, dass Gott dahintersteckt. Er sendet Menschen und Umstände, die dafür sorgen, dass uns unser innerer Zustand bekannt wird, damit die Sünde durch Gnade und Veränderung überwunden werden kann.

4. Vierter Gang: Schau auf die Gnade, nicht auf unerfüllte Bedürfnisse

Wenn man Ehe-Experten fragt, so ist der häufigste Grund für Eheprobleme, dass der Ehepartner einem nicht das gibt, was man braucht.

„Im 21. Jahrhundert werden wird die Ehe als Antwort der Natur auf unsere emotionalen Defizite angepriesen. Leider plappert die Kirche diese Dogma nur allzu oft nach, lediglich in einer christlichen Version.“

Nach biblischen Aussagen sind es aber nicht die unerfüllten Bedürfnisse. Harvey weist uns darauf hin, dass laut Jakobus die unbefriedigten Lüste das Problem sind:

„Woher kommen die Kämpfe und die Streitigkeiten unter euch? Kommen sie nicht von den Lüsten, die in euren Gliedern streiten? Ihr seid begehrlich und habt es nicht, ihr mordet und neidet und könnt es doch nicht erlangen; ihr streitet und kämpft, doch ihr habt es nicht, weil ihr nicht bittet.

(Jakobus 4,1-2)“

Unsere letzte Auseinandersetzungen wurde also nicht durch unerfüllte Bedürfnisse verursacht, sondern von Begierden und Leidenschaften, die in uns toben. Harvey erwähnt, dass die Bibel zwar legitime Bedürfnisse kennt, sie aber auch Leidenschaft und Lust nennt, wenn ich sie sündhaft durchsetzen will.

„Wenn mein Verlangen so stark ist, dass ich nach Erfüllung meiner Bedürfnisse quengele, dann ist die Sünde bereits offenbar. Dann liegt das Problem ganz bei mir. Der Umstand, dass meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden, erhitzt meinen „Motor“, und es kommt Böses heraus.
In wenigen Sätzen verschiebt Jakobus gekonnt unser gesamtes Denkmuster von etwas, das uns fehlt (ein unerfülltes Bedürfnis), auf etwas, das wir tun (etwas leidenschaftlich begehren, das wir nicht bekommen). Unter der Oberfläche unserer unerfüllten Bedürfnisse schlummern Ansprüche, auf die wir pochen. Auf diese Art ist Gott nicht bereit, unsere Bedürfnisse zu stillen. Wir „begehren und haben nicht“.“

Harvey legt unser Augenmerk darauf, dass die Sünde im Herzen schon immer vorhanden ist. Ich bin es nicht, der die Sünde in meinem Ehepartner verursacht. Ich kann durch meine Worte oder mein Verhalten meinen Ehepartner wohl dazu bringen in einen Konflikt mit mir zu treten oder einen bereits bestehenden eskalieren zu lassen. Aber die Sünde, die aus dem Herzen des Ehepartners hervorbricht, war schon immer dort.

„Bedürfnisse sind nichts Falsches, wir alle haben sie. Sie existieren um uns täglich daran zu erinnern, dass wir als abhängige Wesen geschaffen wurden, die Gott und Seine Versorgung für ihr Leben unbedingt brauchen. Aber für eine gesunde Ehe ist es grundlegend wichtig, zwischen echten Bedürfnissen und Lüsten, die von einer geniesserischen Kultur erschaffen wurden, zu unterscheiden. […] Es ist nichts Falsches daran, angebrachte Dinge wie Respekt oder Zuneigung von unserem Ehepartner zu erwarten. Aber es ist sehr verführerisch, seine Ansprüche dadurch zu rechtfertigen, dass man sie als Notwendigkeiten betrachtet, und dann den anderen bestraft, wenn diese nicht erfüllt werden. Eine Ehe, die auf Bedürfnissen aufbaut, zeugt nicht von Gottes Herrlichkeit; sie konzentriert sich auf persönliche Ansprüche, die gegenseitig um die Vormachtstellung kämpfen. Zwei Menschen, die damit beschäftigt sind, einander zu manipulieren, um so die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, können ihre Ehe leicht auf die Straße der „unüberbrückbaren Differenzen“ manövrieren. Dies ist die von unserer Kultur entwickelte Sprachregelung. Sie drückt aus, dass eine Ehe nicht länger das Gewicht der Forderungen, die als Notwendigkeiten verstanden werden, ertragen kann.“

Die Strecke der unerfüllten Bedürfnisse führt ins Niergendwo. Es ist ein einsamer Streckeabschnitt der nur noch zu mehr von mir führt, schlimmer als eine Sackgasse denn es ist ein Kreis, der niemals endet.

„Aber Sünder, die dich das Ja-Wort geben, fahren auf einer anderen Straße. Es ist die Straße erstaunlicher, unverdienter Gnade – Gnade, die deshalb so bemerkenswert ist, weil sie uns zuerst das Problem vor Augen führt und dann die Lösung bietet. Bist du schon einmal eine landwirtschaftlich so schöne Straße entlanggefahren, dass du kaum aufhören konntest, städig den Kopf von einem schönen Anblick zum nächsten zu drehen? So ist die Straße unverdienter Gnade. Sie ist so schön, weil all unsere waren Bedürfnisse auf atemberaubende Weise von Jesus erfüllt werden. Aber es ist eine Straße voller Überraschungen, weil wir sie im Bewusstsein unserer Sünde und im Licht des Kreuzes entlangfahren.
Also Anschnallen und den Gang einlegen!“

VD: DB

Wenn Sünder sich das Ja-Wort geben (4): Nebel des Kriegs und das Gesetz der Sünde

Das vierte Kapitel beginnt mit einem Beispiel aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Es hatten sich viele Schaulustige versammelt um sich eine der ersten größeren Schlachten des Kriegs anzuschauen. Während des Kampfes verlagerte sich das Schlachtfeld und auf einmal befanden sich die Schaulustigen mit ihrem Picknick inmitten der Soldaten und der Kriegswirren. Harvey will mit diesem Beispiel etwas deutlich machen:

„Die Picknicker lernten an jenem Tag etwas über den Krieg. Du kannst ihm nicht nahe und zugleich in Sicherheit sein. Nur die Naiven sind der Überzeugung, sie könnten am Rande der Kampfeslinie stehen und dabei gute Unterhaltung haben. Wenn ein Krieg ausbricht, wird alles, was mit ihm in Berührung kommt, zum Schlachtfeld.“

Harvey ging zu Beginn seines Buches auf die Wichtigkeit einer biblischen Theologie ein und zeigte danach auf, dass jeder von uns der größte Sünder ist. Die ‚Sache‘ mit der Sünde beleuchtet er jetzt noch etwas genauer, denn:

„Es ist gut, etwas mehr über die Sünde zu wissen, wenn man selbst einer der schlimmsten Sünder ist.“

Deshalb das Beispiel der Schlacht. Das Wesen der Sünde ist Krieg. Sünde schafft Krieg! Krieg mit Gott, mit anderen, Krieg in dir selbst.

„Und was hat man in einer Ehe? Zwei Sünder, die beide das Potential zum Krieg in sich tragen.“

und weiter:

„Hast du erkannt, dass du der schlimmste aller Sünder bist? In diesem Kapitel werden wir mehr über die kriegsähnliche Natur der Sünde erfahren. Die neutestamentlichen Briefe kennen die aktive Kriegshetze der Sünde im Gläubigen. Dankbarerweise geben sie uns aber auch Unterweisung und Hoffnung für den Kampf gegen die Sünde. Die Wohltaten der Wiedergeburt – die Vergebung der Sünde und unsere Beziehung zu Christus – nehmen uns nicht aus dem Kampffeld heraus, garantieren uns aber den Sieg! Vom Wort Gottes informiert und vom Heiligen Geist befähigt, kannst du nun deine Kämpfe weniger, kürzer und weniger schädlich werden lassen. Deine Ehe wird dadurch wachsen und viel lieblicher werden.“

Danach geht Harvey auf den Galaterbrief ein. In diesem Brief erfahren wir etwas Wunderbares, nämlich, dass wir, wenn wir in Christus sind, in ihm auch tatsächlich frei sind. Frei davon sich durch Gehorsam gegen das alttestamentliche Gesetz selbst zu rechtfertigen. Aber Paulus wusste auch, wohin die Galater (und du und ich) mit der neuen Freiheit gehen würden. Deshalb schreibt er: „Denn ihr, meine Brüder, seid zur Freiheit berufen; nur machet die Freiheit nicht zu einem Vorwand für das Fleisch, sondern durch die Liebe dienet einander!“ (Galater 5,13)

„Da haben wir es. Die Fronten in diesem Krieg verlaufen nicht zwischen Mann und Frau, nicht zwischen männlich und weiblich und auch nicht zwischen dem Stärkeren und dem Schwächeren. Es ist ein Zusammenprall der Begierden – des Verlangens des Fleisches gegen das Verlangen des Geistes. Es ist ein Grabenkrieg um die Vorherrschaft über das menschliche Herz.“

Laut Harvey ist es unerlässlich, dass man sich selbst, Gott und seine Ehe so sehen muss, wie Gott sie sieht. Denn es gibt keine echte Hilfe ohne klares biblisches Denken.

„Die Ursache unserer Ehekriege, meine Freunde, liegt weder in unserem Ehepartner noch in der Ehe selbst begründet. Es ist die Sünde in unserem Herzen – ausschließlich, vollständig, total und ohne Ausnahme. Dies wird in der Bibel durchweg so gelehrt, von der ersten Sünde bis zum letzten Gericht. Die Pharisäer wollten Sünde ebenfalls als etwas ‚da draußen‘ ansehen und versuchten, damit bei Jesus zu landen. Vergeblich, denn Er bietet uns eine überzeugende und völlig ausreichende Diagnose unseres Grundproblems an. ‚Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das verunreinigt den Menschen. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen. Das ist’s, was den Menschen verunreinigt!‘ (Matthäus 15, 18-20a) Jakobus greift dieses Grundprinzip der menschlichen Natur auf und bringt es in unseren persönlichen Beziehungen zur Anwendung.’Woher kommen die Kämpfe und die Streitigkeiten unter euch? Kommen sie nicht von den Lüsten, die in euren Gliedern streiten? Ihr seid begehrlich und habt es nicht, ihr mordet und neidet und könnt es doch nicht erlangen; ihr streitet und kämpft, doch ihr habt es nicht, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und bekommt es nicht, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.‘ (Jakobus 4,1-3) So einfach ist das. Alle meine Worte oder Handlungen kommen aus einem einzigen Ort: meinem Herzen.“

Anschließend geht Harvey auf einige Eigenschaften der Sünde ein und kommt dann zu einem abschließenden ermutigenden Apell:

„Liebe Freunde, wir müssen (kursiv) den Kampf mit der Sünde führen. Tun wir das nicht, wird sie uns überrennen. Aber wir haben eine Verheißung, die einen entscheidenden Unterschied bewirkt: Durch das Kreuz Christi ist die Schlacht schon gewonnen! Hör dir den Schlachtruf in Römer 8 an: ‚So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war — weil es durch das Fleisch kraftlos war —, das tat Gott, indem er seinen Sohn sandte in der gleichen Gestalt wie das Fleisch der Sünde und um der Sünde willen und die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.‘ (Römer 8,1-4)“ Diese Verse sagen uns dass wir wegen zweier erstaunlicher Wirkungsweisen der Gnade Gottes Überwinder sind, egal wie besiegt wir uns manchmal im Kampf auch fühlen. Wir stehen vor Gott als solche, denen vergeben wurde, denn Gott sieht uns aufgrund des sühnenden Opfers Christi nicht mehr im Zusammenhang mit unserer Sünde und Jesu Gerechtigkeit wurde uns zugerechnet. Das heißt Gott sieht dich als heilige Person an. Die Herrschaft der Sünde in den Gläubigen ist gebrochen. Bitte versuche das zu verstehen: Egal wie intensiv du noch mit der Sünde kämpfst, du führst diesen Kampf als Sünder, dem vergeben wurde. Du kämpfst auf der Seite Gottes, und er wird Schlussendlich den Sieg davontragen! Wie beeinflusst unsere Beziehung zu Gott nun diesen Kampf? Im erwähnten Abschnitt aus Römer 8 schreibt Paulus, dass der Heilige Geist an unserer Stelle am Wirken ist, wenn wir ’nach dem Geist wandeln‘. Dies Klingt wie die Sprache von Galater 5, wo die Kraft des Geistes mit der Kraft des Fleisches verglichen wird. Die Frucht des Geistes überwindet die Werke des Fleisches (Verse 18-25). Hier im Römerbrief vergleicht Paulus nun zwei Gesetze miteinander: das Gesetz der Sünde wird vom Gesetz des Geistes überwunden. In beiden Fällen finden wir dieselbe Wahrheit, nämlich ein Leben, freigesetzt von der Tyrannei der Sünde, und ein Herz, dass sich zunehmend im Einklang mit der Herrschaft Christi befindet.“

Harvey ermutigt uns mit der Tatsache, dass der Kampf bereits gewonnen wurde, obwohl die Ehen auf einem Feld großer geistlicher Schlachten geschlossen und gelebt werden. Und mit einer weiteren Tatsache, dass der wahre Gegner sich nicht neben uns im Bett befindet, sondern in unserem Herzen, was vielleicht die überraschendste Entdeckung für manche ist. Dass kann Hoffnung geben, denn diese Entdeckung ist ein Anfang, Ehekrisen zu beseitigen bzw. von vornherein nicht entstehen zu lassen.

VD: DB

Wenn Sünder sich das Ja-Wort geben (3): Ehe ist „eine Theologie des Alltags“

In dem letzten Beitrag ging es um die Tatsache, dass jeder Christ ein Theologe ist. Es ist jedoch nicht so, dass wir uns nun in einer Art Elfenbeinturm tiefgründiger Gedanken befinden. Dave Harvey spannt den Bogan dahin, dass wir Christen „Alltagstheologen“ sind. Wir versuchen unseren Glauben in einer Welt anzuwenden, in der wir als Paare miteinander wüten, streiten und sogar Türen zuknallen:

„Und dennoch muss ich jetzt mit dem Evangelium kommen – Christus kam in diese Welt um Sünder zu erretten – und mitten in deinen Alltag hinein die komische Frage zu stellen: Sündigst du noch? Sündigt dein Ehepartner noch? Lass es mich dir leichtmachen!“

Harvey erklärt, dass wir uns zuerst einmal vor Augen führen müssen, dass wir selbst Sünder sind und unsere Ehepartner auch. Immer! und jeder!

„Jungs, die bezaubernde Braut, an deren Finger ihr den Ehering stecktet, ist ein Sünderin! Und ihr lieben Frauen, der Mann, der euch einen Schwur vollkommener Treue und lebenslange Opferbereitschaft darbrachte, ist ein Sünder! In Eheversprechen auf der ganzen Welt – jeden Tag, überall, ohne Ausnahme – sind es Sünder, die zueinander „Ja“ sagen. Es sind Sünder, die Ihren zehnten Hochzeitstag feiern, ihren fünfundzwanzigsten und ihren fünfzigsten. Es sind Sünder, die am Sterbebett ihres Ehepartners einen letzten Kuss miteinander teilen. Es ist ein Sünder, der dieses Buch schrieb, und der, der es gerade liest, ist auch ein Sünder.“

An dieser Stelle betont Harvey, dass die Tatsache, dass Christen Auseinandersetzungen mit der Sünde haben, unterstreicht, dass der Herr Jesus Christus uns sehr wohl gerettet hat uns aber gleichwohl nicht sofort in Nicht-Sünder verwandelt hat.

„Dieser wunderbare Prozess beginnt mit dem Moment unserer Bekehrung, jedoch setzt er sich unser ganzes Leben hindurch fort und wird erst beendet sein, wenn wir diese gefallene Welt verlassen.“

Und gerade deswegen muss die Realität der Sünde in unserem Leben auch immer wieder herausgestellt und betont werden. Wir müssen uns eingestehen, dass uns Sündern in Christus zwar vergeben wurde, wir aber immer noch mit dem alten Antrieb kämpfen, sich von Gott ab- und sich selbst zuzuwenden.

„Ohne diese biblische Klarheit finden wir keinen Bezug zum Kreuz und kein bleibendes Bewusstsein für unser Bedürfnis nach Gnade und Barmherzigkeit“

Unser Umgang mit dem Problem der Sünde ist der Schlüssel zu einer blühenden Ehe. Begegnen wir unserer Sünde mit dem Evangelium, dann gibt es Hoffnung für uns und unsere Ehe. Das ist wahrscheinlich auch das größte Problem daran, denn das bedeutet die Ursache für alle möglichen Probleme bei sich selbst nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden. Das ist nicht einfach. Für niemanden.

„Wenn wir aber damit beginnen, unsere Ehen, auf dem Wort Gottes und dem Evangelium des Sieges Christi über die Macht der Sünde aufzubauen, dann erkennen wir die traurige, schmerzhafte und nicht zu verleugnende Realität unserer eigenen noch vorhandenen Sünde. Und wenn wir sie wirklich als die bittere und verachtenswerte Sache betrachten, die sie ja tatsächlich ist, und wenn wir die heimtückischen Absichten der Sünde in unseren Beziehungsproblemen erkennen, dann wird Wunderbares geschehen: Dann flüchten wir nämlich zum Evangelium als unserem einzigen Gegenmittel!

Dann beginnen wir zu sehen, dass es neue Hoffnung für unsere Ehen gibt – viel Hoffnung! Hoffnung, die sich aus der Kraft des Evangeliums nährt – derselben Kraft, die Christus aus den Toten auferweckte. Wir bekommen dann eine Vorahnung davon, was für eine angenehme Beziehung unsere Ehe werden kann – eine lebendige und blühende Einheit, in welcher Sünden bekannt und vergeben werden. Meine Freunde, wenn Sünde bitter schmeckt, wird Christus süß sein.“

Wenn Sünder sich das Ja-Wort geben (2): Was in der Ehe wirklich zählt

– ein Beitrag von Donatus:

Es hat mich erstaunt, wie Dave Harvey an dieses Thema herangeht. Er beginnt mit einem Zitat von R.C. Sproul:

„Kein Christ kann Theologie vermeiden. Jeder Christ ist ein Theologe. Dies vielleicht nicht in einem technischen Sinne, aber dennoch ein Theologe. Die Frage, die sich für einen Christen stellt, ist nicht die, ob er ein Theologe ist oder nicht, sondern ob er ein guter Theologe ist – oder ein schlechter!“

Das ist eine starke Aussage, ich selbst habe mich nie so gesehen. Aber Harvey hat völlig recht:

„Was für ein Theologe bist du? Das ist nicht schwer herauszufinden. ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, unsere Vorstellungen über das Leben, über die Ehe, über Gefühle, Konflikt usw. offenbaren sich durch unsere Worte und durch unser Verhalten – und spiegeln damit unvermeidlich unsere Ansicht über Gott wider. Das was wir mit unseren Lippen reden, ist schlicht unsere Theologie.“

Aufbauend auf dieser Erkenntnis führt Harvey drei der wichtigsten Bestandteile einer soliden biblischen Theologie an:

1. Die Grundlagen deiner Ehe – die Bibel

„Es ist eine unglaubliche Erfahrung, dass die Beständigkeit und die Qualität der Ehe letztendlich nicht von der Stärke deines Einsatzes für die Ehe abhängt, sondern von etwas völlig anderem – nämlich Gottes Wahrheit – von der Wahrheit, die wir klar und deutlich auf den Seiten der Bibel finden! […] Als Herr hat Er alles gegeben, was wir zum Leben, zur Gottesfurcht – und auch zur Ehe – benötigen. In Seinem Wort. Die Bibel ist das Fundament für eine gelingende Ehe.“

2. Die Quelle deiner Ehe – das Evangelium

„Das Evangelium ist das Herzstück der Bibel. Alles in ihr ist entweder Vorbereitung auf das Evangelium, Darlegung des Evangeliums oder Teilhabe am Evangelium. Im Leben, Sterben und Auferstehen Christi gibt uns das Evangelium eine ultimative Lösung für unsere Sünde – für heute, für morgen, für den Tag, an dem wir vor Gott stehen, für immer. […] Das heißt das Evangelium ist ein nicht endender Quell der Gnade Gottes für unsere Ehe. Man muss also dringend ein klares Verständnis des Evangeliums haben, nicht nur, um ein guter Theologe zu werden, sondern auch, um in der Lage zu sein, sich auf eine lebenslange, blühende Ehe zu freuen. Sonst kannst du weder Gott noch dich selbst noch deine Ehe als das sehen, was sie wirklich sind. Das Evangelium ist der Quellort einer blühenden Ehe.“

3. Der Focus deiner Ehe – die Ehre Gottes

„Wenn wir beginnen, unsere Ehen an biblischer Wahrheit zu orientieren, werden wir etwas erstaunliches sehen: Die Ehe wurde nicht nur von Gott erfunden, sie gehört Ihm auch. Er hat einen einzigartigen Anspruch auf ihr Urheberrecht, ihre Idee und ihre Zielsetzung. Sie existiert faktisch sogar mehr für ihn als für die Ehepaare selbst.“

Obwohl diese Worte auf den ersten Blick hart klingen, lässt uns Gottes Wort Harvey zustimmen. Wenn wir uns z.B. das fünfte Kapitel des Epheserbriefes anschauen, so werden wir merken das hinter den Worten von Paulus wesentlich mehr steckt als nur ein oberflächliches „Seid nett zueinander“:

„Das hervorstechendste Merkmal der Argumentationsweise des Paulus ist die Tatsache, dass er Christus als Bezugspunkt all unseres Verhaltens in der Ehe ansieht! Ehefrauen sollen sich ihren Männern „als dem Herrn“ unterordnen (V. 22). Ehemänner sollen ihre Frauen lieben, „wie Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (V. 25). Ehemänner ihre Frauen pflegen und wertschätzen, „wie Christus die Gemeinde“ (V. 29). […] Die Ehe ist ehrfurchtgebietend, weil Gott sie entworfen hat, um seine Herrlichkeit aufzuzeigen. Der Fokus einer gelingenden Ehe ist die Ehre Gottes.“

Wenn Sünder sich das Ja-Wort geben (1): Die Kraft des Evangeliums für die Ehe entdecken

Ich freue mich sehr, eine neue Serie ankündigen zu dürfen. Donatus wird ab sofort regelmäßig einen Beitrag aus seiner Lektüre des Ehebuches „Wenn Sünder sich das Ja-Wort geben“ beisteuern. Hier ist Nr. 1:

Vor meiner Hochzeit habe ich zusammen mit meiner Frau ein Buch (größtenteils) durchgelesen, welches in eindrucksvoller Weise beschreibt, was auf zwei Menschen zukommt,  die heiraten wollen. In der nächsten Zeit möchte ich ein wenig über das o.g. Buch von Dave Harvey schreiben. Ich hoffe, damit eine Anregung zu geben, dieses Buch selbst zu lesen. In dem Buch wird die Beziehung zweier Menschen sehr treffend analysiert und Problembereiche werden deutlich aufzeigt. Harvey schreibt:

Wenn du verheiratet bist oder bald sein wirst, dann wirst du feststellen, dass deine Ehe nicht immer nur Romanze ist. Ehe ist die Einheit zweier Menschen, die mit dem Gepäck des Lebens zueinander kommen. und dieses Gepäck enthält immer Sünde. Oftmals wird es schon in den Flitterwochen ausgepackt, manchmal erst später. aber diese Koffer bringen ein Leben lang immer neue Dinge zum Vorschein und verstreuen manchmal ganz und gar vergessenen Inhalt. Wir dürfen unsere Sünde nicht ignorieren, denn sie ist genau der Kontext, in dem das Evangelium am hellsten leuchtet!

Das ist die Grundannahme des Autors: Sünde ist immer der Ursprung von Eheproblemen. Sie kommt in jeder Ehe in verschiedensten Ausmaßen und Arten zum Ausdruck. Harvey ist jedoch kein Schwarzmaler. Es geht ihm darum, die Kraft des Evangeliums für die Ehe zu entdecken und damit den einzig wirkungsvollen Weg einzuschlagen um Eheprobleme zu beseitigen bzw. im besten Fall im Voraus zu erkennen und zu bekämpfen. Er drückt den Zusammenhang sehr schön aus:

Wir dürfen unsere Sünde nicht ignorieren, denn sie ist genau der Kontext, in dem das Evangelium am hellsten leuchtet!

Das macht Mut, bei Problemen – wie groß sie auch sein mögen – nicht die Hoffnung aufzugeben, denn dass Evangelium hat Kraft auch für die größten Sünden. Harvey:

Das bringt mich zum Kernpunkt dieses Buches: Es spricht wohl das Faktum unserer menschlichen Sünde an, will aber nicht in Depression stürzen. Es will vielmehr zeigen, dass wir uns dem Thema Sünde intensiv widmen müssen, wenn wir zu einer glücklichen Ehe gelangen möchten. Ein bekannter Pastor sagte einmal: Solange die Sünde für uns nicht bitter ist, wird Christus für uns nicht süß sein.

Er spricht damit eine tiefe Wahrheit des Evangeliums an. Bevor wir nicht das Problem erkennen, werden wir uns nicht über die Lösung freuen können. Gnade ist wahrhaft erstaunlich – aber erst, wenn wir erkennen woraus wir erlöst wurden. Deshalb gilt der Grundsatz: „Wenn die Sünde bitter wird, wird die Ehe süß“

Dieses Buch und diese Beiträge sollen dazu ermutigen, Sünde im (Ehe-)Leben mit dem Evangelium, also mit Gottes Kraft, zu bekämpfen. Das Buch kann hier erworben werden.