Was wir von Francis Schaeffer lernen können (12): Drei Arbeitsfelder der Apologetik

In der Reflektion über die Apologetik von Francis Schaeffer spricht Dick Keyes drei Arbeitsfelder unserer apologetischen Bemühungen an, die wir stärker ins Auge fassen sollten wenn wir die Menschen unserer Zeit mit dem Evangelium erreichen wollen:

1. Es müssen Themen angesprochen werden, die die Menschen noch bewegen

„Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen abgelenkt […] und für keine Diskussion [über Wahrheit] mehr zugänglich sind. Könnten wir nicht bei den Themen ansetzen, die diese Menschen noch bewegen?“

Keyes führt z. B. Umwelt, Sexualerziehung und Toleranz als mögliche Themen an. Er denkt dabei insbesondere an die Veröffentlichung von Büchern zu diesem Thema. Er erklärt:

„Menschen unserer Gesellschaft sollten ein gutes Buch zu irgendeinem Thema entdecken und dann feststellen können, dass es von einem Christen geschrieben wurde.“

Ich musste dabei unweigerlich an das Buch „Internetpornografie: … und was jeder darüber wissen sollte“ von Thomas Schirrmacher denken, das in diese Kategorie eingeordnet werden kann.
Weiter wünscht Keyes sich für die zukünftige Entwicklung der Apologetik:

2. Es müssen mehr Geschichten erzählt werden.
75 Prozent der Bibel sind Geschichten. Sehr aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang der Kommunikationsstil Jesu, vor allem mit den Menschen, die ihm gegenüber verschlossen waren. Oft erzählte er ihnen nur eine Geschichte (oder ein Gleichnis) und ging dann wieder.“

Zuletzt zeigt Keyes folgendes Arbeitsfeld auf:

3. Das Zeugnis echten gemeinschaftlichen Lebens in der Gemeinde

„Beziehungen brechen überall auseinander und Menschen hungern förmlich nach authentischer Gemeinschaft. […] Die überzeugendste Apologetik ist immer noch das Zeugnis von Christen, die sich lieben, füreinander sorgen und in geheilten Beziehungen leben.

Möge der Herr uns brauchbar machen in diesen Arbeitsfeldern, damit sein Reich gebaut wird!

aus: Dick Keyes: Den Glauben verständlich machen in einer nichtchristlichen Gesellschaft. Perspektiven für eine zeitgemäße Apologetik. in: Ron Kubsch (Hrsg.): Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können. vkw 2007, S. 93-108.

Was wir von Francis Schaeffer lernen können (10): Sünde als Beziehungsproblem

Ein (apologetisches) Problem ist die Erklärung, was Sünde ist. Folgende Erläuterung fand ich sehr hilfreich:

Dabei geht es beim Verständnis von Sünde nicht nur darum, dass wir einen äußeren, abstrakten Standard nicht erreichen – wie wenn wir zum Beispiel die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht einhalten.

Natürlich geht es um einen äußeren Standard. Doch es ist mehr als nur das:

Sünde ist im Grunde ihres Wesens ein Beziehungsproblem.

Wie kann man sich dieses Beziehungsproblem vorstellen?

Stellt euch dazu den Unterschied zwischen einem Kind vor, das manche der von den Eltern aufgestellten Regeln nicht einhält, und einem Kind, das sagt: „Diese Eltern möchte ich nicht mehr Ich möchte Eltern haben, die mir besser gefallen, die meinen Vorstellungen eher entsprechen und die meine Bedürfnisse erfüllen.“ Unter solchen Voraussetzungen ist eine Beziehung zu den richtigen Eltern sehr problematisch, wenn nicht unmöglich. Für solche selbsterkorenen Waisen ist die Gegenwart der wahren Eltern zwangsläufig bedrohend.

Warum ist dieser Vergleich wichtig?

Das entspricht viel eher dem biblischen Bild von Sünde.

An dem Beispiel wird deutlich, dass Sünde „einen starken Drang enthält, Gott auszuweichen“ und zu einer „motivierten [d.h. willentlichen] Verzerrung“ des Denkens führt. Der sündige Mensch will seinem Schöpfer nicht ins Auge sehen und seine Schuld eingestehen. Er weicht ihm aus, läuft ihm davon, schiebt die Schuld auf die Umstände bzw. auf andere Menschen.

aus: Dick Keyes: Den Glauben verständlich machen in einer nichtchristlichen Gesellschaft. Perspektiven für eine zeitgemäße Apologetik. in: Ron Kubsch (Hrsg.): Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können. vkw 2007, S. 93-108.

Was wir von Francis Schaeffer lernen können (9): Die Ziele der Apologetik

1. Ziel (nach außen): Effektive Evangelisation

Wenn wir in L’Abri von Apologetik sprechen, können wir den Begriff nicht von Evangelisation trennen.

Was hat Apologetik mit effektiver Evangelisation zu tun?

Ohne Apologetik schließen wir uns einfach dem Dialog der Tauben an, reden aneinander vorbei und können uns gegenüber Menschen mit anderen Perspektiven, Weltanschauungen und Wahrheitskriterien nicht mehr verständlich machen.

2. Ziel (nach innen): Glaubensstärkung

Die wichtigste Person, mit der ich Apologetik betreiben muss, bin ich selber, damit mein Vertrauen in Gott gestärkt wird – auch in Zeiten der Unsicherheit.

aus: Dick Keyes: Den Glauben verständlich machen in einer nichtchristlichen Gesellschaft. Perspektiven für eine zeitgemäße Apologetik. in: Ron Kubsch (Hrsg.): Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können. vkw 2007, S. 93-108.