Christus allein

Gemeinsames Leben (10): Alleinsein als Grundlage der Gemeinschaft

Seit fast einem Jahr schreibe ich immer wieder über Dietrich Bonhoeffers “Gemeinsames Leben”. Bonhoeffer definiert zunächst die Grundlage christlicher Gemeinschaft und zeigt, woran eine christliche Gemeinschaft letztlich zerbricht und welches Grundübel daran schuld ist. Im zweiten Kapitel beschreibt er den gemeinsamen Tag, der mit einer gemeinsamen Morgenandacht beginnt, zu der er Schriftlesung, Psalmengebet, das gemeinsame Lied sowie das gemeinsame Gebet zählt. Im dritten Kapitel geht er auf den einsamen Tag ein. Der Gemeinschaft wird „Schaden entstehen“ (S. 65), der gemeinsame Tag wird „unfruchtbar bleiben“ (S. 66), wenn der

Gemeinsames Leben (9): Das Gebet in der Frühe

Das ernüchtert und und ermutigt zugleich: Das Gebet in der Frühe entscheidet über den Tag. Vergeudete Zeit, deren wir uns schämen, Versuchungen, denen wir erliegen, Schwäche und Mutlosigkeit in der Arbeit, Unordnung und Zuchtlosigkeit in unseren Gedanken und im Umgang mit anderen Menschen haben ihren Grund sehr häufig in der Vernachlässigung des morgendlichen Gebetes. Ordnung und Einteilung unserer Zeit wird fester, wo sie aus dem Gebet kommt. Versuchungen, die der Werktag mit sich bringt, werden

Gemeinsames Leben (8): Das gemeinsame Gebet in der Morgenandacht

Seit Anfang April habe ich (in ständig größer werdenden Abständen) immer wieder über Dietrich Bonhoeffers „Gemeinsames Leben“ gebloggt. Bonhoeffer definiert zunächst die Grundlage christlicher Gemeinschaft und zeigt, woran eine christliche Gemeinschaft letztlich zerbricht und welches Grundübel daran schuld ist. Im zweiten Kapitel beschreibt er den gemeinsamen Tag, der mit einer gemeinsamen Morgenandacht beginnt, zu der er neben Schriftlesung, Psalmengebet und gemeinsamem Lied auch das gemeinsame Gebet zählt. Bonhoeffer hat bei allen Elementen stark betont, dass Gottes Wort gehört, gebetet und gesungen werden soll. Beim gemeinsamen Gebet jedoch sollen wir sprechen.

Gemeinsames Leben (7): Morgenandacht – das gemeinsame Lied

Seit Anfang April habe ich immer wieder über Dietrich Bonhoeffers „Gemeinsames Leben“ gebloggt. Bonhoeffer definiert zunächst die Grundlage christlicher Gemeinschaft und zeigt, woran eine christliche Gemeinschaft letztlich zerbricht und welches Grundübel daran schuld ist. Im zweiten Kapitel beschreibt er den gemeinsamen Tag, der mit einer gemeinsamen Morgenandacht beginnt, zu der als drittes Element neben der Schriftlesung und dem Psalmengebet  auch das gemeinsame Lied tritt. Wie bei den anderen Elementen geht es Bonhoeffer vor allem darum,

Gemeinsames Leben (6): Morgenandacht – die Schriftlesung

Neben dem Psalmengebet sollte die gemeinsame Morgendandacht nach Bonhoeffer eine Schriftlesung enthalten. Bonhoeffer stellt die Frage nach dem Ziel der Bibellese am Morgen und beobachtet eine Gefahr, wenn sie sich nur auf einzelne Verse beschränkt: Wir sind fast alle mit der Meinung groß geworden, es handle sich in der Schriftlesung allein darum, das Gotteswort für den heutigen Tag zu hören. Darum besteht die Schriftlesung bei vielen nur aus einigen kurzen, ausgewählten Versen, die das Leitwort des Tages

Gemeinsames Leben (5): Morgenandacht – das Psalmengebet

Laut Bonhoeffer enthält jede Andacht, auch am Morgen, drei Elemente: Zu jeder gemeinsamen Andacht gehört das Wort der Schrift, das Lied der Kirche und das Gebet der Gemeinschaft. (S. 38) Das Gebet verbindet Bonhoeffer dabei sehr eng mit den Psalmen. Er weist darauf hin, dass die Bibel dazu ermutigt, untereinander in Psalmen zu reden. Er führt daneben als weiteres Argument an, dass dem Psalmengebet in der Kirche bereits von alters her Bedeutung große beigemessen wurde. Im Gegensatz

Gemeinsames Leben (4): Der Morgen

Nachdem Bonhoeffer im 1. Kapitel den Begriff der christlichen Gemeinschaft definiert hat, geht er im 2. Kapitel auf den gemeinsamen Tag ein. Zuerst erinnert er daran, dass der neutestamentliche Tag im Gegensatz zum alttestamentlichen Tag nicht am Abend, sondern am frühen Morgen beginnt. Während der Beginn des Tages im AT damit die „Zeit der Erwartung“ darstellt, deutet sie im NT die „Zeit der Erfüllung, der Auferstehung des Herrn“ an. Deshalb erklärt Bonhoeffer: Die Frühe des

Gemeinsames Leben (3): Seelische Liebe als zerstörerisches Strohfeuer

Christliche Gemeinschaft besteht nur auf dem Fundament des Wortes Gottes und mit dem Fokus auf Jesus Christus. Deshalb ist sie auch eine pneumatische (durch den Heiligen Geist gewirkte) und keine psychische (aus natürlichen Kräften und Anlagen der menschlichen Seele kommende) Gemeinschaft, worin sie sich von allen anderen Gemeinschaften unterscheidet. Der grundlegende Unterschied zwischen pneumatischer und psychischer Liebe besteht darin, dass die pneumatische Gemeinschaft allein auf das Wort Gottes in Jesus Christus aufbaut, während bei der psychischen Gemeinschaft neben dem

Gemeinsames Leben (2): Warum eine Gemeinschaft zerbricht

Nachdem Bonhoeffer das Fundament der christlichen Gemeinschaft im Wort Gottes aufgezeigt hat (d.h. in der Lehre der Rechtfertigung aus Glauben allein, vgl. den ersten Beitrag), macht er deutlich, dass christliche Gemeinschaft sich ganz auf den Mittler Jesus Christus fokussieren muss, wenn sie bestehen will: Ein Christ kommt zum anderen nur durch Jesus Christus. […] Ohne Christus kennten wir […] den eigenen Bruder nicht und könnten nicht zu ihm kommen. Der Weg ist versperrt durch das eigene Ich.

Dietrich Bonhoeffer – Gemeinsames Leben (1): Die Grundlage christlicher Gemeinschaft

Meine erste Begegnung mit Dietrich Bonhoeffers theologischem Werk entstand völlig unerwartet, als ich bei meinem Großvater auf das Buch „Gemeinsames Leben“ stieß. Dieses Buch ist ein theologisches Meisterwerk. Im Vorwort der Ausgabe vom Kaiser-Verlag (Gütersloh, 1987) heißt es: Paradoxerweise verdanken wir das Buch „Gemeinsames Leben“ der ‚Geheimen Staatspolizei‘. Denn diese hatte Ende September 1937 neben anderen Einrichtungen der Bekennenden Kirche auch das von Dietrich Bonhoeffer geleitete Predigerseminar und Bruderhaus in Finkenwalde, wo angehende Pfarrer ‚gemeinsames