Michael Martens: „Persönliche Reformation“

Vor drei Wochen fand vom 27. bis zum 29. April die 7. Evangelium21-Konfernz in der Arche-Gemeinde in Hamburg statt. Über die Konferenz an sich wurde bereits berichtet: Ron Kubsch hat bei Theoblog darüber geschrieben, Hanniel Strebel hat ausführlich berichtet und auch bei der Gospel Coalition ist eine Zusammenfassung erschienen. Ich persönlich bin auch sehr dankbar, dass ich bei der Konferenz dabei war, herausgefordert und ermutigt wurde.

Michael Martens hat über das Thema „Persönliche Reformation“ gesprochen und, wie ich finde, einige sehr wichtige Dinge deutlich gemacht, über die ich hier berichten möchte. Predigtgrundlage war das Gebet von Paulus in Philipper 1, 7-9:

7 So ist es für mich recht, dass ich dies im Blick auf euch alle denke, weil ich euch im Herzen habe und sowohl in meinen Fesseln als auch in der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums ihr alle meine Mitteilhaber der Gnade seid.

8 Denn Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit der herzlichen Liebe Christi Jesu.

9 Und um dieses bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überreich werde in Erkenntnis und aller Einsicht

(1) Der Kontext des Gebets

Martens macht deutlich, dass nachdem Paulus die Philipper (die erste europäische Gemeinde) begrüßt hat, er Gott für die Gemeinde dankt und seine Zuversicht zum Ausdruck bringt, dass Gott das Werk vollenden wird (V.6). Martens erinnert an Lydia, die sich in Philippi bekehrt hat und von der es heißt, dass ihr Herz „geöffnet“ wurde (Apg.16). Gott war also derjenige, der das Werk begonnen hat (Sola Gratia), wie Paulus das ja auch im Philipperbrief deutlich macht. Auch der Kerkermeister aus Philippi könnte dabei gewesen sein. Dem hatte Paulus auf seine Frage, was er denn tun müsse um gerettet zu werden, gesagt, dass er an den Herrn Jesus glauben muss (Sola Fide) – von Werken hat Paulus nicht gesprochen.

Gott beginnt also das Werk aus Gnade durch den Glauben. Aber wer vollendet? Manchmal leben und handeln wir so, als müssten wir das Werk vollenden. Paulus sieht das anders: Die Zuversicht von Paulus liegt nicht in den Werken der Philipper (für die er ohne Frage dankbar ist), sondern in dem Wirken Gottes. Wir stehen gerechtfertigt vor Gott und werden durch ihn Christus ähnlicher gemacht – bis das Werk am Tag Christi vollendet ist.

(2) Das Gebet von Paulus: Erkenntnis und Liebe

Martens fragt uns, wofür wir beten (auch wenn wir füreinander z.B. in der Gemeinde beten). Oft geht es um Lebensumstände, wirtschaftliche Fragen und wie uns Menschen behandeln. Das finden wir bei Paulus nicht: Paulus betet für persönliche Reformation. Er betet darum, dass die Liebe überströmt in Erkenntnis und Einsicht. Wie ist da der Zusammenhang? Johannes sagt, dass wir Gott lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Es geht um Gotteserkenntnis, die sich im praktischen Leben zeigt; um Einsicht, wie ich konkret handeln soll. Liebe, Erkenntnis und Denken gehören bei Gott eng zusammen: Jesus spricht davon, Gott mit dem Denken zu lieben (Mt.22). Hier weist Martens darauf hin, dass derjenige, dem wir am meisten vertrauen, bestimmt, was wahr ist: Das muss Gott sein, der durch sein Wort spricht (Sola Scriptura). Unsere Haltung zu Gott und unsere Gotteserkenntnis sind voneinander abhängig. Gotteserkenntnis ist keine intellektuelle Übung, sondern hat mit unserer Haltung zu Gott und unserem Glauben zu tun.

Was bedeutet das praktisch? Hier nimmt uns Martens mit in den Jakobusbrief. Jakobus spricht im ersten Kapitel von Anfechtungen, die den Glauben stärken sollen und weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Gott gerne demjenigen Weisheit gibt, der ihn bittet. Ist das eine Verheißung? Ja, allerdings ist sie daran gekoppelt, dass wir nicht im Zweifel beten. Mit „Zweifel“ meint Jakobus ein geteiltes Herz (griechisch: zwei Seelen), das nicht voll auf Gott ausgerichtet ist. Die Frage lautet also: Bei wem ist meine Loyalität? Wenn wir vollkommen auf Gott ausgerichtet sind, dann gilt die Verheißung – sie hängt vom ungeteilten Herzen ab. Martens führt als Beispiel Eltern an, die Weisheit für die Kindererziehung haben möchten. Die entscheidende Frage lautet nun, worum es den Eltern wirklich geht: Wollen sie ihre Kinder aus Liebe zu Gott für Gott erziehen, oder ist es ihnen vielleicht einfach nur peinlich, wie sich ihre Kinder aufführen? Jeder muss sich da persönlich fragen, was ihm wichtiger sein könnte als Gott. Es kann passieren, dass wir bibeltreue Überzeugungen haben, uns dann aber Umstände begegnen, die uns dazu bringen diese zu „überdenken“. Wenn es jemand z.B. im Theologiestudium nicht ertragen kann, von anderen belächelt zu werden, weil er oder sie glaubt, die Bibel sei tatsächlich das von Gott inspirierte unfehlbare Wort Gottes. Dann geben wir unsere Überzeugungen für unser Wohlbefinden auf – und sind nicht mehr ganz auf Gott ausgerichtet.

(3) Das Beste für unseren Gott

Oft denken wir, so Martens, in Kategorien von schlecht und gut. Allerdings müssen wir uns manchmal vielleicht zwischen gut und besser entscheiden. Wir sind z.B. traditionell – das ist doch gut, oder? Wir haben dieses und jenes schon lange so gemacht. Aber vielleicht hat Gott etwas Besseres vor? Ein anderes Beispiel ist soziales Engagement in der Stadt. Das ist doch gut, oder? Ja! Aber wenn soziales Engagement die Verkündigung ersetzt und nicht „nur“ Ausdruck des Evangeliums ist, dann verfolgen wir das Gute, nicht aber das Beste. Bei sozialem Engagement (im Gegensatz zur Wortverkündigung) bekommen wir vielleicht Bestätigung von unserer Stadt, aber deshalb dürfen wir die Verkündigung ja nicht aufgeben.

Um schwierige Entscheidungen richtig treffen zu können, muss unser Herz stimmen. Manchmal stehen Missionare vor schwierigen Entscheidungen und fragen sich in Zeiten der Anfechtung, ob sie bleiben sollen oder nicht. Da kommt auf das Herz an: Will man weg, weil es zu stressig ist? Bleibt man, weil man Angst hat, die Gemeinde hält einen für einen Versager? Derartige Entscheidungen sind demnach äußerst vielschichtig und ohne die richtige Herzenshaltung Gott gegenüber, kann man sich gar nicht wirklich für das Beste entscheiden. Jesus hat das Beste getan, auch wenn es schwer war. Manchmal entscheiden wir uns für das Gute, weil das Beste schmerzen würde – das darf nicht sein.

Martens hat zu einer „Egalhaltung“ aufgerufen: Es ist egal, was die Leute sagen, es geht darum, was Gott möchte. Das kann in Beziehungen ganz praktisch werden: Wir alle haben Erwartungen von Anderen (Eltern, Freunde, Gemeinde) und manchmal haben wir Angst, wie die Anderen in gewissen Situationen reagieren werden, wenn wir sie mit der Wahrheit Gottes – dem Besten – konfrontieren. Wenn allerdings die gefühlte Liebe zu anderen nicht das Beste in Gottes Augen ist, dann ist es Pseudo-Liebe. Es ist Lieblosigkeit gegenüber Gott und auch gegenüber dem Nächsten. Die „Egalhaltung“ ist auch für die Predigtvorbereitung wichtig: Wenn wir Gott um Verständnis für den Text bitten, dann muss uns das, was unsere Zuhörer über uns denken (werden), egal sein.

In Philipper 2 wird Jesus beschrieben, dem es „egal“ war, was die Menschen mit ihm machten: Jesus hat den Willen des Vaters erfüllt. Paulus betet, dass unsere Liebe und Erkenntnis immer weiterwachsen, sodass wir jetzt schon Jesus immer ähnlicher werden – bis das Werk am Tag Christi vollendet ist. Dafür betet Paulus. Dafür sollten wir beten. Martens stellt abschließend folgende herausfordernde Frage: Kann unsere Liebe gegenüber den Menschen, die wir lieben, intensiver sein als unser Gebet für sie?

Den Tag Christi im Blick und mit dem Wissen, dass Gott es vollbringt, soll durch persönliche Reformation Ehre für Gott und Segen für andere entstehen. Gott wirkt es durch Christus (Solus Christus) zu seiner Ehre: Soli Deo Gloria.

Hat die Reformation noch Relevanz für Luthers Heimat?

Auf der Website der Gospel Coalition ist ein Artikel erschienen, in dem Matthias Lohmann und Ryan Hoselton die Frage stellen, ob die Reformation für Luthers Heimat noch Relevanz hat. Leider müssen sie feststellen, dass die Staatskirchen das reformatorische Erbe entweder hinter sich gelassen, oder aber revidiert haben: „While the Roman Catholic church still officially rejects Scripture alone, European Protestant church leaders and university theology faculty now place the authority of human reason, the claims of higher criticism, and individual conscience over Scripture.” Allerdings sieht es in den evangelikalen Gemeinden nicht unbedingt besser aus:

Even the bulk of Europe’s evangelicals and free churches (i.e., those without ties to the state) see little use for the theology of the Reformation. The Reformers’ quest for biblical and spiritual depth has been substituted for deep anti-intellectualism and shallow experientialism. Ministers have largely traded the Reformers’ emphasis on the Christ-centered preaching of the Word for theater performances and moralistic guidelines, and the Protestant doctrine of the priesthood of all believers has warped into therapeutic individualism.

In diesem Zusammenhang stellen die beiden auch die Arbeit und Vision von Evangelium21 vor:

Evangelium 21 (E21), a network of believers in German-speaking Europe committed to renewing the health and vitality of its churches, wishes to offer a different way to commemorate the 500th anniversary of the Reformation. Many of us share the enthusiasm to rediscover the Reformation’s political and cultural significance, and we recognize that the Protestant Reformers were men and women with clay feet like ourselves. Martin Luther’s anti-Semitism and Ulrich Zwingli’s persecution of Anabaptists, among other things, remind us not to look back on the era with a naïve nostalgia for a lost golden age. Nonetheless, we believe the Reformers reclaimed vital biblical truths just as relevant and pressing today as they were 500 years ago.

Vom 27. bis zum 29. April findet in Hamburg die siebte E21-Konferenz statt, die gemeinsam mit Together for the Gospel (T4G) gestaltet wird. Im Zentrum der Konferenz stehen die biblischen Wahrheiten der Reformation und deren Bedeutung für die Gegenwart. Hier besteht (noch) die Möglichkeit, sich zur Konferenz anzumelden.  

David Platt über Mission und Jüngerschaft

David Platt ist amerikanischer Pastor und zurzeit der Präsident des International Mission Board der Südlichen Baptisten. Wenn man David Platt zuhört, merkt man schnell, dass er genau der richtige Mann für diesen Posten ist:

Platts authentischer Missionsdrang zeigt sich auch in den Büchern, die er schreibt: Zu seinen Titeln gehören unter anderem What Did Jesus Really Mean When He Said Follow Me? und Radical: Thinking Back Your Faith from the American Dream. Vor einigen Jahren habe ich eine Predigt von Platt zusammengefasst, die er auf einer TGC-Konferenz gehalten hat. In dieser Predigt ruft Platt leidenschaftliche dazu auf, Jünger zu machen. Hier seine zwölf Aufrufe:

  1. Lasst uns Leute aufrufen, alles für die Herrlichkeit Christi zu geben
  2. Lasst uns Leute zu einer demütigen Abhängigkeit von der Gnade Jesu aufrufen
  3. Lasst uns Leute zu einem dringendem Gehorsam der Mission Christi gegenüber aufrufen
  4. Lasst uns Leute zu einem zuversichtlichen Vertrauen in die Autorität Christi aufrufen
  5. Lasst uns gewöhnliche Jünger aussenden, damit sie Außergewöhnliches im Reich Christi vollbringen
  6. Lasst uns Leiden von Gott annehmen, der es befiehlt, damit der große Auftrag ausgeführt wird
  7. Lasst uns in die Verlorenheit eindringen, indem wir das Evangelium bewusst nach außen verkündigen
  8. Lasst uns geistlichen Nöten hinterhergehen, während wir auch physische Not lindern
  9. Lasst uns Gottes Herrlichkeit mehr als unser Leben lieben
  10. Lasst uns in der Abhängigkeit vom Heiligen Geist fasten und beten
  11. Last uns darauf vertrauen, dass Jüngerschaft zur Multiplikation von Gemeinden führt
  12. Lasst uns ein Vermächtnis von gemachten Jüngern und vermehrten Gemeinden zurücklassen

Hier geht es zur vollständigen Mitschrift. David Platt wird übrigens auf der nächsten Evangelium21-Konfernz sprechen, zu der man sicher hier anmelden kann.

Was Albert Mohler seinem 20-jährigem Selbst sagen würde

In christlichen Kreisen wird manchmal davor gewarnt, Prediger zu (stark zu) verehren – wir folgen schließlich Christus und nicht seinen fehlbaren Dienern. Diese Warnung ist durchaus berechtigt. Im Dezember des letzten Jahres wurde Albert Mohler in einer „Ask Anything“-Fragestunde die Frage gestellt, was er seinem 20-jährigen Selbst sagen würde. Hier seine – gerade in diesem Zusammenhang – äußerst interessante Antwort (grob übersetzt):

Ich habe kürzlich zu einigen Studenten gesprochen und ich habe ihnen gesagt: Wisst ihr, ihr braucht eine Liste mit Predigern, die ihr live hören wollt. Jetzt! Es gibt da nämlich Prediger, bei denen ich mir wünsche, dass ich sie mit 18, 19, 20, oder in meinen 20ern gehört hätte. Ich habe gedacht: Das kann ich nicht machen, das ist 500 Meilen weit weg. Nun, da würde ich einfach sagen – wie ich das bei diesen Studenten getan habe –, wisst ihr, Leute, ihr solltet euch ins Auto setzen (und den Weg auf euch nehmen) um diesen Prediger zu hören. Fahrt da für einen Sonntagmorgen hin und bleibt dort – und wisst ihr: meine Vermutung ist, dass ihr vielleicht sogar eine Unterhaltung mit ihm haben könnt, wenn ihr es ihn im Voraus wissen lasst, dass ihr kommt. Das kann von unschätzbarem Wert sein. Ich schaue zurück auf Martyn Lloyd-Jones, den ich wirklich sehr hoch schätze, den ich aber niemals live gehört habe. Ich wünschte, dass ich das getan hätte. Ich wünschte, dass ich damals – als junger Mensch – gedacht hätte, dass ich dort hingehen sollte wo er ist, um ihn zu hören.

Die anstehende Evangelium21-Konferenz bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit, diesem Rat zu folgen: Mark Dever, Albert Mohler, David Platt und Ligon Duncan werden zum 500. Jahrestag der Reformation sprechen. Falls diese Brüder auf deiner Liste stehen: nach Hamburg zu reisen ist deutlich einfacher als für einen Gottesdienst nach Amerika zu fliegen.

Hier kann man sich zur Konferenz anmelden.

Kevin DeYoung: „Die Klarheit des Wortes“

KDeYoung_Workshop

Christen werden oft angegriffen, weil sie sich scheinbar auf nichts einigen können. Wenn die Bibel klar und verständlich ist, heißt es oft, warum gibt es dann so viele verschiedene christliche Gruppierungen? Außerdem – wurde mit der Bibel nicht auch Sklaverei gerechtfertigt? Und was ist eigentlich mit den „christlichen“ Kreuzzügen? Ach ja, und bestimmt nicht eigentlich auch die Kirche was (und was nicht) geglaubt wird?

Kevin DeYoung hat während der letzten Evangelium21-Konferenz den Workshop „Die Klarheit des Wortes“ durchgeführt. Dabei hat er 10 Dinge aufgezeigt, die im Kampf gegen den eben angedeuteten durchdringenden, interpretativen Pluralismus (pervasive, interpretive pluralism) helfen können:

(1) Wir brauchen ein richtiges Verständnis von der Genügsamkeit der Schrift

Die Lehre von der Genügsamkeit der Schrift meint nicht, dass uns die Bibel alles über jedes Thema sagt. Die Bibel vermittelt natürlich Prinzipien und hat Implikationen, die sich durchaus auf jeden Bereich unsers Lebens anwenden lassen. Wenn man allerdings zum Beispiel nach einer konkreten Anleitung sucht, wie man schneller abnehmen kann, wird man enttäuscht werden. Das war nicht das Ziel von Gottes Offenbarung.

(2) Wir brauchen ein richtiges Verständnis von der Klarheit der Schrift

Die Dinge, die für unser Heil notwendig sind, sind in der Bibel deutlich offenbart. Allerdings gibt es Passagen, die weniger deutlich sind als andere. Selbst Petrus sagt, dass manche Dinge von Paulus schwer zu verstehen sind – und er warnt vor Irrlehrern, welche die Worte von Paulus verdreht haben und zu falschen Interpretationen gekommen sind.

(3) Wir brauchen ein richtiges Verständnis von „Sola Scriptura“

Es geht bei „Sola Scriptura“ nicht darum, beim Lesen der Bibel den historischen Konsens oder allgemein anerkannte Interpretationen bestimmter Passagen auszublenden. Wir sind nicht die Ersten, die die Bibel lesen. Vielmehr geht es darum, dass die Bibel immer die letzte Autorität hat.

(4) Wir brauchen ein richtiges Verständnis von Kirchengeschichte

Niemand leugnet, dass die Kirche im Laufe von 2000 Jahren Fehler gemacht hat. Mancher, der sehr „wissenschaftsloyal“ zu sein scheint, hält der Kirche historische falsche Positionen vor und begründet damit seinen Unglauben – als ob die Wissenschaft sich nie geirrt habe. Die Tatsache, dass die Kirche im Laufe ihrer Geschichte Fehler gemacht hat, hat nichts mit der Bibel zu tun, sondern mit der sündigen Natur des Menschen.

(5) Wir sollten unsere Unterschiede nicht übertreiben

Auch wenn sich manche christlichen Gruppierungen voneinander unterscheiden, gibt es oftmals viel mehr, was diese Gruppierungen vereint. Manchmal haben unterschiedliche Denominationen auch einfach mit unterschiedlicher Ethnizität, Geschichte oder Tradition zu tun.

(6) Wir müssen erkennen, dass durchdringender interpretativer Pluralismus immer da war

Es geht hier nicht um ein christliches, sondern um ein menschliches Problem. Menschen haben über alles eine unterschiedliche Meinung.

(7) Wir müssen zwischen Bedeutung (meaning) und Tragweite (significance) unterscheiden

Manchmal ist es so, dass es mehrere Punkte in einem Text gibt. Wenn also unterschiedliche Dinge auf einen Text zurückgeführt werden, bedeutet das noch nicht Uneinigkeit.

(8) Christen kommen aus unterschiedlichen Gründen zu unterschiedlichen Interpretationen

Unterschiedliche Interpretationen können mit Geschichte, Tradition oder auch unserer sündhaften Natur (wir wollen, dass die Bibel etwas sagt) zu tun haben. Wir müssen demütig und willig sein, uns immer wieder korrigieren zu lassen.

(9) Wir müssen uns daran erinnern, dass jeder etwas hat, wovon er meint, dass das sehr klar und deutlich in der Schrift zu finden ist

Es ist meistens so, dass Leute, die etwas wahr haben wollen, meinen, dass diese Passage in der Bibel sehr klar sei (Kevin DeYoung erwähnt an dieser Stelle Brian McLaren, der ja für sein Relativieren bekannt ist, bei manchen seiner Positionen dann aber doch sehr absolut wird).

(10) Wir sollten dasselbe Vertrauen in die Bibel haben, das auch Jesus hatte

Niemand hat eine höhere Sicht von der Bibel als Jesus. Jesus hat die Bibel zitiert um Dinge wirklich klarzustellen. Er war also davon überzeugt, dass eine bestimmte Passage eine bestimmte Bedeutung hat. Außerdem war für Jesus klar, dass die ganze Schrift, Gottes Offenbarung ist.

6. Evangelium21-Konferenz: „Gott beim Wort nehmen“

image3

Die 6. Evangelium21-Konferenz fand in diesem Jahr vom 10. bis zum 12. März wieder in der Arche-Gemeinde in Hamburg statt. Auch wenn ich Evangelium21 schon länger kenne, war die letzte Konferenz die erste, bei der ich mit einigen Freunden dabei war. Wir alle schauen mit Dankbarkeit auf die Zeit in Hamburg zurück!

Die Konferenz stand unter dem Motto „Gott beim Wort nehmen“. Hauptredner der Konferenz war Kevin DeYoung, Pastor der University Reformed Church in Michigan. Außerdem waren noch Stephen Nichols von den Ligonier Ministries und William Taylor, Pastor der St. Helens Church in London, dabei.

Wie das Motto schon besagt, ging es in den einzelnen Vorträgen um das Wort Gottes. Es wurde die Wichtigkeit der verständlichen Verkündigung der Bibel in den Gemeinden betont. Auch die Autorität der Bibel wurde wichtiggemacht – am Ende muss die Bibel das letzte Wort haben! Außerdem muss die von den Reformatoren hart erkämpfte Klarheit der Schrift Gültigkeit behalten: das Wort Gottes kann von jedem – nicht nur von Gelehrten – verstanden werden.

In den einzelnen Vorträgen wurde die heutige Gemeinde als Ganzes herausgefordert, aber auch der einzelne Zuhörer wurde angesprochen. Welche Rolle spielt die Bibel in meinem und deinem ganz persönlichen Leben? Das Leben von J. Greshem Machen, das von Stephen Nichols vorgestellt wurde, forderte, glaube ich, jeden heraus. Dieser Mann Gottes war ein Kämpfer für die Wahrheit, von dem man sehr viel lernen kann.

image1

Neben den Vorträgen bot die Konferenz die Möglichkeit zu vielen wertvollen Begegnungen mit Geschwistern im Herrn. Man hat neue Leute kennengelernt, aber auch alte Bekannte wiedergetroffen. Auch die anderen Angebote, wie z.B. das reiche Bücherangebot oder die Stände des Southern Seminarys und Acts29, rundeten die Konferenz wunderbar ab.

image2

image

Was ich an Evangelium21 besonders schätze ist die Bibeltreue des Netzwerks. Evangelium21 ist für Deutschland das, was die Gospel Coalition (TGC) und Together for the Gospel (T4G) für Amerika sind. In einer Zeit, in der die evangelikale Welt von vielen Seiten unter Druck gesetzt und zu Kompromissen aufgefordert wird, brauchen wir Christen, die sich unbeirrt an Gottes Wort orientieren und der Welt gleichzeitig nicht in Feindschaft, sondern engagiert und in Liebe begegnen. Evangelium21 sucht solche Christen zu vereinen. Dafür bin ich Gott dankbar!

Stephen Nichols: Fünf Dinge, die Jonathan Edwards mich im Hinblick auf das Überwinden der Welt gelehrt hat

maxresdefault

Wir als Christen sind dazu aufgerufen, die Welt zu überwinden. Mit diesem Gebot ruft uns die Bibel nicht zu politischen Kampagnen auf. Es geht vielmehr darum, gegen das Wesen der Sünde zu kämpfen und Christus immer ähnlicher zu werden.

Stephen Nichols, Präsident des Reformation Bible Colleges und Mitarbeiter der von R.C. Sproul gegründeten Ligonier Ministries, hat (hier) über fünf Dinge gesprochen, die er von Jonathan Edwards im Hinblick auf das Überwinden der Welt gelernt hat:

(1) Die Perspektive, ohne die wir nicht leben können

Vertausche niemals (äußere) Erscheinungen mit der Wirklichkeit. Manchmal scheint es tatsächlich so, dass die Herrscher der Welt die letztendliche Kontrolle besitzen. Die Realität sieht allerdings anders aus: die Herrscher dieser Welt sind zeitlich begrenzt und von Gott abhängig. Wir dürfen niemals die Erscheinung mit der Wirklichkeit vertauschen.

(2) Die Lehre, ohne die wir nicht leben können

Das Zentrum der Bibel – und somit in gewisser Weise auch das Zentrum der Weltgeschichte – ist die Lehre der Erlösung. Die Lehre der Erlösung macht gleichzeitig auch die Überlegenheit Christi deutlich. Gott hat in Christus viel Gutes für uns bereit.

(3) Die Implikation, ohne die wir nicht leben können

Die Lehre der Erlösung impliziert die Lehre der Vorsehung. Manchmal möchten wir wissen, wie unser Leben wohl in einigen Jahren aussehen wird. Würde Gottvertrauen auf diese Weise nicht sogar leichter werden? Nein! Wenn wir unser Leben aus der Vogelperspektive betrachten könnten, würden wir viele Schwierigkeiten sehen, die noch auf uns warten – das könnte sogar in Verzweiflung enden. Was wir brauchen ist die vollkommene Vorsehung Gottes. Wir müssen wissen, dass Gott alles unter Kontrolle hat.

(4) Das seltsame Merkmal, ohne das wir nicht leben können

Edwards spricht davon, dass der Himmel eine Welt der Liebe, und der dreieinige Gott eine Fontäne der Liebe ist. Im Himmel werden wir völlig frei von Sünde sein und göttlich lieben können. Das Merkmal, das Christen schon hier auszeichnet, ist genau diese Liebe! Die Centurios des Römischen Reichs symbolisierten die römische Macht. Als das Symbol der Macht mit dem Symbol der Liebe, nämlich dem sterbenden Christus am Kreuz, konfrontiert wurde, musste dieses die Gottheit Christi bekennen. Wir brauchen Liebe, um die Welt zu überwinden.

(5) Das Buch, ohne das wir nicht leben können

Die Bibel enthält so viel mehr als alle anderen Bücher. Die Bibel ist die Offenbarung Gottes. Wir leben in einer Welt, die immer auf das Neuste aus ist. Wir als Christen verlassen uns aber auf ein Buch, welches über 2000 Jahre alt ist – und Gott hat versprochen genau dieses zu segnen: sein Wort!

Stephen Nichols wird übrigens (genau wie Kevin DeYoung) auch auf der diesjährigen Evangelium21-Konferenz in Hamburg sprechen. Die Konferenz steht unter dem Motto: „Gott beim Wort nehmen“. Noch kann man sich für die Konferenz anmelden.

Welche Theologie steckt in der Kindergeschichte?

Ron Kubsch hat anlässlich der bevorstehenden Evangelium21-Konferenz ein Interview mit Christian Wegert geführt. In dem Gespräch kommen die beiden auch auf die Auswirkungen biblischer Theologie auf den Kindergottesdienst zu sprechen. Christian Wegert nennt ein Problem, das mir sehr bekannt vorkommt: Die Kindergeschichte wird zur Moralpredigt.

Neben der Predigt wird die Biblische Theologie auch viele andere Bereiche der Gemeinde prägen. Denken wir zum Beispiel an den Kindergottesdienst. Vielfach wird aus dem biblischen Bericht von David und Goliath eine ethische Predigt für Kinder abgeleitet. Der Mut und die Unerschrockenheit Davids werden hervorgehoben. Den Kindern wird gern gesagt, dass auch sie die Probleme in ihrem Leben besiegen können, wenn sie nur so mutig und tapfer wie David seien. Die Kleinen hören dies und gehen mit gestärktem Selbstbewusstsein nach Hause.

Wie aber soll die Kindergeschichte dann aussehen?

Wenn es aber wahr ist, was Jesus den Emmaus-Jüngern sagte, dann müssen wir die Frage stellen: Wo ist in der Geschichte ein Hinweis auf Jesus zu finden? Wir sind doch vielmehr die verzagten Israeliten, die es ablehnten ihrem Gott zu vertrauen. Obwohl Er sie in der Vergangenheit mehrfach aus Todesnot befreit hatte, meinten sie diesmal, die Übermacht der Philister sei zu groß. Daher waren sie vor Furcht gelähmt. Aber Gott brachte ihnen einen Retter. Obwohl sie nach einem Kämpfer mit einem großen Schwert Ausschau hielten, sandte Er ihnen einen einfachen Hirtenjungen, der nur mit einer Schleuder und fünf kleinen Steinen bewaffnet war. Weil auch unser Leben von Unglauben und mangelndem Gottvertrauen gekennzeichnet ist, benötigen wir ebenfalls einen Retter der für uns den Riesen unserer Sünde vernichtet. Auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen, wie David zu sein, werden wir es niemals schaffen, uns aus den Klauen des Feindes zu befreien.

David ist die Verheißung auf unseren großen Retter Jesus Christus. Er kam wie David, nicht mit einem Schwert, sondern als ein Hirte. Er gab sein Leben, um unseren größten feindlichen Riesen, die Sünde und den Tod zu besiegen. Das ist das Evangelium schon in alttestamentlichen Texten. Dies müssen auch die Kindern (sic!) hören.