Lehre und Leben (4): Kopfwissen rettet nicht

In dem Artikel „Halte fest“ (auf englisch) plädiert J. C. Ryle dafür, den Kampf für die Wahrheit zu führen, auch wenn er nicht populär ist. Ryle war ein Mann, der auf gesunde Lehre großen Wert legte. Folgende Passage machte mich jedoch nachdenklich:

„Leser, es wird weder dich noch mich erretten, wenn wir alle Kontroversen kennen und alles erkennen können, was falsch ist. Kopfwissen wird weder dich noch mich in den Himmel bringen. Wir werden nicht dadurch errettet, dass wir mit den Katholiken argumentieren oder die Irrtümer der päpstlichen Bullen oder Pastoralbriefe erkennen können. Lasst uns darauf achten, dass wir Jesus Christus selbst besitzen durch unseren eigenen persönlichen Glauben. Lasst uns darauf achten, dass ein jeder von uns Zuflucht bei der Hoffnung sucht, die uns in seinem herrlichen Evangelium gegeben ist. Lasst uns dies tun, und es wird uns wohl ergehen, was immer auch uns zuwiderläuft. Lasst uns dies tun, und dann werden alle Dinge unser sein. Die Kirche mag versagen. Der Staat mag in den Ruin gehen. Die Grundfeste der Institutionen mögen erschüttert werden. Die Feinde der Wahrheit mögen für eine Zeit die Oberhand gewinnen; aber was uns angeht, wird alles gut sein. Wir werden Frieden in dieser Welt haben, und in der kommenden Welt ewiges Leben, denn wir werden Christus haben.“ (via distomos)

Der eigene persönliche Glaube! Wie sagt Paulus: Habe acht auf dich selbst und [danach] auf die Lehre!

Ryrie ist nicht Ryle

In dem heutigen Gespräch hat sich ein Fehler eingeschlichen: Ryrie, der in dem Buch kritisch erwähnt wurde, ist nicht Ryle, der „Mann mit Bart“, den ich bereits zitiert habe und auch sonst nur empfehlen kann. Für die Biographie-Liebhaber gibt es hier unter dem Titel „Ein Mann wie Granit mit dem Herzen eines Kindes“ ein lesenswertes Buch über ihn. In der Beschreibung heißt es:

„John Charles Ryle wuchs in einer gut situierten Familie in England auf – sein Vater war Politiker und Geschäftsmann. Die Karriere von Ryle – einem intelligenten jungen Mann und großartigen Sportler – war schon vorprogrammiert. Zuerst die Übernahme des väterlichen Geschäfts und danach eine politische Karriere.
Doch dann passierte die Katastrophe: Der Zusammenbruch der väterlichen Bank sowie aller damit zusammenhängenden Geschäfte! Ryle verlor seinen Job, ebenso wie seine gesellschaftliche Stellung. Von einem Moment zum anderen war aus dem populären jungen Mann mit ausgezeichneten Zukunftsaussichten der Sohn eines Bankrotteurs ohne Job geworden.
Als letzter Ausweg stand nur noch eine „Karriere“ in der anglikanischen Kirche zur Verfügung. Doch wer hätte sich vorstellen können, dass so ein unfreiwilliger Start in das Amt eines Pastors einen so tief greifenden Einfluss auf das geistliche Leben einer ganzen Nation haben würde.
Sein Ansehen als Pastor und Leiter wurde so groß, dass er zum ersten Bischoff von Liverpool ernannt wurde. Als Autor wird er auch heute noch geschätzt, z.B. Holiness („Seid heilig!“ 3L Verlag). Mit den Einnahmen seiner Bücher bezahlte er die Schulden seines Vaters ab.
J.C. Ryle veränderte das Bild der Kirche in England.“

Der Pfad des Gehorsams

Ein weiterer Beitrag zu unserem Lieblingsthema: Müssen wir aktiv werden oder passiv auf Gottes Eingreifen warten? J.C. Ryle schreibt folgendes dazu, wenn auch in anderem Zusammenhang:

„Ich weiß, dass du dein Kind nicht bekehren kannst. Ich weiß gut, dass die, die wiedergeboren werden, nicht aus dem Willen des Mannes geboren werden, sondern aus Gott. Aber ich weiß auch, dass Gott deutlich sagt: ‚Erziehe den Knaben seinem Weg gemäß‘ und dass er den Menschen nie ein Gebot auferlegt, zu dem er nicht Gnade gibt, es zu befolgen. Und ich weiß auch, dass unsere Pflicht nicht ist, still zu sitzen und zu diskutieren, sondern vorwärts zu gehen und zu gehorchen. Der Pfad des Gehorsams ist der Weg, den er segnet. Wir müssen nur das tun, was den Dienern bei der Hochzeit zu Kana geboten wurde: die Wasserkrüge füllen – dann können wir es ruhig dem Herrn überlassen, Wasser in Wein zu verwandeln.“ (in: Die Pflichten der Eltern. Grundregeln biblischer Erziehung, Betanien 2010, S. 21f. Das Buch, das ich bislang für eins der wenigen wirklich lesenswerten Erziehungsbücher halte, ist hier zu erwerben)

Ryle spricht in dem Abschnitt über die Bedeutung der Erziehung. Er versucht deutlich zu machen, dass man sich auf gar keinen Fall nach dem Motto ‚Ich kann mein Kind ja sowieso nicht bekehren‘ zurücklehnen, sondern seine Erziehungsaufgabe wahrnehmen soll. In dem Zusammenhang folgt dann dieses Zitat. Für Ryle ist also klar, dass Gottes Souveränität immer die Grundlage sein muss – aber ihn führt dies, und das macht das Zitat so deutlich, nicht in die Tatenlosigkeit, sondern vielmehr auf den Pfad des Gehorsams. Möge der Herr uns gehorsame Herzen schenken, damit unser Glaube in der Tat sichtbar sei! (Ich finde in diesem Zusammenhang das Wort Glaubensgehorsam sehr interessant)