J.I. Packer über Alan Stibbs

Manche von euch haben in den letzten Monaten intensiv die Begleithefte zur Bibellese von Alan Stibbs („Der Schlüssel zur Weisheit. Mit Gewinn die Bibel entdecken“) genutzt. Stibbs möchte mit seinen Fragen zu jedem Kapitel der Bibel dazu anleiten, die Bibel in etwa 3 Jahren selbstständig zu entdecken. Da ich Stibbs bislang überhaupt nicht kannte, las ich mit Interesse folgende Bemerkungen über ihn:

“for many years the best theological mind serving British evangelicals”,

urteilt J. I. Packer. Timothy Raymond vom Credo Magazine, der eine Aufsatzsammlung von Stibbs zu seinem Top-Buch 2013 kürte, meint:

„Stibbs is as exegetical as B.B. Warfield or John Murray but with a good bit more devotional warmth.“

Nach meinen ersten Erfahrungen mit dem Begleitheft würde ich zustimmen, wenngleich mir die Anwendung vom AT auf unser persönliches Leben manchmal zu sprunghaft erscheint.

Gott wirkt die Frucht

Psalm 1 sagt deutlich, dass Frucht aus dem Wort Gottes kommt. J. I. Packer stellt fest, dass wir in der Evangelisation mit unseren Methoden nicht weiter gehen dürfen:

Wenn wir vergessen, dass es Gottes alleiniges Recht ist, Frucht zu wirken, wo das Evangelium verkündigt wird, werden wir anfangen, uns selbst dafür verantwortlich zu fühlen. Und wenn wir vergessen, dass Gott allein den Glauben wirken kann, werden wir immer mehr denken, Bekehrungen zu schaffen sei letztlich von uns und nicht von Gott abhängig, und dass der entscheidende Faktor in der Evangelisation die Darbietung sei. Und diese Denkart führt uns – konsequent zu Ende gedacht – weit in die Irre. Sehen wir uns das einmal genauer an: Wenn wir meinen, unsere Aufgabe sei mehr, als nur Christus anzubieten, wenn wir meinen, wir hätten Bekehrungen zu produzieren – also nicht nur treu, sondern auch erfolgreich zu evangelisieren – dann werden wir pragmatisch und berechnend an die Evangelisation herangehen. Wir würden folgern, daß wir – sowohl im persönlichen Gespräch, wie auch bei öffentlichen Predigten – über zwei Grundvorraussetzungen verfügen müßten. Es genügte nicht nur ein klarer Begriff von der Bedeutung und Reichweite des Evangeliums; unerläßlich wäre außerdem eine unwiderstehliche Technik, die den gewünschten Erfolg herbeiführt. Wir sähen es daher als unsere Aufgabe an, eine solche Technik zu entwickeln und einzuüben. Und wir würden unsere und anderer Leute Evangelisationsarbeit nicht nur an der verkündeten Botschaft, sondern auch am sichtbaren Erfolg messen. Brächten unsere Bemühungen keine Erfolge, so schlössen wir daraus, daß unsere Technik verbesserungswürdig ist. Wenn sie aber Frucht bringen, so hielten wir dieses für die Bestätigung, die richtige Methode zu haben. Wir sähen in der Evangelisation einen Kampf zwischen unserem Willen und dem unserer Zuhörer, einen Kampf, bei dem der Sieg darauf zurückzuführen ist, daß wir durch unser wirkungsvolles Artilleriefeuer den erwünschten Erfolg erzwungen haben.

Schon Luther sagte in seinen Invokavitpredigten 1522: „Ich kann nicht weiter an Menschen herankommen, als bis zu deren Ohr; in ihr Herz kann ich nicht kommen.“ Wer das vergisst, läuft Gefahr, Scheinbekehrungen zu fördern. Das kann durch einseitig besucherzentrierte Themen geschehen, aber auch durch eine starke und damit ungesunde Betonung von Emotionen beim „Zuruf“. Was Luther, Packer und viele andere erkannt haben: Das Wort Gottes reicht vollkomen. Unsere Aufgabe liegt darin, ein klares Evangelium zu verkündigen. Der Rest ist Gottes Sache.

Wer das Thema vertiefen möchte, sollte sich diesen Vortrag von Wolfgang Nestvogel anhören. Hier geht es darum, wie Martyn Lloyd-Jones mit der Souveränität Gottes in der Evangelisation umging.

Zitat aus: MacArthur, John F., Wenn Salz kraftlos wird. Die Evangelien im Zeitalter juckender Ohren, Bielefeld 1996, S.160f..

J. I. Packer über das Internet

I’m amazed at the amount of time people spend on the internet. I’m not against technology, but all tools should be used to their best advantage. We should be spending our time on things that have staying power, instead of on the latest thought of the latest blogger—and then moving on quickly to the next blogger. That makes us more superficial, not more thoughtful.

Gott kennt dich

Stell dir vor, jemand würde alles, wirklich alles von dir wissen! Ist das nicht ein wirklich unangenehmer Gedanke? Jeder Neid, jede Bitterkeit, jeder unreine Gedanke wäre dieser Person bekannt. Außerdem wüsste diese Person, wie wir bei bestimmten Situationen reagieren und empfinden. Ich kann nach außen ein ganz bestimmtes Bild von mir entstehen lassen, aber die besagte Person wüsste genau, wie es im Inneren wirklich aussieht. Gott ist so – er weiß wirklich alles von uns. Aber – und das ist der entscheidende Gedanke: Diese Erkenntnis, dass Gott mich kennt, macht uns (als seine Kinder!) nicht starr vor Schreck; diese Tatsache befreit uns:

Worauf es also hauptsächlich ankommt, ist letzten Endes nicht die Tatsache, dass ich Gott kenne, sondern die größere und grundlegendere Tatsache, dass er mich kennt. […] Dieses Wissen hat große Bedeutung. In ihm liegt unglaubliches Wohlbefinden – ein Wohlbefinden wohlgemerkt, das vorantreibt, nicht schwächt – zu wissen, dass Gott ständig Kenntnis von mir nimmt und in Liebe über mich wacht zu meinem Besten. Es ist enorm erleichternd, zu wissen, dass seine Liebe zu mir absolut realistisch ist, dass ihm jederzeit auch das Schlimmste von mir bekannt ist, so dass nichts nachträglich zutage treten kann, was Ihn über mich eines Schlechteren belehren und Seine Entscheidung für mich rückgängig machen könnte. Es kann für uns bestimmt ein guter Anlass zur Demut sein, zu bedenken, dass Er all die Sachen über uns weiß, die nicht ganz in Ordnung sind, und die unsere Mitmenschen (Gott sei Dank) nicht wissen. Und er sieht ja mehr Verderbtheit in mir, als ich selbst wahrnehmen kann – dabei würde das, was ich sehe, ja eigentlich schon reichen. Gleichfalls müsste es einen großen Antrieb für uns darstellen, wenn wir uns überlegen, dass Gott aus irgendeinem unerfindlichen Grund uns zu Freunden wünscht, dass Er Verlangen hat, mein Freund zu sein, und aus diesem Grund Seinen eigenen Sohn für mich in den Tod schickte […]

Was für ein Privileg besitzen wir doch: Gott kennt uns! Allerdings sollten wir nicht vergessen – Dieses Wohlwollen Gottes gilt nur den begnadigten Gotteskindern. Alle anderen kennt Gott natürlich ebenso; allerdings wird er bei diesen Menschen Rechenschaft für jede einzelne Tat fordern und dann danach urteilen!

Zitat aus: Packer, James Innell, Gott erkennen. Das Zeugnis vom einzig wahren Gott, Bad Liebenzell 2005, S. 39-40.

Die Bedeutung der Gotteserkenntnis

In dem Buch „Gott erkennen“ beschreibt J. I. Packer den Stellenwert der Gotteserkenntnis im persönlichen Leben:

Wofür sind wir geschaffen? – Um Gott zu erkennen.

Welches Ziel sollen wir uns im Leben setzen? – Gott zu erkennen.

Was ist das „ewige Leben“, dass Christus gibt? – Gotteserkenntnis. „Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus erkennen“ (Johannes 17, 3).

Was ist das Beste im Leben, das uns mehr Freude, Ergötzen und Zufriedenheit bringt, als irgend etwas anderes? – Gotteserkenntnis. „So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern, wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne!“ (Jeremia 9, 22ff.).

In welchem Stande erblickt Gott Menschen am liebsten? – in der Erkenntnis Gottes. „Ich habe Lust […] an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer“, sagt Gott (Hosea 6, 6).

[…] Hat man einmal voll erkannt, dass die Hauptaufgabe unseres Hierseins die Gotteserkenntnis ist, so kommen die meisten Probleme unseres Lebens von selbst in Ordnung.

aus: Packer, James Innell, Gott erkennen. Das Zeugnis vom einzig wahren Gott, Bad Liebenzell 2005, S. 29.

Was wir in der Beschäftigung mit Gott finden

Charles Spurgeon im Alter von 20 Jahren:

In der Betrachtung Christi liegt ein Balsam für jede Wunde, im Nachdenken über den Vater liegt Beruhigung für jedes Leid, und im Wirken des Heiligen Geistes liegt Trost für jeden Schmerz. Sollen deine Sorgen sich verlieren? Und deine Ängste versinken? Dann geh hin, wirf dich in den tiefsten Ozean Gottes; verliere dich in seiner Unermeßlichkeit; und du wirst dich wiederfinden, wie nach einer kurzen Ruhepause, erfrischt und gestärkt. Ich kenne nichts, dass der Seele so gut tut, das die hohen Wogen von Sorge und Leid beruhigt, das so die Stürme der Prüfungen beschwichtigt, als gläubiges Bedenken des Göttlichen.

aus: Packer, James Innell, Gott erkennen. Das Zeugnis vom einzig wahren Gott, Bad Liebenzell 2005, S. 13-14.

Die Souveränität Gottes und die Evangelisation

In den letzten Beiträgen ging es wiederholt um Gottes Souveränität in der Evangelisation.

Helmut machte mich auf einen Artikel von Rudolf Möckel aufmerksam, der diese Frage aufgreift. Möckel spricht von der Erwählung zum Heil allein durch Gottes Gnade und macht deutlich, dass wir nicht nur ein bisschen tot waren vor unserer Bekehrung: Daher konnten wir in keiner Weise an unserer Rettung mitwirken. Er bleibt jedoch nicht dabei stehen. Er erklärt weiter:

„Neben die Lehre von der Vorherbestimmung Gottes stellt sie [d.h. die Bibel] ebenso deutlich die Lehre von der Verantwortlichkeit des Menschen.“

Er führt weiter aus:

„Natürlich kommt immer wieder die Frage auf, wie denn die Lehre von der Vorherbestimmung Gottes und die Lehre von der Verantwortung des Menschen zusammenpassten. Die schlössen sich doch gegenseitig aus! Und es stimmt: Aus unserem begrenzten menschlichen Blickwinkel erscheint das so. Bei Gott allerdings bilden beide eine perfekte Einheit. Die Bibel macht unübersehbar klar, dass beide – die Lehre von der Vorherbestimmung Gottes und die Lehre von der Verantwortung des Menschen – gleichermaßen zu einhundert Prozent wahr und von Gott offenbart sind. Das heißt: Wir sollen den Menschen die Wahrheit Gottes so sagen, als hinge alles von ihrer Entscheidung ab. Dabei aber wissen wir, dass nur diejenigen sich für Gottes Wort und für die Rettung entscheiden werden, die Gott vor Grundlegung des Welt dazu erwählt hat.“

QWas passiert, wenn die Souveränität Gottes bei Evangelisationen immer weniger in die Überlegungen einbezogen wird? Möckel zitiert J. I. Packer:

„Wenn wir vergessen, dass es Gottes alleiniges Recht ist, Frucht zu wirken, wo das Evangelium verkündigt wird, werden wir anfangen, uns selbst dafür verantwortlich zu fühlen. Und wenn wir vergessen, dass Gott allein den Glauben wirken kann, werden wir immer mehr denken, Bekehrungen zu schaffen sei letztlich von uns und nicht von Gott abhängig, und dass der entscheidende Faktor in der Evangelisation die Art der Darbietung sei. Und diese Denkart führt uns – konsequent zuende gedacht – weit in die Irre.“

Packer führt weiter aus:

„Sehen wir uns das einmal genauer an: Wenn wir meinen, unsere Aufgabe sei mehr, als nur Christus anzubieten, wenn wir meinen, wir hätten Bekehrungen zu produzieren – also nicht nur treu, sondern auch erfolgreich zu evangelisieren – dann werden wir pragmatisch und berechnend an die Evangelisation herangehen. Wir würden folgern, dass wir – sowohl im persönlichen Gespräch, wie auch bei öffentlichen Predigten – über zwei Grundvoraussetzungen verfügen müssten: Es genügte nicht nur ein klarer Begriff von der Bedeutung und Reichweite des Evangeliums; unerlässlich wäre außerdem eine unwiderstehliche Technik, die den gewünschten Erfolg herbeiführt. Wir sähen es daher als unsere Aufgabe an, eine solche Technik zu entwickeln und einzuüben. Und wir würden unsere und anderer Leute Evangelisationsarbeit nicht nur an der verkündeten Botschaft, sondern auch am sichtbaren Erfolg messen. Brächten unsere Bemühungen keine Erfolge, so schlössen wir daraus, dass unsere Technik verbesserungswürdig ist. Wenn sie aber Frucht bringen, so hielten wir dieses für die Bestätigung, die richtige Methode zu haben. Wir sähen in der Evangelisation einen Kampf zwischen unserem Willen und dem unserer Zuhörer, einen Kampf, bei dem der Sieg darauf zurückzuführen ist, dass wir durch unser wirkungsvolles Artilleriefeuer den gewünschten Erfolg erzwungen haben.“

Möckel meint:

„Sowohl Bill Hybels in Willow Creek, als auch die Aktion ProChrist/Jesus House gehen grundsätzlich nach den von Packer beschriebenen pragmatisch-erfolgsorientierten Methoden vor.“

Wie aber soll Evangelisation dann aussehen?

„Evangelisation im biblischen Sinn ist Evangelisation im Vertrauen auf die Souveränität Gottes. Sie achtet zuerst und grundsätzlich darauf, die Wahrheit Gottes vollständig, unverfälscht und vor allem treu weiterzugeben. Sie sucht nicht den machbaren Erfolg, sondern gibt dem Wort Gottes allen nur möglichen Freiraum.“

Nicht die Technik oder Methode, sondern die Wahrheit Gottes (Lehre) steht also im Fokus! Mir fiel der Zusammenhang mit Francis Schaeffers Feststellung auf: Schaeffer beobachtet eine Verschiebung zur Erfahrung, die getrennt von der Lehre ist, weil der Mensch sich in den Fokus seines Denkens stellt. Der Ausgleich solcher Fehlentwicklungen, dass zeigen die Überlegungen von Möckel bzw. Packer, geschieht durch die Neuentdeckung der biblischen Lehre von der Souveränität Gottes.